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Fünf Nationalspieler in der vierten Liga

Die tief gefallenen Glasgow Rangers erforschen neuerdings die schottische Provinz - 26.09.2012 17:28 Uhr

GLASGOW/NÜRNBERG  - Im Schnitt knapp 47000 Zuschauer pro Heimspiel, fünf Nationalspieler, ein Saisonetat von etwa 20 Millionen Euro: Die ruhmreichen Glasgow Rangers sind nach ihrem Absturz in die vierte Liga weiter sehr gut aufgestellt. Warten aber trotzdem noch auf ihren ersten Auswärtssieg.

Hurra, sie leben noch: Im Mai wären die hoch verschuldeten Rangers fast untergegangen, 2015 möchten sie wieder erstklassig sein.
Hurra, sie leben noch: Im Mai wären die hoch verschuldeten Rangers fast untergegangen, 2015 möchten sie wieder erstklassig sein.
Foto: dpa
Hurra, sie leben noch: Im Mai wären die hoch verschuldeten Rangers fast untergegangen, 2015 möchten sie wieder erstklassig sein.
Hurra, sie leben noch: Im Mai wären die hoch verschuldeten Rangers fast untergegangen, 2015 möchten sie wieder erstklassig sein.
Foto: dpa

Der dritte Erfolg in gewohnter Umgebung, aber ungewohnter Liga, fiel deutlich aus. 4:1 gegen Montrose.

Viertklassig ist der 54-malige Landesmeister Schottlands nur noch, prominenter Ehrengast in der Scottish Football League Third Division. Weil die anderen Proficlubs im Juli wegen jahrelangen Financial Unfairplays einen sofortigen Ausschluss der Rangers aus der ersten Liga beschlossen hatten, muss einer der größten Traditionsvereine Europas ziemlich weit unten neu anfangen. Mit fünf Nationalspielern, darunter Lee McMulloch oder Lee Wallace, die 25000 Euro verdienen sollen. Pro Woche. Durchaus denkbar bei einem Saisonetat von rund 20 Millionen Euro. Die Fußballer leben nach wie vor in Saus und Braus; während des Trainings können sie beispielsweise nebenan per Handarbeit ihre Limousinen waschen lassen, wie das WDR-Magazin „Sport Inside“ berichtete.

Weltrekord im Ibrox Park


Sponsoren und Anhänger ziehen mit, lassen ihre tief gefallenen Rangers nicht im Stich. Zum Saisonauftakt gegen East Stirling kamen sage und schreibe 49118 Zuschauer in den weltberühmten Ibrox Park, natürlich Weltrekord für eine Partie der vierten Division. Und sogar deutlich mehr als in den fünf Begegnungen der schottischen Premier League an jenem Samstag zusammen. Auf der Internetseite der Rangers stand am nächsten Vormittag: „Wir können euch gar nicht genug danken.“ Und: „Das ist erst der Beginn unserer Reise, lasst uns das Abenteuer zusammen genießen.“

Wonach ihnen seit dem 18. August allerdings nicht mehr oft zumute war. Das Abenteuer führte die Rangers schon dreimal in die tiefste schottische Provinz, viel zu holen gab’s dort bisher nicht. 2:2 in Peterhead, 1:1 in Berwick, 0:0 in Annan. Blamable, aber irgendwie erklärbare Resultate. Die Kleinen wollen es den großen Rangers natürlich zeigen; auch die wackeren Feierabendkicker aus Annan, einem Dorf mit etwa 2000 Einwohnern im Süden Schottlands, leisteten den Herren Stars erheblichen Widerstand und hätten sogar gewinnen müssen. „Das ist“, meinte Rangers-Trainer Ally McCoist danach tief enttäuscht, „alles nicht so einfach.“

Am Samstagnachmittag gegen Montrose kamen trotzdem wieder über 45000 in den Ibrox Park und gingen diesmal einigermaßen zufrieden nach Hause. Ungeschlagen sind die Rangers, aber dennoch nur Zweiter, einen Punkt hinter Queens Park. Am ersten von drei sofortigen Wiederaufstiegen zweifelt niemand.

2015 will Schottlands Rekordmeister, der demnächst an die Börse gehen möchte, wieder erstklassig sein. Eine Investorengruppe um Charles Green hat die bereits im Februar insolventen Rangers samt Vereinsgelände und Stadion für etwa sieben Millionen Euro gekauft. Ein stark sanierungsbedürftiges Schnäppchen. Nur beim Fiskus sollen die Rangers mit rund 100 Millionen Euro in der Kreide stehen. Wovon sich der englische Geschäftsmann Green nicht irritieren lassen will. Sein Ziel ist klar: Irgendwann möchte er auch mit den Rangers Geld verdienen. Und zwar richtig viel.

Green kann es kaum erwarten, er ist absolut begeistert von seinem Unternehmen. Der Name. Die Nachwuchsabteilung. Die junge Mannschaft. „Alles ist vorbereitet, damit wir aus diesem Desaster herauskommen“, sagte Green dem WDR. „Damit die Rangers wieder einer der besten Clubs in Europa und auf der ganzen Welt werden.“

Bis dahin müssen sie aber mindestens noch einmal nach Peterhead und Annan. Schottlands vierte Liga hat nur zehn Mannschaften, auch die Rangers treffen deshalb viermal auf jeden Gegner. Das Abenteuer dauert noch etwas.WOLFGANG LAASS 

WOLFGANG LAASS


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