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Man hörte Dieter Hecking früh kommen. Fluchend und schimpfend näherte er sich der Interview-Zone im Frankenstadion, nicht nur über ein paar Journalisten musste er sich fürchterlich aufregen. Auch auf seine Mannschaft war er nicht sonderlich gut zu sprechen.
Dass es noch ein später 1:0-Sieg (Robert Mak, 87.) wurde gegen Drittligist Spielvereinigung Unterhaching, sollte seine Laune nicht mehr aufhellen. Die weitestgehend höhepunktfreie Partie im Frankenstadion war von der ersten bis zur letzten Minuten eine Zumutung, mit Fußball hatte das phasenweise abenteuerliche Gebolze jedenfalls nicht viel gemein. Was natürlich auch am gefrorenen Boden lag, der ein gepflegtes Kurzpassspiel wahrscheinlich erst gar nicht zugelassen hätte. Einen Versuch wäre es aber wert gewesen.
Bis auf seine Innenverteidiger Timm Klose und Manuel Zeitz, Timothy Chandler (bemüht) sowie Jungspund Philipp Klement, der mit einem Traumpass das Tor des Nachmittags vorbereitet hatte, durften sich hinterher alle angesprochen fühlen, als Hecking zum verbalen Rundumschlag ausholte. Immerhin hatten sich in den vergangenen Tagen ein paar Unzufriedene ein bisschen beschwert über eine Auswechslung gegen Dortmund (Almog Cohen), zu wenig Spielzeit (Albert Bunjaku) oder noch gar keine (Javier Pinola). Sie hätten wohl lieber geschwiegen.
Nach den Eindrücken von gestern Nachmittag wird es am Sonntag in Augsburg kaum Änderungen geben. Vielleicht Chandler für Eigler, worauf man aber nicht wetten sollte. „Der eine oder andere“, schimpfte Hecking nach 90 überwiegend planlosen Minuten, „sollte seinen Worten auch Taten folgen lassen.“ Oder es wenigstens probieren.
So aber stellt sich die Mannschaft auch in den nächsten Wochen wohl fast von selbst auf; vom viel und oft gelobten Konkurrenzkampf war gestern Nachmittag jedenfalls nicht viel zu sehen.
Was man mitnehmen könne aus dem Test, wollte noch jemand wissen. Heckings Antwort ließ keine Fragen offen: „Nichts!“ Zum Glück fand die Begegnung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Auch Winterzugang Hanno Balitsch und Javier Pinola werden sich noch etwas gedulden müssen, wenn man ihren Trainer richtig verstanden hat. Dass es nach langen Pausen wieder für 45 Minuten reichte, hat Hecking zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Man merkte ihnen die fehlende Spielpraxis an, was normal ist. Balitsch wurde letztmals am 15. Oktober aufgestellt (damals noch für Leverkusen), Pinola am 5. November. „Ich sehe sie jeden Tag im Training“, ließ Hecking all jene wissen, die auf ein zeitnahes Bundesliga-Comeback der beiden Routiniers setzen. „In vielerlei Hinsicht“ fühlte er sich unter anderem in seiner Meinung bestätigt, dass Balitsch und Pinola noch etwas bräuchten, um ihrem Club tatsächlich helfen zu können.
Immerhin sind sie wieder dabei und das sogar schmerzfrei, was Heckings Stimmung auch nicht mehr heben konnte. Nach 90 zum Teil grausamen Fußball-Minuten in einem eiskalten Stadion.
Nürnberg: Stephan (46. Rakovsky); Chandler (77. Klement), Zeitz, Klose, Pinola (46. Plattenhardt) – Balitsch (46. Judt) – Mak, Wießmeier (59. Mendler), Frantz (59. Kamavuaka), Esswein – Bunjaku. – Tor: 1:0 Mak (87.). – Zuschauer: 13.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12