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Der neue Club-Star durfte es ruhiger angehen lassen am Sonntagvormittag. Ein paar Spielformen ließ Dieter Hecking üben, beim Zwei gegen Zwei auf kleinem Feld und große Tore ließ Hanno Balitsch seine Klasse bereits aufblitzen. Nach einer Stunde war für ihn beizeiten Feierabend. Noch hat der Zugang Trainingsrückstand, man will ihn behutsam aufbauen. Bis zum Rückrunden-Start am 21. Januar sollte er aber fit sein für 90 Minuten Bundesliga.
Falls der 31-jährige Hesse gesund bleiben sollte, käme er im Heimspiel gegen Hertha BSC zu seinem 285. Einsatz in Deutschlands Elite-Klasse. Er hat also schon einiges erlebt in seiner Karriere, die ihn über Mannheim, Köln, Leverkusen, Mainz, Hannover und erneut Leverkusen jetzt zum 1.FC Nürnberg führt. „Eine Tür ist zugegangen, eine andere auf“, sagt Balitsch, so läuft das im Profi-Fußball. Der Wechsel ist praktisch perfekt, es fehlt nur noch die unterschriebene Auflösung seines Vertrages mit Bayer 04. „Eine Formalität“, wie Sportdirektor Martin Bader beruhigt, heute oder morgen erwartet man das finale Fax. Fernmündlich sei man sich mit Leverkusen längst einig.
Dort hatte man Balitsch vor der Winterpause nahegelegt, sich so schnell wie möglich einen neuen Verein zu suchen. Auf die Gründe wollte er gestern Mittag bei seiner offiziellen Vorstellung nicht mehr näher eingehen; dass er sich mit Trainer Robin Dutt überworfen hatte, ist aber kein Geheimnis. Balitsch widerstand allerdings fairerweise der Versuchung, verbal nachzutreten, „das will ich nicht und mache ich auch nicht“.
Vor ein paar Tagen ging er in einem Interview noch etwas entspannter mit dem Thema um („An mir kann es in den letzten acht Wochen vor der Winterpause nicht gelegen haben, weil ich überhaupt nicht gespielt habe“), womit es aber auch wirklich gut sein sollte. Schließlich ist Balitsch jetzt mindestens bis 30. Juni 2014 ein Nürnberger, er kann ablösefrei zum Club wechseln. Was nicht so oft passiert bei einem Fußballer seiner Güteklasse; am 12. Februar 2003 in Palma de Mallorca, beim 1:3 gegen Spanien, durfte er sogar 28 Minuten lang für die deutsche A-Nationalmannschaft spielen, in der U21 zählte er zu den wenigen festen Größen.
Seine Referenzen lassen erahnen, dass sich der Club mit ihm sehr ordentlich verstärkt hat. Balitsch ist wahrscheinlich sogar der Top-Transfer der vergangenen drei, vier Jahre. Als „sehr aggressiv und sehr laufstark“ bezeichnet ihn sein neuer Trainer, was Hecking schon etwas länger bekannt ist. Im Sommer 2005 hatte er den zu Schulzeiten auch exzellenten Leichtathleten zu Hannover 96 geholt, später machte er ihn zu seinem Kapitän. Der aber unbequem blieb; in der Pause einer Bundesliga-Partie beim VfL Wolfsburg knallte es sogar mal zwischen beiden, danach musste Balitsch vorübergehend bei Hannovers Amateuren mittrainieren. Vorbei und auch fast schon vergessen, die beiden wollen es wieder miteinander versuchen. „Ich habe damals als Spieler einen Fehler gemacht“, sagt Balitsch kleinlaut, „es ist aber nichts hängengeblieben.“ „Ich bin nicht nachtragend“, sagt sein Trainer.
So viel Harmonie dürfte es zumindest auf dem Platz nicht mehr geben. Balitsch, der intelligente, geradlinige, manchmal nicht ganz einfache Typ, soll vorangehen. Wenn nötig Reizpunkte setzen. Und die Mannschaft führen. „Ich weiß, was auf mich zukommt“, versichert Balitsch, der schon 2005 beinahe beim Club gelandet wäre, aber keine Fernbeziehung mit seiner Freundin führen wollte und deshalb lieber nach Mainz ging.
Mittlerweile hat Maren ihr Lehramtsstudium abgeschlossen und ist Söhnchen Kjell fast ein Jahr alt. Ideale Voraussetzungen also, um es woanders zu probieren. Gegen Berlin aufgrund der Sperren von Markus Feulner und Timothy Chandler zunächst einmal als rechter Verteidiger, danach im defensiven Mittelfeld. Wo er vor allem bei Bayer Leverkusen gereift ist. Jupp Heynckes wollte ihn vor eineinhalb Jahren unbedingt.
Balitsch, der Modellathlet, kennt sich auch weiter unten in der Tabelle aus, will aber so zeitig wie möglich weg von den gefährlichen Plätzen. „Es reizt mich, den Abstiegskampf schnell hinter uns zu lassen“, sagt Balitsch, der viel Überzeugung mitbringt. Und am 34. Spieltag könnte er bei idealem Saisonverlauf mit seinem Club nebenbei noch eine alte Rechnung begleichen. Wenn Bayer 04 ins Frankenstadion kommt. „Dann“, verspricht Balitsch, „geht es höchstens für Leverkusen noch um etwas.“

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12