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Man sah Dominic Maroh auch am Samstagabend, nach dem 2:0-Erfolg des 1.FC Nürnberg gegen Hertha BSC, im angeregten Plausch mit Javier Pinola. Auch der jüngere der beiden Verteidiger, erzählt Pinola, interessiere sich unheimlich für Fußball – was für selbstverständlich gehalten werden könnte, wenn einer das Spiel hauptberuflich betreibt.
Aber man täusche sich nicht. Nicht jeder Profi hat ungeteilte Freude an taktischen und systematischen Details. Dominic Maroh schon. Viel lernen, sagt Pinola, könne man von ihm. Maroh beschäftigt sich gern mit der Theorie, manchmal hilft das in der Praxis – wie am Samstag, als er sich im Rücken der Berliner Abwehr nach vorne schlich und, nach Adam Hlouseks Freistoß, zum 2:0 abstaubte. So einen Laufweg, erklärte Maroh, Nürnbergs bester Spieler an diesem Tag, habe er bereits im Training einstudiert; als sich die Situation im Spiel ergab, kam sie ihm bekannt vor und war er zur Stelle.
Gefreut mit Dominic Maroh haben sich alle, der junge Mann ist beliebt im Team. Besonders freute er sich natürlich selbst. Es ist ja nicht allzu lange her, dass ihm alleine die Theorie geblieben war. Die praktischen Übungen der Kollegen im Frankenstadion sah Maroh mitunter von der Tribüne aus, weil zwischenzeitlich abgestiegen zum Innenverteidiger Nummer vier. Neuzugang Per Nilsson war in der Vorsaison zunächst gesetzt neben Andreas Wolf, dann tauchte Philipp Wollscheid kometenhaft auf, nach Wolfs Abschied setzte Trainer Dieter Hecking auf den jungen Schweizer Timm Klose – und Maroh trug sich mit Gedanken an einen Abschied.
Ziehen lassen wollte ihn der Club nicht – im Wissen um Marohs Verlässlichkeit. Als Klose im Herbst in ein kleines Tief rutschte, war Maroh zur Stelle. „Er hat sich das über das Training erarbeitet“, lobte Hecking, „Dominic hat sich nie hängen lassen und Druck gemacht, so stelle ich mir das vor.“ Seither ist die ehemalige Nummer vier wieder gesetzt.
„Ich versuche, die Zeit zu genießen“, sagt der 24 Jahre alte Maroh ohne Genugtuung – und ohne Ansprüche zu stellen: „Ich hatte ja schon einige schöne Zeiten hier, und ich habe erlebt, wie schnell alles gehen kann.“ Dominic Maroh war einer der Garanten des Wiederaufstiegs 2009. Nach der Beurlaubung Thomas von Heesens und dem verpatzten Saisonstart hatte sich der neue Trainer Michael Oenning für eine Blutauffrischung entschieden, und im herbstlichen Donaunebel begann Dominic Marohs Profikarriere.
Bis dahin in der zweiten Mannschaft eingesetzt, stand der aus Reutlingen geholte Maroh am 16. November 2008 erstmals von Beginn an mit den Profis auf dem Platz. Mit einem 3:0 beim FC Ingolstadt glückte Nürnberg die Wende – nur eine Woche später durfte sich Maroh beim Derbysieg über Fürth sogar als Torschütze feiern lassen. Es folgte die Einladung zur slowenischen Nationalmannschaft. Zum Länderspieldebüt kam es nie; in der Heimat des Vaters fühlte sich der in Nürtingen geborene Dominic Maroh nicht richtig zu Hause.
Ins erste Bundesligajahr ging Maroh als Stammspieler – und blieb es, weil der vom FC Bayern ausgeliehene Innenverteidiger Breno nach nur sieben Spielen und einer schweren Verletzung passen musste. An Marohs auffälligen defensiven Qualitäten gab es nie Zweifel, Maroh ist ein eleganter Zweikämpfer mit gutem Stellungsspiel, der fast ohne Fouls auskommt – in bisher 61 Erst- und Zweitligaspielen sah er ganze drei Gelbe Karten.
In der Spieleröffnung sah Dieter Hecking die internen Rivalen indes als stärker an – ein Eindruck, den man teilen konnte. Dominic Maroh machte im Vorwärtsspiel zwar keine Fehler, agierte aber auffällig vorsichtig. Er arbeitet daran, vor allem aber war Marohs defensive Abgeklärtheit gefragt, als der ganzen Mannschaft die Sicherheit verloren gegangen war.
Ende November stand Maroh wieder auf dem Platz. Fünf Ligaspiele, drei Zu-Null-Siege lautet bisher die Bilanz – erweitert um Dominic Marohs zweiten Bundesligatreffer vom vergangenen Samstag. „Es lebt sich schöner, wenn man mithelfen kann, Spiele zu gewinnen“, sagt er. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, aber mit Abschiedsgedanken muss sich Maroh nicht mehr befassen. Wie es weitergeht? „Es liegt an ihm“, sagt Hecking – in der Gewissheit, dass Dominic Maroh das verstanden hat.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12