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Die Übung kennen sie mittlerweile, in- und auswendig. Wenn der Platz in schmale Sektoren eingeteilt wird und jeweils vier Fußballer auf ihren Streifen aufpassen müssen, ganz vorn warten zwei Stürmer. Ziele der Übung: Vermeidung von leichten Ballverlusten, Antizipation von Spielsituationen und Pässe in die so genannten Schnittstellen.
Auch gestern Vormittag ließ Dieter Hecking sein neues System einstudieren, es sollen sich irgendwann Automatismen entwickeln. Und man muss zugeben, dass es in den vergangenen 16 Vorbereitungstagen schon unbeholfener aussah, was seine Profis da so veranstalteten. Selbst der Abschluss klappte phasenweise richtig gut – wenngleich man nicht verschweigen sollte, dass Hecking auf Bewacher für seine Angreifer verzichtete.
Den Gefallen wird ihnen Hertha BSC morgen eher nicht tun, obwohl die Berliner ja ein Aufsteiger sind. Allerdings ein wirklich guter, 20 Punkte haben sie schon – und, sollte es nach Plan laufen, damit einen weniger als der 1. FC Nürnberg am Samstagnachmittag gegen 17.20 Uhr. Ein erfolgreicher Start wäre natürlich die perfekte Antwort auf all die Fragen der vergangenen Monate. Besonders im eigenen Stadion lief nicht sonderlich viel zusammen; nur zwei Heimsiege in der gesamten Hinserie, mit dem Pokal-Aus gegen Fürth als Gipfel der Harmlosigkeit.
Adam Hlousek konnte die Turbulenzen in Nürnberg seinerzeit noch entspannt aus der Ferne verfolgen, er ist erst seit zweieinhalb Wochen da. Aber trotzdem schon eine relativ feste Größe. Gegen Berlin dürfte er hinten links verteidigen, anstelle von Marvin Plattenhardt. Hinten rechts wird wie erwartet Jens Hegeler beginnen, weil die anderen Kandidaten entweder angeschlagen sind (Balitsch, Chandler), gesperrt (Chandler, Feulner) oder nicht gut genug (Kamavuaka).
„Wir wollen nicht zu viel risikieren“, sagt Hecking bloß, der Winter-Zugang Hlousek auch geholt hat, um seine besonders im Herbst für Störungen anfällige Elf zu stabilisieren. Der Tscheche strahlt tatsächlich viel Ruhe aus (was auch an seinen nicht vorhandenen Deutsch-Kenntnissen liegen könnte), ist aber schon sehr aufgeregt. Positiver Stress soll ja vitalisierend wirken. „Für mich“, lässt Hlousek seinen Landsmann Tomas Pekhart ins Englische übersetzen, „wird ein großer Traum wahr.“
Und man nimmt es ihm sogar ab. Hlousek, der im Frühjahr nach einem Kreuzbandriss 13 Mal auf Leihbasis für den 1. FC Kaiserslautern auflief, ist heiß auf die Bundesliga, weil endlich ordentlich in Form. Seine Athletik und Zweikampfstärke sollten die Nürnberger Elf bereits morgen ein bisschen stärker machen, wenn Hlousek zu einem möglichst starken Bundesliga-Juliäum seines neuen Vereins beitragen möchte – egal auf welcher Position.
Weniger gleichgültig war ihm die Auswahl der künftigen Leistungsklasse. „Es ist besser, in einer größeren Liga zu spielen“, sagt Hlousek. Und bei einem etwas größeren Verein als Jablonec oder Slavia Prag. Sagte Hlousek zwar nicht, wird es sich aber gedacht haben. Denn er möchte heuer unbedingt zur EM, und zwar nicht als Fan. Sechs Mal wurde er bislang in die tschechische Nationalmannschaft berufen, zum vorerst letzten Mal Ende März. In einer Phase, als er sich herankämpfte nach seiner Knieverletzung. Jetzt will er angreifen. „Es wird Zeit zu zeigen, was ich wirklich kann.“
Sein Chef würde es begrüßen. Und noch mehr, wenn Hlousek heute von einem Unglück verschont bliebe. „Die größte Erfolgsmeldung ist, dass sich niemand mehr verletzt hat“, frohlockte Dieter Hecking gestern zu Beginn der Pressekonferenz und klopfte drei Mal auf den Kunststofftisch vor sich. 19 Profis hat er noch für Samstag, darunter die Ex-Langzeitverletzten Per Nilsson und Mike Frantz. Und natürlich Hlousek. „So schnell wie möglich da unten weg“ will er mit seinem Club, „wir haben eine gute Mannschaft.“ Wie gut sie wirklich ist, wird man frühestens Ende April wissen.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12