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Festerling will die Meisterschaft

Neuzugang macht keinen Hehl daraus, warum er zu den Ice Tigers gewechselt ist - 02.08.2012 14:05 Uhr

NÜRNBERG  - Bei der ersten Pressekonferenz der Thomas Sabo Ice Tigers vor der neuen Saison glänzten nicht nur die nagelneuen Dienstwagen, sondern auch Neuzugang Brett Festerling mit einer klaren Kampfansage.

Brett Festerling (li.) bringt viel Erfahrung mit nach Nürnberg. Auch aus Spielen gegen Anze Kopitar, der drei Jahre später den Stanley Cup holte.
Brett Festerling (li.) bringt viel Erfahrung mit nach Nürnberg. Auch aus Spielen gegen Anze Kopitar, der drei Jahre später den Stanley Cup holte.
Foto: Getty
Brett Festerling (li.) bringt viel Erfahrung mit nach Nürnberg. Auch aus Spielen gegen Anze Kopitar, der drei Jahre später den Stanley Cup holte.
Brett Festerling (li.) bringt viel Erfahrung mit nach Nürnberg. Auch aus Spielen gegen Anze Kopitar, der drei Jahre später den Stanley Cup holte.
Foto: Getty

Nein, an Eishockey mochte man zunächst erst einmal gar nicht denken. Knapp 30 Grad, keine Wolke am Himmel — zum Glück spendete das große Dach eines Autohauses in der Innenstadt ein wenig Schatten. Statt Schlittschuhen trugen die Tigers lässiges Outfit, unter anderem ein schwarzes Poloshirt mit dem Konterfei des Klubs. Aber es ging ja streng genommen auch nicht um Eishockey, sondern um Autos.

25 schwarze Kleinwagen wurden von den Spielern als Dienstwagen in Empfang genommen, für die nächsten zwei Jahre kommen die nun nicht mehr von einem bayerischen, sondern von einem schwäbischen Hersteller. So viel zur eigentlich einzigen Tigers-Nachricht des Tages. „Das Auto sieht kleiner aus, als es ist. Das ist ein Raumwunder“, verriet Ice Tigers-Geschäftsführer Lorenz Funk noch in bestem Verkäuferdeutsch, somit könne man auch problemlos mit der ganzen Familie durch Nürnberg fahren.


Womit wir bei der zweiten Tigers-Nachricht des Tages sind. Denn einer, der unbedingt bald eine Spritztour durch die Stadt unternehmen möchte, ist Neuzugang Brett Festerling von den St. John’s IceCaps aus der American Hockey League (AHL). Der 26-Jährige hat zudem nicht weniger als 89 NHL-Einsätze für Anaheim und Winnipeg auf dem Buckel.

Auftakt gegen den Bruder

„Eigentlich wollten wir einen klassischen Offensivverteidiger verpflichten. Nun haben wir den besten Verteidiger bekommen, der überhaupt auf dem Markt war“, freut sich Nürnbergs Neu-Coach Jeff Tomlinson, der sich noch eine zusätzliche Leistungsexplosion erhofft: „Brett ist ein junger Spieler für die Zukunft. Er wird noch besser werden.“

Ein weiterer Vorteil des Noch-Kanadiers: Anfang September soll er, genau wie sein Zwillingsbruder Garret, der im Sturm des Auftaktgegners Hamburg Freezers am 16. September in der Arena auflaufen wird, einen deutschen Pass bekommen. Die Testspiele im Trainingslager in Bad Tölz wird Festerling aber auch ohne Einbürgerung bestreiten dürfen. „Die Sache mit dem Pass ist ein großer Vorteil“, sagt Tomlinson. Was bedeuten soll, dass die Ice Tigers, sofern unter der Saison Bedarf bestehen sollte, noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden könnten. Ein Argument zum Kommen wäre sicher dann auch der schicke Dienstwagen.


Der laut eigener Aussage für Brett Festerling wiederum nicht entscheidend dafür gewesen sein soll, fortan für Nürnberg erstmals in Europa aufs Eis zu gehen. Sein Bruder, immerhin schon seit fünf Jahren deutscher Staatsbürger, helfe ihm hier, wo es geht: „Er ist nur einen Telefonanruf entfernt, er hilft beim Lernen der Sprache und gibt Ratschläge, wie ich mich schnell hier zurechtfinde.“

Auch freue es den Großvater, dass seine Enkel nun in seiner alten Heimat dem Puck hinterherjagen werden. „Er will sogar zum Auftaktspiel kommen“, sagt Brett Festerling. Dass es jetzt dazu kommen wird, war bis zuletzt aber gar nicht sicher, denn der Verteidiger verhandelte noch mit den Winnipeg Jets aus der NHL. „Der Vertrag hat mir nicht gefallen. Vor allem, weil sie mir nicht versichern konnten, dass ich einen Platz im NHL-Kader und nicht im Farm-Team bekomme. Da spiele ich lieber hier in einem Top-Team und hole die Meisterschaft.“

Auch Tomlinson hoffnungsfroh

Die Meisterschaft? Jeff Tomlinson zuckt später bei diesem Wort im angenehm klimatisierten Konferenzraum kurz. „Ich denke, die Liga ist so stark, dass jeder, der die Playoffs erreicht, auch eine Chance auf den Titel hat. Wir wollen eine von diesen Mannschaften sein. Die Qualität dazu haben wir, wir müssen sie nur noch aufs Eis bringen.“ Zudem hofft Tomlinson, dass „die Jungen, wie Lindlbauer, Schüle und Ehliz, die Erfahrenen zu mehr Leistung anstacheln. Wir haben ein Dream Team. Mit dem wollen wir nun etwas bewegen.“

Sein Auto bewegen möchte jetzt auch Brett Festerling. Immerhin hat er sich einen schönen Tag für die erste Stadtrundfahrt ausgesucht. Keine Wolken, knapp 30 Grad. Aber der neue Dienstwagen hat sicher eine Klimaanlage. 

CHRISTOPH BENESCH


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Kurzbeschreibung:
Die Nürnberg Ice Tigers sind ein Verein in der Deutschen Eishockey Liga DEL; seit Mai 2009 firmiert die Mannschaft unter dem Namen Thomas Sabo Ice Tigers. Hervorgegangen ist das Profiteam aus dem EHC 80 Nürnberg, der seit 2009 auch wieder als Stammverein fungiert. Heimspielstätte ist seit 2001 die Arena Nürnberger Versicherung.
Die größten Erfolge waren bislang die erreichten Meisterschafts-Finalserien in den Jahren 1999 und 2007, in denen die Nürnberger jeweils an den Adler Mannheim scheiterten.
Nach der enttäuschend verlaufenen Saison 2011/2012, die die Tigers nur auf dem vorletzten Platz abschlossen, wollte die Mannschaft unter Trainer Jeff Tomlinson in dieser Saison wieder vorne angreifen, was bis in den Winter hinein jedoch misslang. Bengt-Ake Gustafsson sollte Nürnbergs Kufencracks als neuer Coach nun zurück in die Erfolgsspur bringen. Leider misslang dieses Vorhaben, die Ice Tigers scheiterten bereits in den Pre-Playoffs und Thomas Sabo hatte genug gesehen: Sportdirektor Lorenz Funk und Gustafsson mussten ihren Hut nehmen, am Kurt-Leucht-Weg standen die Zeichen auf Neuanfang.


Der Ice-Tigers-Kader in der Saison 2012/13

Galerie Kader Ice Tigers