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Ice Tigers: Essen, schlafen, Eishockey spielen

Der Kanadier Paul Albers (23) will in Nürnberg seine Karriere wiederbeleben - 04.08.2009

Selbst Autos haben sie in Deutschland, große und schön lackierte sogar: In Nordamerika wurde Ice-Tigers-Neuzugang Paul Albers aufs Schlimmste vorbereitet. Der Kulturschock aber blieb bislang aus.

Selbst Autos haben sie in Deutschland, große und schön lackierte sogar: In Nordamerika wurde Ice-Tigers-Neuzugang Paul Albers aufs Schlimmste vorbereitet. Der Kulturschock aber blieb bislang aus. © Thomas Sabo Ice Tigers


Für Beobachter der Thomas Sabo Ice Tigers ist das freilich keine Überraschung. Jeden Sommer arbeitet ein kleines Team mit großer Leidenschaft daran, den Neuzugängen den Start möglichst leicht zu machen. Für junge Eishockey-Profis wie Albers, der aus der kanadischen Provinz Saskatchewan stammt und dessen Horizont bislang über Houston in Texas, wo er die letzten drei Jahre für die Aeros in der American Hockey League (AHL) gespielt hat, nicht hinausging, ist der Sprung nach Europa vor allem ein großes Abenteuer, das zumindest für Albers von Tag zu kleiner wird.

Training, Training, Training

Seit gestern Vormittag beschränkt sich sein Alltag glücklicherweise auf: Training, Training, Training und lebensnotwendige Tätigkeiten, wie Essen und Schlafen, sofern die sich noch dazwischenschieben lassen. «Eat, sleep, hockey», würde der Nordamerikaner sagen. Viel Zeit nachzudenken wird ihm da kaum bleiben.

Und natürlich ist Albers genau deshalb nach Nürnberg gekommen, auch wenn er sagt, wie reizvoll es sei, neue Kulturen, Länder und Sprachen kennenzulernen. Albers will tatsächlich Deutsch lernen. Selbstverständlich ist das nicht. Viele Nordamerikaner sind auch nach vielen Jahren in Deutschland noch damit überfordert, ihre einfachen Phrasen («work hard, have fun») in der Landessprache zu formulieren. Auf dem Flughafen von Minneapolis wollte er sich schon ein Wörterbuch kaufen, um den Flug für eine erste Lerneinheit zu nutzen. Die deutsche Ausgabe aber war ausverkauft - behauptet er zumindest. Bis zum Saisonstart in einem Monat will er sich jedoch erste Formulierungen angeeignet haben. Versprochen.

Bester Verteidiger der WHL

Vielleicht kann er dann schon erklären, ob sein Wunsch in Erfüllung gehen wird. Albers hat sich vorerst von seinem Traum, irgendwann in der National Hockey League (NHL) aufzulaufen, verabschiedet, um seiner Karriere in Nürnberg «einen neuen Dreh zu geben». Bei den Aeros, dem Farmteam des NHL-Klubs Minnesota Wild, hat sich seine Chance, irgendwann in die Liga der Träume berufen zu werden, ohnehin von Spiel zu Spiel verringert. «In Houston wollte man aus mir einen Defensivverteidiger machen», erzählt Albers mit vorwurfsvollem Unterton. Er selbst sieht sich aber als Spielmacher, als Spezialist für Überzahlsituationen. Deshalb ist er einst auch zum besten Verteidiger der Juniorenliga WHL gewählt worden, vor Kris Russell und Cody Franson, die sich derzeit in der NHL versuchen dürfen.

Für die Ice Tigers will er diese Talente wiederbeleben. «100 Beispiele» für derartige Erfolgsfälle kennt Trainer Andreas Brockmann und hofft, einen solchen auch in Nürnberg zu erleben.

Um 6.30 Uhr am Morgen erreichte Albers übrigens vor einer Woche der Anruf aus Deutschland. Zwei Tage hatte er Zeit, um den Papierkram zu erledigen und zu packen. Drei Tage später war er in Nürnberg, wo er jetzt sitzt und sich doch ein bisschen wundert, dass alles so normal ist. 

Sebastian Böhm

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