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Eine Nürnberger Mutter kämpft sich nach London

Taekwondoka Sümeyye Manz qualifizierte sich zum zweiten Mal für die Olympischen Spiele - 17.02. 09:00 Uhr

Nürnberg  - Vor vier Jahren verlief es für Sümeyye Manz bei den Olympischen Spielen in Peking sehr enttäuschend. Entgegen ihrer Erwartungen schied sie bereits in der ersten Runde aus. Nun hat sich die Nürnberger Taekwondoka erneut für Olympia qualifiziert und will diesen Sommer in London allen beweisen, dass auch eine Mutter eine Medaille holen kann.

Her mit der Medaille: Schon bei der WM 2011 holte die Nürnberger Taekwondoka Sümeyye Manz (links) Bronze. Nun will sie auch bei den Olympischen Spielen in London aufs Treppchen.
Her mit der Medaille: Schon bei der WM 2011 holte die Nürnberger Taekwondoka Sümeyye Manz (links) Bronze. Nun will sie auch bei den Olympischen Spielen in London aufs Treppchen.
Foto: Bolz
Her mit der Medaille: Schon bei der WM 2011 holte die Nürnberger Taekwondoka Sümeyye Manz (links) Bronze. Nun will sie auch bei den Olympischen Spielen in London aufs Treppchen.
Her mit der Medaille: Schon bei der WM 2011 holte die Nürnberger Taekwondoka Sümeyye Manz (links) Bronze. Nun will sie auch bei den Olympischen Spielen in London aufs Treppchen.
Foto: Bolz

Herzlichen Glückwunsch zur zweiten Olympia-Qualifikation in Folge!
 

Manz: Vielen Dank.

Seit Peking sind knapp vier Jahre vergangen, hat sich seitdem sportlich etwas für Sie verändert?

Manz: Im Gegensatz zu damals habe ich diesmal im Jahr vor Olympia bei der WM eine Bronzemedaille geholt. Außerdem war für mich in Peking allein die Teilnahme das Wichtigste. In London hingegen ist für mich eine Medaille Pflicht, denn was ich mit 18 schon geschafft habe, sollte ich mit 22 eigentlich überbieten.



Privat hat sich seitdem sehr viel getan. Sie sind verheiratet und haben einen Sohn bekommen. Wie einschneidend waren diese Ereignisse für Sie?

Manz: Als ich 2009 Mama geworden bin, hatte ich noch ein falsches Ego. Ich habe schon zweieinhalb Monate nach der Geburt wieder einen Kampf bestritten und im Nachhinein gemerkt, dass mit einem Kind doch nicht alles so einfach ist. Ich habe meinen Sohn oft sehr vermisst und war ziemlich aggressiv und besorgt. Es ist schon etwas anderes als Mama zu kämpfen. Anfang 2010 stand ich dann aber nur noch teilnahmslos auf der Matte. Normalerweise habe ich einen aggressiven Kampfstil, aber auch wenn ich richtig hart getroffen wurde, hat es mich einfach nicht interessiert. Ich bin von Lehrgang zu Lehrgang geflogen und in einem Hotelbett in China wurde mir klar, dass wenn ich mein Kind schon so wenig sehe, ich nicht nur regungslos dastehen kann. Es musste sich etwas ändern und prompt stand ich im nächsten Turnier im Halbfinale und seitdem läuft es wieder gut.

Wird Sie Ihr Sohn Aurelio Kaan nach London begleiten?

Manz: Mein Mann nimmt ihn auf jeden Fall mit. Ich möchte ihn unbedingt dabei haben.

Sie wurden vor kurzem vom Deutschen Olympischen Sportbund als vorbildliche Spitzensportfamilie ausgezeichnet. Der Spagat zwischen Familie und Sport ist sicher nicht einfach?

Manz: Absolut nicht. Vielen anderen Frauen scheint es leichter zu fallen und so bekomme ich immer wieder zu hören, dass doch die Mütter anderer Kinder auch arbeiten gehen. Dabei vergessen viele aber, dass diese anderen Mütter abends zu Hause bei ihrem Kind sein können. Ich als Sportlerin muss hingegen immer wieder drei Wochen am Stück weg. So wenig Verständnis macht einen sauer. Ich war auch schon mal kurz davor, alles hinzuschmeißen, weil man mich indirekt vor die Wahl zwischen Sport oder Familie stellte. Sollte das noch mal passieren, werde ich mich natürlich immer für mein Kind entscheiden.

Warum haben Sie damals trotzdem nicht hingeschmissen?

