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Auch die Weihnachtsfeier in Herzogenaurach verlief ohne Aufreger. Außer, irgendjemand hat nebenbei Fußball geschaut. Dortmund gegen Kaiserslautern, Endstand 1:1. Seit gestern ist der 1.FC Nürnberg Drittletzter und punktgleich mit den Pfälzern. Noch eine schlechte Nachricht also am dritten Advent, der wenigstens ein gemütliches Beisammensein brachte. Mit ein paar Sponsoren und Illusionist Danny Ocean; „bei diesem Mann“, heißt es auf seiner Internet-Seite, „verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, zwischen Wahrheit und Vorstellung“. Damit passt er derzeit fast ideal zum Club.
Vor dem Regenerationslauf am Morgen hatte Dieter Hecking noch erhöhten Redebedarf. Erst eine Stunde später als üblich entließ er seine Fußballer zum Joggen, er musste ihnen einfach noch etliches sagen. Bemerkenswert hierbei, dass es inhaltlich auch um professionelles Verhalten im Abstiegskampf ging, wie Hecking später verriet. Ein paar jüngere Spieler musste er „auf unsere Situation hinweisen“, berichtete Hecking gar. Dass er noch Nachhilfe geben muss in Einstellungsfragen, erstaunt nach nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Partien dann aber doch ein wenig.
(ContentAd))Robert Mak zum Beispiel hat unter der Woche der Bild-Zeitung ein Interview gegeben, das tief blicken ließ. Der Slowake hatte in der Sommer-Vorbereitung zum Teil überragende Leistungen gezeigt und galt schon als neues Ausnahmetalent. Danach aber kam nicht mehr viel von ihm, was auch an diversen Wehwehchen und Negativerlebnissen auf dem Platz gelegen haben dürfte. Mittlerweile ist Mak nur noch ein begabter Mitläufer. Sich täglich zu quälen, an sich zu arbeiten, ist wohl nicht so sein Ding. „Mir fehlt da“, verriet Mak dem Blatt, „vielleicht ein bisschen die Leidenschaft im Training.“ Die Leidenschaft im Training?
Irgendwann nach dem noch recht passablen 1:1 gegen Bremen vor fast drei Monaten muss „ein bisschen was kaputtgegangen sein“, sagt Hecking, ohne das Übel beim Namen nennen zu können. Ein Haufen Verletzte, unglückliche Spielverläufe und mitunter seltsame Entscheidungen des eingeteilten Referees ließen Heckings Club gewaltig abrutschen. Von Platz acht ging’s fast schnurstracks hinab auf 16, die anfängliche Ergebniskrise hat sich zu einer handfesten Formkrise ausgeweitet. Es passt jedenfalls nicht mehr viel zusammen.
Der eine oder andere Satz des Trainers vom Wochenende muss jedenfalls nachdenklich stimmen. „Uns hat der Glaube gefehlt, das Ding zu drehen“, sagte Hecking ein paar Minuten nach dem in jeder Hinsicht ernüchternden 0:2 gegen 1899 Hoffenheim. Ein schwerwiegender Vorwurf, den er am nächsten Vormittag weiter präzisierte. Von „fehlender Leidenschaft“ war da die Rede, verbunden mit einem freundlichen Hinweis auf die Konkurrenz. Augsburg zwingt Mönchengladbach mit einer bravourösen Energieleistung in die Knie, Kaiserslautern widersetzt sich dem Meister. Und der Club? Hatte, bei allem Pech mit dem Schiedsrichter, weder den Mut noch die individuelle Klasse, um sich mit den Hoffenheimern anzulegen.
Einige waren nicht zum ersten Mal schlichtweg überfordert mit ihrer Aufgabe. Christian Eigler, Daniel Didavi (der nach seiner langen Pause in einem körperlichen Tief zu stecken scheint), Marvin Plattenhardt. Mit der Empfehlung von neun Bundesliga-Einsätzen hatte der frühere U17-Europameister im Sommer sich und seinen Verein wie folgt eingeschätzt: „Der Club“, sagte Plattenhardt, „ist für mich ein internationales Sprungbrett.“
Die gelegentlich zur Selbstüberschätzung neigenden Plattenhardts und auch Maks müssen es aber derzeit richten — nach der Winterpause könnte es hingegen nicht nur für sie eng werden. Hecking ist zwar kein Freund von Winter-Transfers („zu teuer“; „passen oft nicht“), wird aber nicht umhinkommen, gemeinsam mit Martin Bader den Kader zu verstärken. Nur an einigen Stellschrauben zu drehen wird nicht reichen. Man muss sie wohl austauschen.
„Ich würde nichts ausschließen“, sagte Hecking gestern; man zieht also in Betracht, die eine oder andere Verpflichtung vorzuziehen. Weil auch nach wie vor unklar ist, wann Mike Frantz, Javier Pinola und Per Nilsson wieder schmerzfrei Fußball spielen können. „Wir haben immer gesagt: Wenn die Verletzten nicht zurückkommen, müssen wir aktiv werden“, sagt Sportdirektor Bader. Im nächsten Sommer könnte es zu spät sein.
Eine gute Nachricht gab es am Wochenende aber doch für den 1. FC Nürnberg: Der Weihnachtsmann, das wusste schon Uli Hoeneß, ist kein Osterhase.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12