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Hier zwei Sätze, mit denen man sich bis Samstag auch noch bei den einfältigsten Mitmenschen leicht hat lächerlich machen können: „Elvis lebt“ und, zugegebenermaßen ein wenig länger, „Otto Rehhagel könnte doch noch einmal Trainer in der Bundesliga werden“. Gestern ist Otto Rehhagel als Trainer bei Hertha BSC vorgestellt worden, in der Bundesliga, man wird nun also einige Wahrheiten überdenken müssen. Zum Beispiel: Braucht es die Viererkette tatsächlich, ist das schnelle Umschaltspiel ein Mythos — und was schreibt Thomas Tuchel wirklich in seinen Matchplan?
Eine erste Antwort kann man jetzt, da man wieder an Rehhagel erinnert wurde, wagen. „Ich könnte euch Aufzeichnungen von sogenannten modernen Fußball-Lehrern zeigen, da würdet ihr vom Glauben abfallen“, sagte Rehhagel im Sommer 2004, als alle Welt noch dachte, Elvis sei tot und Rehhagel irgendwie kein richtiger Trainer mehr — kurz darauf gewann er mit Griechenland das EM-Finale.
Sein Plan damals war relativ einfach, Rehhagel gruppierte um Traianos Dellas, den sie den Koloss von Rhodos nannten, acht weitere Verteidiger, stellte Angelos Charisteas irgendwo nach vorne — fertig war das Fußball-Wunder. Nicht sonderlich ambitioniert fanden das die meisten Beobachter, etwas altbacken kam das den Experten vor. Rehhagel war es egal, er hat, mutig geworden, danach noch versucht, Fußball-Weltmeister zu werden, was, trotz gleicher Taktik, nicht ganz so gut klappte, weshalb Rehhagel entlassen wurde und man geneigt war, zumindest in der Angelegenheit Rehhagel, den Experten zu glauben. Fortan saß Rehhagel in Essen, wo er wohnt, und sah sich hie und da mal ein deutsches Fußballspiel unter Beteiligung des ein oder anderen modernen Fußball-Lehrers an. Im Oktober zum Beispiel: Rot-Weiss Essen gegen Hertha BSC, erste Runde DFB-Pokal, Endstand 3:0 für Hertha und ihren Trainer Markus Babbel.
Babbel war nicht nur modern, sondern auch erfolgreich, weshalb sich der Aufsteiger aus Berlin auch in der Bundesliga ganz passabel hielt, nach der Hinrunde hatte man sich 20 Punkte erspielt — und machte sich dann auch bei den einfältigsten Mitmenschen ein wenig lächerlich. Babbel fing mit seinem Geschäftsführer Sport, Michael Preetz, einen etwas sonderbaren Streit an, der dazu führte, dass Babbel nun Hoffenheim, das es, als Elvis (Jahrgang 1935) und Otto (1938) ihre beste Zeit hatten, noch gar nicht gab, trainiert. Preetz holte als Ersatz den schon nicht mehr ganz so modernen Michael Skibbe zur Hertha. Skibbe und Hertha — das ging tatsächlich noch schiefer als Elvis’ letzter Comeback-Versuch, weshalb nun Rehhagel wieder in Berlin ist.
Was dafür spricht? Dass Rehhagel natürlich immer noch ein guter Trainer ist, der die Bundesliga besser kennt als Babbel und Skibbe zusammen. Vor allem aber, dass jetzt sowieso alles egal ist, was Hertha und die Bundesliga betrifft. Von heute an zählt nur noch: Elvis lebt.