Manz: Ich wollte es allen zeigen. Viele haben damals gesagt, dass man von mir als Mama sportlich nichts mehr zu erwarten braucht. Außerdem wollte ich für meinen Onkel und meinen Verein weitermachen. Wir haben als Verein so viel erreicht und geleistet, dass es die Kinder dort einmal einfacher als ich haben sollen, wenn ich mal eine Olympia-Medaille geholt habe. Viele sehen mich als Vorbild und ihnen war es egal, dass ich Mama geworden bin. Mittlerweile will ich auch für meinen Mann weiterkämpfen, da er nicht zur Olympia-Qualifikation eingeladen wurde, obwohl es sein großer Traum war und er so viel dafür trainiert hat. Außerdem hat er mich unglaublich unterstützt, wie es eben nur ein Ehepartner tun kann.

Kämpfen Sie immer noch im Training gegeneinander?

Manz: Oh ja. Er hat mich vor dem Quali-Kampf einige Male gut vermöbelt. Ich hatte aber auch Zeiten, wo ich einfach nicht gegen ihn kämpfen wollte, weil er mich genervt hat. Einmal haben wir während eines Kampfes angefangen zu streiten und ich setzte mich verzweifelt in eine Ecke. Daraufhin kam mein kleiner Sohn zu mir, nahm mir meinen Kopfschutz ab und sagte: Auf geht’s Mama, Papa wartet! Danach konnte ich gar nicht anders, als mit voller Motivation weiterzukämpfen.


Sümeyye Manz (rechts) und ihre Schwester Rabia Gülec wollen gemeinsam zu Olympia 2016.
Sümeyye Manz (rechts) und ihre Schwester Rabia Gülec wollen gemeinsam zu Olympia 2016.
Foto: privat
Sümeyye Manz (rechts) und ihre Schwester Rabia Gülec wollen gemeinsam zu Olympia 2016.
Sümeyye Manz (rechts) und ihre Schwester Rabia Gülec wollen gemeinsam zu Olympia 2016.
Foto: privat

Werden Sie bei dieser Olympia-Vorbereitung etwas anders machen?

Manz: Ich finde mich nicht so fit wie vor vier Jahren. Deshalb werde ich diesmal vorher für fünf bis sechs Wochen ein extra Krafttraining mit einem eigenen Personaltrainer absolvieren.

Bereiten Sie sich extra darauf vor, nicht noch einmal die gleiche Fehler wie in Peking zu machen?

Manz: Nicht bewusst. Aber neulich im Training haben mich die Hälfte der Kinder angefeuert und die andere war gegen mich, was eine ungewohnte aber hilfreiche Erfahrung war.

Auf was freut man sich bei seiner zweiten Olympiade am meisten?

Manz: Mit den ganzen Sportlern aus aller Welt zusammen zu sein. Das ist etwas Einmaliges. Du begegnest Leuten, die du sonst nur aus dem Fernsehen kennst, wie Dirk Nowitzki. Es leben alle im olympischen Dorf und allein der Speisesaal war so groß wie sechs Fußballfelder. Das war schon sehr beeindruckend. Außerdem war alles umsonst und es gab sogar eine 24-Stunden-McDonald’s-Filiale.

In Peking haben Sie auf ein Maskottchen verzichtet und es ging schief. Werden Sie diesmal eines mitnehmen?

Manz: Nein. Mein kleiner Mann wird ja sowieso live dabei sein und das ist besser als jedes Maskottchen.

Sie hatten den Traum sich für 2016 mit Ihren beiden Geschwistern für Olympia zu qualifizieren, wie stehen die Chancen?

Manz: Es sieht gut aus. Mein Bruder entwickelt sich sehr gut und meine Schwester eigentlich auch. Ich hoffe, sie kann sich bis dahin wieder richtig motivieren.

Auf Ihrer Webseite gibt es eine Bildergalerie, in der Sie sich nicht nur im Kampfanzug zeigen. Ist modeln ein heimlicher Traum von Ihnen?

Manz: Oh ja, modeln würde mir schon Spaß machen, aber ich war schon immer zu klein dafür (lacht).
  



Interview: MARKUS ERLWEIN

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Zum Thema
Zeiten:
27.7. - 12.8. 2012
Kurzbeschreibung:
Die 30. Olympischen Sommerspiele finden vom 27. Juli bis 12. August 2012 in London statt. London war schon 1908 und 1948 Gastgeber der Olympiade.
Motto: "One Planet Olympics".
Weitere Infos: http://olympia.ard.de/london2012/olympiafakten101.html
Veranstalter:
IOC
Zum Thema
Kurzbeschreibung:
Informationen, Bildergalerien und Videos über das Sportgeschehen in der Region.