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Diesmal wollte sogar der Kapitän nichts sagen. Die Kapuze seines Sweatshirts wie eine Schutzhülle über den Kopf gezogen, schleppte sich Thomas Kleine an den wartenden Journalisten vorbei Richtung Arena-Ausgang. Ein Alu-Koffer mit irgendwelchen Utensilien des Zeugwarts darin hing scheinbar tonnenschwer an seiner linken Hand. Der bald 34-jährige Innenverteidiger, der zuvor im Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga einen Strafstoß verursacht und auch sonst nicht gut ausgesehen hatte, wollte nur noch weg. Weg von diesem Ort. Weg von bohrenden Fragen. Weg von der Erkenntnis, dass er und seine Kollegen den Nachweis ihrer Aufstiegsreife schuldig geblieben waren.
Auch Trainer Mike Büskens verstärkte direkt nach der 1:2-Niederlage der Spielvereinigung Greuther Fürth bei Fortuna Düsseldorf den Eindruck, dass am späten Montagabend mehr verloren gegangen war als ein einziges Punktspiel. Noch überlegter als sonst tastete sich der 43-Jährige von Aussage zu Aussage und fand doch nur Worte, die Grundsätzliches infrage stellen: „Ich dachte immer, es ist geil, vor 33000 Leuten zu zeigen, was man drauf hat ...“
Man kann als Trainer Spielzüge und Freistöße einstudieren lassen, Technik vermitteln und seine Mannschaft taktisch schulen; seinen Charakter indes muss ein Berufssportler weitgehend selbst entwickeln. „Das macht einen Fußballer irgendwie auch komplett, dass du so ein Spiel gedanklich annimmst“, befand Büskens bitter. Offensichtlich sind die Kleeblatt-Kicker in dieser Hinsicht noch lange nicht erstklassig. Außer Paderborn haben sie in der Hinrunde kein Spitzenteam geschlagen.
Nach einer Anfangsphase mit zwei brauchbaren Torchancen durch Sercan Sararer und Olivier Occean hatten sich die Fürther von den seit 23 Spielen ungeschlagenen Düsseldorfern phasenweise regelrecht demütigen lassen. Im zentralen Mittelfeld überforderte Edgar Prib und Stephan Fürstner die Aufgabe, den Angriffswirbel der Heimelf im Ansatz zu ersticken. Und wenn Maximilian Beister, Ken Ilsö oder Thomas Bröker Tempo aufnehmen konnten, zeigte sich, dass auch die bisher so gepriesene Abwehr der Spielvereinigung höchsten Ansprüchen nicht vollends genügt.
Trainer Büskens holte in der Pause zwar nur den wirkungslosen Angreifer Christopher Nöthe vom Feld, verriet später aber: „Es hätte auch viele, viele andere treffen können.“ Beiden Gegentoren, sowohl dem 1:0 durch Oliver Fink (18.) als auch dem 2:0 durch einen Foulelfmeter von Jens Langeneke (39.), gingen Einwürfe der Düsseldorfer, also relativ beherrschbare Spielsituationen, voraus. „Wir waren zu naiv“, übte Edgar Prib, dem per Kopf der Anschlusstreffer (63.) gelungen war, Selbstkritik. Eine wirkliche Erklärung, warum auf Seiten der Spielvereinigung der viel zitierte „letzte Tick“ Wehrhaftigkeit fehlte, hatte freilich auch er nicht. Die meisten seiner Kollegen hielten es wie Kleine und versuchten erst gar nicht, etwas zu erklären, was wohl nur mit mangelnder Qualität zu erklären ist.
Das unverkennbare Aufbäumen nach der Pause (Büskens: „Für uns hatte das Spitzenspiel nur 45 Minuten“) verhinderte zwar ein mögliches Debakel, verscheuchte aber nicht das Gefühl, dass die Fürther am Montagabend sehr weit hinter einem Aufstiegsplatz zurücklagen. Tatsächlich trennen sie nur zwei Punkte vom Erreichen des so offensiv wie nie formulierten Saisonziels.
Am Tag nach dem herben Euphoriedämpfer in Düsseldorf präsentierte Vereinspräsident Helmut Hack die jüngste Bilanz der SpVgg GmbH & Co. KGaA: Rund 640.000 Euro Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr. Wenigstens beim Wirtschaften sind die Fürther nach wie vor absolute Spitze.
Nach dem Frankenderby im DFB-Pokal am 20. Dezember, sagte Hack auf Anfrage unserer Zeitung, wolle er auch unter die sportlichen Entwicklungen einen Strich ziehen. Das Ergebnis könnte zur Folge haben, dass sich die Fürther in der diesmal ungewöhnlich langen Winterpause zumindest um die Verpflichtung eines weiteren zentralen Mittelfeldspielers bemühen werden. Ein bisschen Geld wäre jedenfalls vorhanden.
Di. 22.05.12
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Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12