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Gut, dass er in der Halbzeit ausgewechselt worden war. Als das „Freundschaftsspiel“ zwischen der Spielvereinigung und Red Bull Salzburg gegen Ende unangemessen hitzig geführt und zwischenzeitlich nicht mehr nur getreten, sondern auch noch geschubst wurde, hatte der Fürther Ober-Kampfhahn Milorad Pekovic leicht angeschlagen schon Feierabend. Fraglos hätte sich der abseits des Platzes so umgängliche Montenegriner mit Wonne ins Getümmel gestürzt – nicht zuletzt, um seine jungen Kameraden zu schützen.
Ausgerechnet beim Vergleich mit dem namhaftesten der vier österreichischen Erstligisten, die sich die Spielvereinigung in der Türkei als Sparringspartner aussuchte, hatte Trainer Mike Büskens überwiegend seine zweite Garde, samt einigen 18- und 19-Jährigen, aufs Feld geschickt. Erst die noch folgende Partie gegen Sturm Graz wird im Lager der Fürther als Generalprobe für den Wiederbeginn in der Zweiten Bundesliga hergenommen.
So hatte das nackte Ergebnis von 0:1 kaum Aussagekraft. Fürths Trainer Mike Büskens freute sich vielmehr schlicht darüber, dass sich sein Talentschuppen gegen einen Euro-League-Teilnehmer bewähren konnte. „Das bringt die Jungs richtig weiter.“ Cristiano, ein eben erst für angeblich eine Million Euro eingekaufter Brasilianer, erzielte vier Minuten vor Schluss den Siegtreffer für den reichen Brause-Klub aus Salzburg.
Milorad Pekovic wirkte in dieser Fürther Mannschaft 45 Minuten lang wie ein Ausbilder im Fronteinsatz. Als beispielsweise Christian Dorda eine halbgare Flanke schlug, statt den Angriff entschlossen abzuschließen, ermahnte ihn Pekovic herzlich rau, er solle mit dem „Pippi-Fußball“ aufhören.
Das Wort des Routiniers hat Gewicht, obwohl er aktuell keinen Stammplatz in der ersten Elf besitzt. Falls Edgar Prib nicht auf Linksaußen für den verletzten Stephan Schröck einspringen muss, dürfte das zentrale Mittelfeld im Ernstfall vorerst aus Stephan Fürstner (24) und eben Prib (22) bestehen. Doch Pekovic wirkt in den Tagen von Belek nicht nur keineswegs traurig, sondern sogar ausgesprochen glücklich. „Es ist im Profi-Fußball nicht selbstverständlich, dass du viele Freunde in der Mannschaft hast“, meint der ehemalige Mainzer. „Hier habe ich das Gefühl, alle sind Freunde. Ich genieße jeden Tag.“
Man kann das auch sehen. Als ihm eines Morgens im Training nach einer Flanke eine technisch anspruchsvolle Abfolge aus Ballannahme und Torschuss gelang, klopfte sich dieser Haudegen übermütig auf die Brust und radebrechte breit grinsend: „Hey! Wie Magnet.“ Seine Kameraden johlten.
Fraglos nahm die Spielvereinigung Pekovic, der im August 35 Jahre alt wird, kürzlich nicht nur deshalb ein weiteres Jahr unter Vertrag, weil er immer noch ein wertvoller Balleroberer und -verteiler ist. Pekovic lebt wie wahrscheinlich kein Zweiter vor, wie sich im Leben eines Berufsfußballers große Ernsthaftigkeit mit kindlichem Vergnügen vereinen lassen. „Der ist einfach ein Typ“, schwärmt Manager Rachid Azzouzi, „ein sehr feiner Mensch.“
Das hat auch der Nationaltrainer Montenegros erkannt. Eigentlich wollte Pekovic seine internationale Karriere beenden. Kürzlich hat er sich umstimmen lassen, weil sie ihn in der Heimat bekniet haben weiterzumachen.
„Ich bin noch nicht satt“, sagt Pekovic. Der bereits mit Erstligaerfahrung ausgestattete Routinier will auch mit Fürth nochmal auf die ganz große Fußballbühne. Der Aufstieg soll wettmachen, was ihm in der EM-Qualifikation durch das Scheitern an Tschechien verwehrt blieb: ein besonderer Höhepunkt am Karriereende. Dabei ist noch gar nicht ausgemacht, dass Milorad Pekovic im Sommer 2013 seine Fußballschuhe an den Nagel hängt. „Ich spiele, so lange die Füße tragen.“
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12