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Fünf Brüder, fünf Disziplinen und ein bisschen Musik

Der Moderne Fünfkampf beim Post–SV wird zur Familiensache: Die Hierls fechten, reiten, schwimmen, laufen und schießen mit Talent - 12.06.2012 12:00 Uhr

Fehlt nur noch das Pferd: Zwei Hierl-Brüder fechten, die anderen haben zumindest schon einmal die richtige Kleidung an für drei der übrigen Disziplinen des Modernen Fünfkampfs.

Fehlt nur noch das Pferd: Zwei Hierl-Brüder fechten, die anderen haben zumindest schon einmal die richtige Kleidung an für drei der übrigen Disziplinen des Modernen Fünfkampfs. © Michael Müller


Fünf Brüder und alle fünf betreiben sie Modernen Fünfkampf. Und als ob Laufen, Schwimmen, Schießen, Reiten und Fechten nicht schon genug Möglichkeiten zum Austoben bieten, geben sich Andreas, Tobias, Moritz, Benjamin und Alexander Hierl damit noch lange nicht zufrieden. Auf zusätzliches Kartfahren, Handball- und Tennisspielen will das quirlige Quintett nämlich nicht verzichten.

Noch nicht, denn wenn es im Fünfkampf erst mal in allen Disziplinen ans Eingemachte geht, dann wird für andere Hobbys kein Platz mehr sein. „Der Fünfkampf trägt den Leistungssportgedanken in sich“, sagt zumindest ihr Trainer Jochen Richter. Der weiß, wovon er spricht, schließlich hat er beim Post-SV in den vergangenen Jahrzehnten schon einige Talente in dieser vielseitigen Sportart auf ein hohes Leistungs-Niveau gebracht.

Eine derartige Begabung sieht Richter auch bei den fünf Jungs der Familie Hierl, weswegen er seit Januar neben dem 16-jährigen Andreas auch dessen vier jüngere Brüder unter seine Fittiche genommen hat. „Für einen derart komplexen Sport braucht man relativ talentierte Athleten“, so Richter. Außer dem 13 Jahre alten Tobias sind die elfjährigen Zwillinge Moritz und Benjamin und der neunjährige Alexander zwar noch nicht alt genug, um schon regelmäßig Fechten und Reiten zu trainieren, „aber alle fünf haben durch ihre starken Leistungen im Schwimmen und Laufen ideale Voraussetzungen für einen guten Fünfkämpfer“, sagt Richter.

Schule hat Priorität

Dass alle Hierl-Kinder so gute Schwimmer sind, haben sie auch dem Zufall zu verdanken. Denn als die Hierls vor Jahren nach Katzwang zogen, hinterließ der dortige Schwimmverein den besten Eindruck auf die Eltern Daniela und Thomas. Den Modernen Fünfkampf in die Familie brachte allerdings Tochter Franziska, die mittlerweile zwar aufgehört hat, aber früh mit dem Reiten begann und in einem Sommerferienprogramm an einem von Richters Schnupperkursen teilnahm. Andreas fand über seine Schwester zu seiner großen Leidenschaft. Im Gegensatz zu den meisten jungen männlichen Fünfkämpfern, die oft Probleme mit dem lebendigen Sportgerät Pferd haben, ist Reiten die Stärke des ältesten Hierl-Sohns. „Man darf aber nirgendwo schlecht sein, sonst hat man keine Chance“, sagt der süddeutsche A-Jugend-Meister.

Die große Überraschung bei den Meisterschaften in Passau gelang allerdings seinem Bruder Tobias. Zwar findet bei den C-Jugendlichen der Wettkampf noch ohne Reiten statt, doch nach gerade mal fünf Monaten Training belegte er überlegen den ersten Platz. Neben dem nötigen Talent macht großer Trainingsfleiß einen guten Fünfkämpfer aus. Einmal in der Woche üben die Hierls Fechten und Schießen. Dazu organisieren sie ihr Schwimm- und Lauf-Training eigenständig und schwingen sich so oft wie möglich in den Sattel eines Schulpferdes in einem Reitstall. Auf die Frage, was bei so viel Sport denn auf der Strecke bleibe, antworten alle fünf im Chor: „die Schule.“ Doch ohne dass die Hausaufgaben gemacht sind, dürfen die fünf Jungs nicht zum Training. Bis auf den Jüngsten besuchen alle Brüder das Gymnasium und Vater Thomas stellt klar: „Die Schule hat Priorität. Sie müssen keine Einserschüler sein, aber es darf nicht problematisch werden.“ Ohne die Unterstützung der Eltern sei es ohnehin gar nicht möglich, Fünfkämpfer zu werden, betont Richter. „Ihr Hobby ist auch für uns zu einem geworden und wir beobachten mit großer Freude, wie begeistert sie alle bei der Sache sind“, erzählt Daniela Hierl, die früher selbst eine sehr gute Handballerin war.

Auch wenn die Fecht- und Schießausrüstung teilweise vom Verein gestellt wird, und die Hierls noch kein eigenes Pferd besitzen, ist das außergewöhnliche Hobby ihrer Jungs dennoch sehr zeit- und kostenintensiv. „Dafür fliegen wir nicht in den Urlaub und gehen nicht sonderlich oft essen“, zählen die Eltern ihre Einschränkungen auf. Natürlich richtet sich der Tagesablauf der Familie Hierl meist nach dem Sport der Söhne, aber immerhin können die fünf Brüder viel miteinander üben. „Und in die Haare kommen wir uns auch ohne Training“, erzählt Tobias. Dass sich die fünf Jungs grundsätzlich aber sehr gut untereinander verstehen, nimmt man Daniela Hierl sofort ab.

Gefragt nach ihrer Lieblingsdisziplin tendiert Andreas klar zum Reiten, während Tobias sich fürs Fechten entscheidet, die Zwillinge das Schießen wählen und Alexander momentan „einfach alles“ Spaß macht. Dabei darf abschließend nicht unerwähnt bleiben, dass Benjamin und Moritz auch noch Gitarre lernen und Tobias und Alexander gerne Klavier spielen — in ihrer Freizeit.

  

MARKUS ERLWEIN

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