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Er hat mit Alligatoren gerungen, mit einem Wal gerauft, er hat einen Blitz in Handschellen gelegt und den Donner in den Kerker verbannt. – Gut, das ist dann doch leicht übertrieben. Schließlich soll das keine Geschichte über Muhammad Ali werden.
Also noch einmal von vorne: Er hat sich mit den fiesesten Eishockey-Spielern angelegt und er hat den vielleicht stärksten Torhüter der Welt bezwungen. Die Frage muss erlaubt sein: Was genau macht Ryan Bayda nun ausgerechnet in Nürnberg? Und nach dem ersten Gespräch darf man sich auch fragen: Warum ist dieser Mann so zurückhaltend, so bescheiden?
Doch der Reihe nach: Bayda, 29 Jahre alt, lächelt freundlich. Und das, obwohl er zunächst eine Frage beantworten soll, die ihm sicher nicht zum ersten Mal gestellt worden ist. Warum aber sollte man zum Einstieg nicht zunächst über diese schon jetzt legendären Oberschenkel des Kanadiers reden? Bayda verweist auf die natürliche Entstehung seines massiven Musculus quadriceps femoris. Aus dem Hintergrund meldet sich Sean Blanchard, ein neuer Verteidiger der Ice Tigers, auf dem gnadenlos, abseits anscheinend witzig. „Humongous“ seien Baydas Oberschenkel, humongous ist eines jener Worte, deren deutsche Entsprechung nicht mithalten kann. Riesenhaft sind sie also, die Beine des vielleicht interessantesten Zugangs. Wichtig für die Stabilität, für die Standfestigkeit seien sie, fällt Bayda noch ein. Als, ob man daran gezweifelt hätte.
Abgehoben ist dieser nette Mann sicher nicht. Wer vor eineinhalb Jahren die letzte Sprosse seiner Karriere-Leiter vor sich sieht, dann wieder ein gewaltiges Stück abrutscht, kurz darauf aber das Angebot bekommt, die meisten wieder zu überspringen, statt anzunehmen jedoch auf eine andere, viel kleinere Leiter steigt, der muss sich mangelnden Realitätssinn nicht vorwerfen lassen. Vor zwei Jahren hatte es Bayda endlich geschafft, nach Jahren des Pendelns zwischen Provinz und dem grellen Licht der National Hockey-League (NHL) hatte er sich etabliert in der Mannschaft der Carolina Hurricanes. Nicht wegen seines Talents, nicht aufgrund seiner Statur, Bayda hatte durch Spielintelligenz und Opferbereitschaft überzeugt. Und als seine Mannschaft schwach ins Play-off-Achtelfinale gegen die New Jersey Devils startete, zählte Bayda plötzlich auch noch zur Play-off-Formation. Ein entscheidendes Tor und eine beherzte Leistung später galt er als das Duracell-Häschen seines Klubs, als Energiegeber, als derjenige, der für frischen Wind bei den Hurricanes sorgte. 14 weitere Spiele später war das Märchen beendet. Im Alter von 28 Jahren aber schien Bayda den Durchbruch geschafft zu haben. So einfach aber ist das in der weltbesten Liga nicht immer.
Sein Vertrag lief aus, Carolina wollte Bayda halten, konnte aber nicht. Stattdessen gaben ihm die Pittsburgh Penguins eine Chance. Für den direkten Sprung in den Kader des damaligen Champions aber reicht es nicht. Der Außenstürmer musste zurück in die Provinz – und verletzte sich nach 28 Spielen schwer am Knie.
Ein dreiviertel Jahr später steht er vor der Kabine der Ice Tigers. Die Verletzung alleine aber erklärt nicht, warum. Bayda ist wieder fit, kein Wunder bei diesen humongous Oberschenkeln. Außerdem hatten die Penguins Bayda nicht vergessen und machten ihm ein Zwei-Wege-Angebot. Entweder NHL für eine halbe Million Dollar im Jahr mit den Superstars Crosby und Malkin oder doch wieder AHL-Tristesse in Wilkes-Barre für 105000 Dollar. Bayda aber hatte keine Lust mehr auf entweder-oder, Bayda wollte ein festes Gehalt und er wollte seiner Frau, Tochter Tylar und Sohn Shea „die Welt zeigen“. Also unterschrieb Bayda einen Vertrag in Nürnberg, wo er laut Lorenz Funk „besonders in engen Spielen wertvoll“ für die Thomas Sabo Ice Tigers sein soll.
Bayda ist der Königstransfer des Managers. Bisher dürfte er nicht enttäuscht worden sein. Bayda nimmt seine neue Aufgabe angemessen ernst. In den (allerdings nicht sehr engen) Vorbereitungsspielen hat er durch seine Übersicht und seinen platzierten Schuss überzeugt, im Training ist er stets der erste in der Reihe. Bis zu diesem Frühjahr hatten die Ice Tigers schon einmal solch einen ruhigen, nur durch Leistung überzeugenden Profi. Auch bei André Savage hatte man sich fragen dürfen: Was genau macht der eigentlich hier? Als er ging, wusste man, warum er so lange geblieben war. Savage fühlte sich einfach wohl in Nürnberg.

Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Do. 10.05.12
Mi. 09.05.12