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Gegen 11.35 Uhr trübte sich Michael Wiesingers Stimmung am Freitag vorübergehend wieder etwas ein. Der Trainer sprach von einer „bitteren Niederlage“, die er beim Fußballtennis mit zwei anderen gegen Raphael Schäfer, Javier Pinola und Markus Feulner kassiert hatte.
Nicht die einzige in einer äußerst turbulenten Woche beim 1. FC Nürnberg. Konnte man das 0:3 in Dortmund noch als standesgemäß verkaufen, sorgte das peinliche 0:5 gegen Zweitligaschlusslicht Jahn Regensburg zwei Tage später für atmosphärische Störungen, deren Ausläufer noch länger zu spüren sein dürften im Sportpark Valznerweiher. Wiesinger und sein Trainerteam empfanden den Auftritt einiger Reservisten im Test als persönliche Beleidigung. Und als Beleidigung des 1. FC Nürnberg.
Ungewohnt pathetisch antwortete Wiesinger am Freitag auf Fragen, die sich um mögliche Konsequenzen der sonntäglichen Nummer drehten. „So ein Auftritt im Trikot des 1. FC Nürnberg ist schwer zu vermitteln“, sagte Wiesinger also während der Pressekonferenz, er betonte den Vereinsnamen, so auch davor und danach noch ein paar Mal. Damit auch die letzten Egozentriker im Kader begreifen, um was es im Profi-Fußball und speziell beim Club eigentlich geht: „Dass der Verein Erfolg hat.“ Und wer sich dem gemeinsamen Ziel nicht unterordnen mag, hat eben künftig am Spieltag frei.
Schon am Sonntag könnte es Überraschungen geben im 18-köpfigen Aufgebot für das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Zugang Mu Kanazaki wird gleich dabei sein, wenn auch zunächst nur auf der Bank, darauf legte sich Wiesinger fest. Was wiederum im Umkehrschluss bedeuten könnte, dass Alexander Esswein oder Robert Mak pausieren müssen.
Schlecht für den Betroffenen, gut für den Trainer: Aufgrund der drei Nachverpflichtungen habe er plötzlich die „Qual der Wahl“, so Wiesinger, mehr Möglichkeiten, worüber er nicht traurig sein dürfte. Vielmehr freut er sich über „neue Reizpunkte“, über „mehr Druck in der Breite“, über insgesamt „mehr Spannung“. Natürliche Auslese auf nürnbergerisch.
Auch der Kapitän hält es für richtig und wichtig, den Kampf um die Plätze wieder zu verschärfen, selbst eine über Jahre feste Größe wie Pinola muss aufpassen. Stillstand ist Rückschritt, speziell in einer Saisonphase wie dieser. Noch ist nicht viel passiert im neuen Jahr, noch hat der Club acht Punkte Vorsprung auf Einkaufswintermeister Hoffenheim und die wiedererstarkten Augsburger. Dennoch nerven auch Raphael Schäfer nicht erst seit Sonntag die Launen einiger Kollegen; „man kriegt nicht 25 Chancen, irgendwann ist eben Schluss“, sagt Schäfer, der nach zwei sehr ordentlichen Trainingstagen „ein gutes Gefühl“ habe für Sonntag und den Rest der Runde, „jetzt wieder“. Was impliziert, dass sein Gefühl vorübergehend nicht mehr so gut gewesen sein muss.
Auch er hat sich den einen oder anderen zur Brust genommen und wird auch künftig aufpassen, dass niemand mehr ausschert auf dem Weg zum angestrebten Klassenverbleib. „Jetzt spielen wir eben wieder die Großen und die Kleinen“, sagte Schäfer noch süffisant — der sich mitunter vorkommen muss wie in einem Kindergarten für schwer Erziehbare. Wahrscheinlich würden auch drei Punkte dabei helfen, die internen Spannungen zu reduzieren. Wiesinger erwartet von seiner Mannschaft nicht weniger als einen Heimsieg, „wir werden anders auftreten“. Anders als in Dortmund und anders als in der zweiten Halbzeit gegen den HSV, als seine Elf jeweils zu passiv war und sich zu sehr unter Druck setzen ließ.
Damit soll jetzt Schluss sein. Der Club will wieder angreifen, egal in welcher Aufstellung. „Ich bin sehr zuversichtlich“, bilanzierte Wiesinger die vergangenen Tage, „dass wir an den richtigen Schrauben gedreht haben.“
Nürnberg: Schäfer; Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Simons - Kiyotake, Feulner, Balitsch, Gebhart - Pekhart.
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So. 19.05.13
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