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Am Ende eines für ihn dann doch recht erfolgreich verlaufenen Fußball-Abends wollte Jürgen Klopp der Welt noch einmal sein Leid klagen. Man musste, um Klopp zu verstehen, wissen, dass der Trainer im vergangenen April mit Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden war und dass sich Klopps Dortmunder knapp neun Monate später mit einem letztlich souveränen 2:0 (0:0) beim 1. FC Nürnberg wieder an die Tabellenspitze gespielt hatten. Statt sich nun aber einfach freuen zu dürfen, musste Klopp wieder einmal Antwort auf die Frage geben, ob denn der alte auch der neue Deutsche Meister werden könnte.
Natürlich wollen Klopp und Dortmund auch dieses Jahr im Mai Deutscher Meister sein, nur darüber sprechen will jetzt im Februar noch niemand. Die Erklärung für die Verweigerungshaltung geriet Klopp etwas holprig: „Wenn du oben dabei bleiben willst, musst du jede Woche gewinnen. Dieser Druck würde uns den Spaß am Fußball nehmen — das wollen wir nicht.“
Dabei haben sie den Spaß am Fußball derzeit vor allem deshalb, weil sie ja jede Woche gewinnen. Diesmal gegen Nürnberg, das sich vor 45572 Zuschauern erstaunlich lange und erfolgreich gegen den dritten Dortmunder Sieg im dritten Bundesliga-Spiel des Jahres gewehrt hatte. Am Ende setzte sich trotzdem der Favorit durch. „Es war das Spiel einer Spitzenmannschaft gegen eine Mannschaft, die versucht, da unten rauszukommen“, sagte Torwart Raphael Schäfer, der an diesem Abend Nürnbergs Bester gewesen war.
Dass eine Mannschaft, die versucht, da unten rauszukommen, zwar nicht jede Woche, aber doch von Zeit zu Zeit gewinnen muss, wissen sie beim 1. FC Nürnberg natürlich auch. Im Jahr 2012 ist ihnen das erst einmal gelungen, zumindest die erste Halbzeit gegen die Spitzenmannschaft aber hatte ihnen etwas Mut gemacht, wenn sie auch am Ende ohne Punkte dastanden. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Schäfer mit Blick auf die ersten 45 Minuten, die sein Trainer Dieter Hecking später „ein tolles Bundesliga-Spiel“ nannte. Dass er das sagen durfte, lag auch an engagierten Nürnbergern.
Anders als noch vor einer Woche in Hannover begann Nürnberg die Partie selbstbewusst und kam vor allem nach Standards zu einigen Gelegenheiten. Heraus sprang aber in dieser Phase nur der Sieg in einer nebensächlichen Kategorie: Dominic Maroh schaffte nach zehn Minuten mit 92,4 km/h den härtesten Schuss des Abends — seinen Versuch aber wehrte Lewandowski vor der Linie ab. Weil kurz danach auch Timmy Simons (11.) mit einem Kopfball und Tomas Pekhart (18., 19.) Chancen ausließen, durfte sich Dortmund in der Pause beim Stand von 0:0 sammeln. „Das war schwer“, sagte Klopp über den ersten Durchgang, „aber das war zu erwarten, weil mein Kollege ein sehr schlauer Trainer ist.“ Der schlaue Kollege Hecking war indes machtlos, als sich nach der Unterbrechung Dortmunds Qualität doch durchsetzte.
Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff war die Partie gelaufen. Der eingewechselte Moritz Leitner durfte einen langen Pass quer durch Nürnbergs Hälfte spielen, Lukasz Piszczek, weil in Nürnbergs Defensive in diesem Moment nicht nur Linksverteidiger Adam Hlousek unaufmerksam war, den Ball weiterleiten und Sebastian Kehl unbedrängt das 1:0 erzielen.
Nürnberg fand in der Folge kein Mittel gegen Dortmunds laufintensives Spiel, der eingewechselte Albert Bunjaku war es, der kurz vor dem Ende erstmals in Halbzeit zwei zumindest in Richtung Tor schoss. Der Meister führte da bereits 2:0, Lucas Barrios hatte im Nachschuss nach einer weiteren Schäfer-Parade sein erstes Saisontor erzielt (82.).
„Meine Zuversicht ist ungebrochen“, sagte nach der Partie trotzdem Dieter Hecking. Zumindest die Anfangsphase hatte ihm ja auch keinen Grund gegeben, am Gelingen des Unternehmens Klassenverbleib stärker zu zweifeln als bisher. Sorge allerdings muss Nürnbergs Harmlosigkeit vor dem Tor inzwischen schon machen. Bereits in Hannover gelang trotz guter Gelegenheiten kein Treffer. „Wir haben kein Tor geschossen — das ist aber wichtig im Fußball“, sagte deshalb Simons zur Erinnerung.
Am kommenden Sonntag bietet sich dazu die nächste Gelegenheit. Dann spielt Nürnberg in Augsburg vor, es wird die Begegnung zweier Teams, die da unten rauswollen und müssen. Gut möglich, dass der Spaß dabei auf der Strecke bleibt.
Nürnberg: Schäfer; Feulner, Maroh (80. Bunjaku), Wollscheid, Hlousek - Simons, Cohen (59. Chandler) – Hegeler, Didavi, Eigler (59. Esswein) – Pekhart.
Dortmund: Weidenfeller; Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender (22. Leitner), Kehl – Blaszczykowski (88. Gündogan), Kagawa, Großkreutz - Lewandowski (72. Barrios).
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf). – Zuschauer: 45572. – Tore: 0:1 Kehl (48.), 0:2 Barrios (82.). – Gelbe Karte: Feulner (6).

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12