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Nach Sven Felskis kleiner Ehrenrunde wurde die große Bandentür auch für die Nürnberger Mannschaft noch einmal geöffnet. Die Thomas Sabo Ice Tigers hatten 5831 Zuschauern einen rauschhaften Abend beschert, als Tabellenletzter den Tabellenersten entzaubert und waren nach dem 6:2 (2:1, 3:0, 1:1) gegen die Berliner Eisbären zum ersten Mal seit dem 1. Oktober wieder auf den 13. und vorletzten Rang geklettert — selten war eine Ehrenrunde ähnlich verdient. Nur Stastny, der den Abend wiederum geprägt hatte wie kein anderer, war schon zuvor in die falsche Richtung abgebogen. Der Wunschgesprächspartner der Fernseh-, Radio- und Presseleute verschwand kommentarlos im kleinen Fitnessraum der Ice Tigers.
Dazu muss man wissen, dass Stastny immer kommentarlos im Fitnessraum verschwindet — egal, ob die Ice Tigers soeben den Spitzenreiter aus der Arena geschossen oder sich zu einem 3:2 gegen Hannover gequält haben. Stastny ist ein ernsthafter Eishockey-Profi, zu ernsthaft für Ehrenrunden. Vor allem aber scheint Stastny auf dem Eis ein anderer Stastny als abseits der Eisfläche. Auf dem Eis ragte der 29-Jährige am Freitag in jeder einzelnen Szene heraus, Stastny gelang alles, war überall und erzielte den wahrscheinlich spektakulärsten Treffer der 18-jährigen Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL): Im Mitteldrittel nahm Stastny in vollem Lauf einen feinen Pass von Sven Butenschön auf, legte den Puck durch die Beine des erfahrenen Frank Hördler, sprang an dem Nationalverteidiger vorbei, landete ohne Geschwindigkeitsverlust, verwandelte eiskalt mit der Rückhand, schrie seine Freude über dieses wunderschöne Tor hinaus in die Arena und vervollständigte in den darauffolgenden elf Spielminuten einen Hattrick in Reinform.
Mit dem Abpfiff aber hatte sich der ältere Sohn der slowakischen Eishockey-Legende Peter Stastny wieder in den ernsthaften, wollen wir ehrlich sein, mürrischen Eishockey-Profi verwandelt. Seine Kollegen nehmen den US-Nationalspieler allerdings noch einmal ganz anders wahr. „Es ist einfach fantastisch, mit ihm zu spielen“, sagte Tim Schüle mit angemessener Begeisterung in der Stimme. „Er hat so viel Erfahrung, ist ein super Spieler und ein super Typ in der Kabine, das genießen wir hier alle.“ Und Patrick Ehelechner, Torhüter und Identifikationsfigur der Tigers, stellte fest: Stastny „ist mittlerweile das Herzstück unserer Mannschaft.“
Zu dieser Erkenntnis war Thomas Sabo schon lange vor der Show des Mensch gewordenen Highlight-Videos gekommen. Der Namensgeber berichtete von mehreren längeren Gesprächen, die er mit Stastny geführt hatte, um ihn von einem Verbleib in Nürnberg zu überzeugen. Sabo gab sich zuversichtlich, das Herzstück der Ice Tigers dann doch noch gesprächsbereit.
Stastny sagte: „Es war eine besondere Nacht, wir hatten alle sehr viel Spaß.“ Und: „Wir sind nicht mehr so weit von den Play-offs entfernt. Wenn wir so weiterspielen wie zuletzt, kann noch alles passieren.“ Auch ein 2:4 in München.

Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Do. 10.05.12
Mi. 09.05.12