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Der Club überrascht ein bisschen

Nürnberg macht zum Auftakt beim 1:1 in Mönchengladbach eine ganz gute Figur - 23.08.10

Die Mannschaft des 1. FC Nürnberg ist auch in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg in die Fußballbundesliga. Phasenweise gelang es der jungen Club-Elf beim 1:1 (1:1) bei Borussia Mönchengladbach sogar nachhaltig zu überraschen.


MÖNCHENGLADBACH - Einen winzigen Augenblick nur noch wich an diesem Nachmittag die Zufriedenheit aus Dieter Heckings Miene. Der Trainer des 1. FC Nürnberg stand am Samstag in den Katakomben des Mönchengladbacher Borussia-Parks, draußen hatte sein Team eben gegen favorisierte Gastgeber ein 1:1 (1:1) erkämpft, drinnen lief nun eine Zusammenfassung der 90 Minuten über die Bildschirme.

Entspannt sah Hecking aus, man hatte ihm und seinen Spielern nach einer holprigen Vorbereitung ja selbst das nicht mehr zugetraut: ein Unentschieden bei einer der deutschen Durchschnittsmannschaften. Und dann hatte Hecking sogar noch einen Grund, die Mundwinkel etwas nach unten zu ziehen. Die Fernsehbilder zeigten gerade eine Szene aus der 72. Minute, wobei Hecking diese Bilder eigentlich nicht noch einmal gebraucht hätte, um ein bisschen unzufrieden mit dem Nachmittag zu sein. Man hatte das auch im Stadion schon sehr gut in Echtzeit sehen können, wie Albert Bunjaku einen Ball auf Julian Schieber passt, wie die Leihgabe des VfB Stuttgart plötzlich alleine vor Gladbachs Torwart Logan Bailly steht - und wie er dann eine Sekunde später den Ball nicht ins Tor, sondern gegen Baillys Beine schießt.

Beim Anpfiff fünf Neue auf dem Platz

"Das tut weh", sagte Schieber später über seinen Fehlversuch, "aber die nächste Chance kommt, so muss man als Stürmer denken". Wie sein Trainer dachte, wird der 21-Jährige spätestens auf der Heimfahrt erfahren haben. "Wenn Schieber das Tor macht", sagte Hecking auf der Pressekonferenz, "dann sitze ich hier als Sieger." Es wollte ihm niemand widersprechen, Schiebers Möglichkeit war Nürnbergs große Chance, ein Spiel für sich zu entscheiden, das zumindest den Hauch des Historischen in sich trug. 42.202 Zuschauer - so viele wie nie zuvor bei einer Begegnung dieser beiden Traditionsklubs - durften sich vor der Partie an der größten Choreographie, die der Borussia-Park je erlebt hat, erfreuen.

Mönchengladbach ehrte seine Helden der Vergangenheit, die Meisterschaften und Pokale für die Borussia gewonnen haben. In der Gegenwart durfte sich der Gastgeber immerhin dessen sicher sein, in die Begegnung gegen den seinerseits ebenfalls ruhmreichen 1. FC Nürnberg als Favorit zu gehen. Das Vorjahr hatte Mönchengladbach fern jeglicher Abstiegssorgen verbracht, Nürnberg sich erst in der Relegation vor der 2. Liga gerettet. Und während die Mannschaft vom Niederrhein fast unverändert in die neue Spielzeit startete (einziger Neuzugang in der Startformation war Angreifer Mohamadou Idrissou), musste Nürnberg gleich fünf Neue integrieren.

"Deutscher Meister wird nur der FCN"

Timmy Simons, Mehmet Ekici und Jens Hegeler kamen zu ihrem ersten Bundesliga-Einsatz von Beginn an, und auch Per Nilsson und Schieber waren in der Vorsaison in Hoffenheim beziehungsweise Stuttgart weit entfernt von dem, was man einen Stammspieler nennt. Dennoch starteten die Franken durchaus selbstbewusst, hatten nach knapp fünf Minuten ihre Ehrfurcht vor Kulisse und Gegner abgelegt und begannen, mutig nach vorne zu spielen. Javier Pinola, der später mit Krämpfen ausgewechselt werden musste, scheiterte aus der Distanz an Bailly (8. Minute), Ekici 60 Sekunden später am Pfosten. "Die Chancen haben Gladbach ein bisschen gelähmt", sagte Hecking, der nach einer Viertelstunde zusehen durfte, wie Jens Hegeler Nürnbergs Bemühungen belohnte. Nach einer wunderbaren Flanke Juri Judts überwand Hegeler per Kopf aus fünf Metern den Torwart der Gastgeber.

Nürnbergs Anhänger legten sich nun fest: "Deutscher Meister wird nur der FCN" klang es aus der Gästekurve. Eine These, die der Realität wohl nicht standhalten wird. Schon nach einer halben Stunde musste Hecking nämlich mitansehen, wie seine Mannschaft, nachdem sie in der Anfangsphase sogar spielerisch zu gefallen wusste, plötzlich "zu passiv" wurde - und Idrissou nach einer Aneinanderreihung von Fehlern der nicht immer souveränen Nürnberger Defensive zum Ausgleich traf.

Torwart Raphael Schäfer überragend

"Wir brauchen noch Zeit, um uns auf die Bundesliga umzustellen", sagte deshalb Kapitän Andreas Wolf, "aber die Abstimmung wird besser". Die jetzt noch nicht so gute Abstimmung führte dazu, dass im zweiten Durchgang vor allem die Borussia zu Möglichkeiten kam. Nach Schiebers Großchance hätten Dante per Kopf und Herrmann per Fernschuss das Spiel auch für die Gastgeber entscheiden können. Der brasilianische Innenverteidiger zielte jedoch daneben, gegen Herrmann klärte der überragende Raphael Schäfer großartig.

Am Ende stand ein gerechtes Remis, auch wenn laut Schäfer "teilweise mehr drin war". Und auch Hecking wollte nicht zu sauer sein. "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen", sagte der 45-Jährige, "sie hat eine halbe Stunde lang vieles richtig gemacht." Da durfte dann auch der sich angesprochen fühlen, der während dieser einen Sekunde in der 72. Minute fast alles falsch gemacht hatte.

Mönchengladbach: Bailly; Levels, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Marx - Reus, Matmour (64. Bobadilla), Arango - Idrissou.

Nürnberg: Schäfer; Judt, Nilsson, Wolf, Pinola (67. Bieler) - Simons, Hegeler - Ekici (73. Eigler), Gündogan, Bunjaku (86. Frantz) - Schieber.

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen). - Zuschauer: 42202.

Tore: 0:1 Hegeler (15.), 1:1 Idrissou (31.).

Gelbe Karten: Daems - Schäfer.

  





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