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In Hamburg war man ziemlich sicher, dieses Spiel zu gewinnen. Ein Sponsor ließ via Anzeigetafel noch einmal die Zahlen eines Publikumsvotings einblenden, demzufolge betrug die Wahrscheinlichkeit eines Sieges fünfundachtzig Prozent. Höher war nur die von Wetterdiensten prognostzierte Regenwahrscheinlichkeit; sie lag – bei Sturmflutwarnung für die Nordsee – bei einhundert Prozent.
Alles sprach mithin für einen ungemütlichen Nachmittag für den 1.FC Nürnberg. Immerhin: Geregnet hat es dann nicht im Volkspark, aber Nürnberger Niederlagen beim HSV zu prognostizieren, scheint sicherer als jede Wettervorhersage. Wirklich zwingend logisch war das Orakel ja eigentlich nicht, bis gestern Nachmittag stand Nürnberg um einen Punkt besser notiert als Hamburg. Indes gibt es da ein Gesetz der Serie: Fast zwanzig Jahre liegt Nürnbergs letzter Sieg in Hamburg zurück, seither resultieren aus nun elf Spielen seit gestern neun Niederlagen.
Es kann kommen, wie es mag: Der Sieger heißt Hamburg. Warum, wusste auch HSV-Trainer Thorsten Fink nicht zu sagen. „Wir haben nicht gut gespielt, Nürnberg hat gut gespielt“, fasste der in nun sechs Spielen unbesiegte Coach zusammen, was in Zahlen so aussah: Hamburg zwei Tore, Nürnberg null. Man ahnt: Wirklich zwingend war auch dieses 0:2 (0:1) nicht, ganz im Gegenteil: Langgediente Hamburger Beobachter wunderten sich ein wenig über den HSV; die bessere Mannschaft, sagte Dieter Matz, Reporter-Legende des Hamburger Abendblatts, sei ja wohl Nürnberg gewesen – nur macht es Verlierer nicht glücklicher, wenn man sie lobt. „Total überflüssig und unnötig ohne Ende“ sei diese Niederlage gewesen, befand Nürnbergs starker Verteidiger Dominic Maroh, „heute wäre viel viel mehr möglich gewesen.“
Der Club sah tatsächlich über weite Strecken gut aus und hatte frühzeitig bereits zwei feine Gelegenheiten durch Daniel Didavi ausgelassen, aber manchmal passieren beim Fußball die komischsten Sachen – so fiel diesmal ein entscheidendes Tor, das sich eher auf der Gegenseite angekündigt zu haben schien. Nürnbergs Alexander Esswein hatte sich zum wiederholten Mal über die linke Seite durchgesetzt, Tomas Pekart köpfte – aber Torwart Jaroslav Drobny bekam den Ball gerade noch zu fassen.
Ein paar Sekunden später stand es doch 1:0 – bloß für Hamburg, weil Drobnys weiter Abschlag zwar eigentlich dem Nürnberger Strategen Timmy Simons vor die Füße fiel – der Belgier aber verlor, bedrängt von Paolo Guerrero, das Gleichgewicht, und Hamburgs quirliger Peruaner, nach neun Minuten noch am Außenpfosten gescheitert, hatte keine Mühe mehr, zum 1:0 abzuschließen (23.). Simons monierte ein Foulspiel Guerreros, sein Trainer Dieter Hecking sah es anders und rügte das Abwehrverhalten. Die Antwort der Gäste kam einem bekannt vor: Wieder setzte sich der agile Esswein durch und flankte präzise, wieder hielt Pekhart den Kopf hin – diesmal prallte der Ball gegen die Latte (36.).
So hatte diese ganze nie vorhersehbare und durchaus kurzweilige Partie ausgesehen. Nürnberg spielte mit und agierte mit einigem Selbstbewusstsein, der HSV aber hatte die entscheidenden Geistesblitze. Und das größte Manko des Clubs fiel deshalb noch deutlicher auf als ohnehin schon. Nur Neuling FC Augsburg und der 1.FC Kaiserslautern treffen noch seltener ins Tor als die Nürnberger, die gestern viel ihrer vor Wochenfrist beim 1:0 über die Lauterer entdeckten Tugenden vorführten, aber eben erneut auch ihre größte Untugend: Im Abschluss fehlt es an allem – auch an Glück, genauso an Cleverness, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit.
Egal, ob es wenige Gelegenheiten sind oder – wie gestern – viele: Nürnberg nutzt sie nicht, und so wiederholte sich im zweiten Abschnitt die Dramaturgie des ersten Akts. Nach Christian Eiglers Flanke verpasste Pekhart das Ausgleichstor per Kopfball um Zentimeter; diesmal dauerte es vier Minuten, ehe ein anderes Gesetz der Serie erneut griff: Wer seine Gelegenheiten auslässt, darf sich über nichts wundern. Der ballgewandte Gökhan Töre versetzte Philipp Wollscheid und Dominic Maroh, sein Zuspiel nutzte der völlig freistehende Hamburger Ex-Nationalspieler Marcell Jansen per Linksschuss aus zehn Metern zum 2:0 (63.) - die Sache war gelaufen. „Vom Ergebnis her war es ein Rückschritt, aber wir können auch viel Positives mitnehmen“, sagte Hecking und wagte eine Prognose: „Wenn wir so spielen, können wir am Samstag Hoffenheim schlagen - vielleicht.“

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12
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Do. 17.05.12
Do. 17.05.12
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