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Dass sein Einstand beim 1.FC Nürnberg zur Nebensächlichkeit geraten war, störte Hanno Balitsch überhaupt nicht, im Gegenteil. „Ich freue mich riesig für Tomas Pekhart“, sagte Balitsch nach dem 2:1-Erfolg über den 1.FC Köln, den der tschechische Mittelstürmer mit seinem späten Siegtor gesichert hatte. Der zuletzt arg unterschätzte Pekhart, in dem mancher schon das personifizierte Nürnberger Dilemma sehen wollte, durfte sich feiern lassen, und Hanno Balitsch fand, das sei „eine sehr schöne Geschichte“.
„Das Gefühl, dass er gebraucht wird“, erzählte Balitsch auch, habe die ganze Mannschaft ihrem Mittelstürmer in den vergangenen Wochen zu geben versucht, man finde „schließlich nicht so viele Stürmer mit dieser Statur, die auch in der Defensive so hart für ihre Mannschaft arbeiten“; Pekhart, findet Balitsch, „ist ein Spieler, der sich extrem viel für die Mannschaft bewegt“.
Da Tomas Pekhart, der sich selbst als eher schüchternen Menschen beschreibt, an diesem Tag lieber nichts sagen wollte – der Erfolg gehöre ja der Mannschaft, ließ er ausrichten –, war der 31 Jahre alte Balitsch erstmals eine Art Sprecher seines Teams und probte eine Rolle, die ihm jetzt zukommen soll. Balitsch ist nicht als die personifizierte Hoffnung nach Nürnberg geholt worden, seine Aufgabe ist aber nicht weniger anspruchsvoll.
Als Teamspieler soll er mithelfen, eine junge Mannschaft zu führen, dafür bringt er die Erfahrung von seit Samstag 285 Bundesligaspielen mit – so viele bestritt nicht annähernd ein zweiter aktiver Fußballer des 1.FC Nürnberg, und was er in über zehn Profijahren gelernt hat, führte Balitsch schon gegen den 1.FC Köln vor.
Er brachte eine Portion Unaufgeregtheit ein, war anspielbar, wenn es eng wurde und half – auch physisch schon sehr präsent – mit, die immer wieder wackelige taktische Ordnung im Zentrum zu stabilisieren. „Hanno hat sich ganz in den Dienst der Mannschaft gestellt“, befand Nürnbergs Trainer Dieter Hecking, „das hat er schon sehr ordentlich gemacht – es ist wichtig, dass er auf dem Platz steht.“
Das Gefühl, dass einer wie Balitsch gebraucht wird, hatte Dieter Hecking in der Winterpause, und weil Bayer Leverkusen keine Verwendung mehr hatte für den einst bei Waldhof Mannheim für den Profifußball ausgebildeten Mittelfeldspieler, kam es zum Wiedersehen mit Hecking. Der trainierte den damaligen Mannschaftskapitän schon bei Hannover 96 – in guten wie in schlechten Zeiten; erinnerlich ist auch ein kleines Skandälchen vom Spätherbst 2008, als eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Trainer Hecking und dem Kapitän Balitsch zur vorübergehenden Suspendierung des Letzteren führte.
Die Angelegenheit ist längst ausgeräumt. Dass Hecking streng sein kann, ist bekannt, und Balitsch – ein auffällig aufmerksamer und höflicher Gesprächspartner, der sich gut auszudrücken weiß – ist kein Profi, der es sich bequem einrichten würde. Reibung erzeugt Energie, das hat auch Nürnberg gerade wieder erlebt, nachdem Hecking drei Spieler wegen ihres angeblich etwas defizitären Pflichtbewusstseins öffentlich maßregelte – darunter Alexander Esswein, der am Samstag gegen Köln mit überragender Einsatzfreude zum besten Mann auf dem Platz avancierte und entscheidend mithalf, das Debüt von Hanno Balitsch sehr erfreulich zu gestalten.
Das dauerte fünfundsiebzig Minuten – bis „alles zugemacht hat, was zumachen kann“, wie Balitsch, zuvor infolge eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel lange im Krankenstand, berichtete. „Der Punch“, sagt er, fehlt ihm noch, die Wettkampfhärte, aber die Lust auf Fußball empfindet der ehemalige Junioren-Nationalspieler nach Monaten des Reservistendaseins in Leverkusen wieder ganz neu. Sein persönliches Gefühl? Okay, sagte Balitsch, „aber das Ergebnis steht über allem“, und, noch einmal im Blick auf den Mann des Tages: „Es geht nur miteinander über das Kombinationsspiel – wenn wir es gut aufziehen, ist Tomas Pekhart ein sehr, sehr gefährlicher Stürmer.
Geht es nach dem ersten Eindruck, ist Hanno Balitsch ein Gewinn für diesen Club.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12