Im Relegations-Rückspiel waren Sie dann gesperrt. Es hätte - mit einem Abstieg - ein trauriges Ende Ihrer Nürnberger Zeit geben können.
Pinola: Davor hatte ich gar keine Angst. Ich hatte ja gesehen, dass Augsburg auf keinen Fall gegen uns gewinnen würde, niemals.
Sie werden wütend, wenn Wolf gefoult wird, und Sie sagten vorhin, Ihre Mitspieler sind für Sie bis heute auch Freunde. Das klingt sehr altmodisch in einer Zeit, die vom Geld bestimmt wird, in der Spieler die Vereine oft beliebig wechseln.
Pinola: Geld ist wichtig, da will ich nicht lügen. Aber jeder Neuanfang bei einem anderen Verein ist sehr schwer. Ein neues Umfeld, neue Spieler, ein neuer Trainer. Mit Wolfi (Andi Wolf, d. Red.), Raffa (Schäfer), Dani (Klewer) oder Marek (Mintal) spiele ich jetzt seit fünf Jahren zusammen, ich weiß, was sie denken - und seit ich besser Deutsch kann, ist das Miteinander immer noch besser geworden.
Sie sprechen inzwischen sehr gut Deutsch. Nehmen Sie Unterricht?
Pinola: Am Anfang habe ich das getan. Aber ich habe aus Gesprächen mit Freunden mehr gelernt, oder wenn ich etwas gelesen habe. Jetzt habe ich mir vorgenommen, mich weiter zu verbessern, ich will wieder Unterrichtsstunden nehmen.
Weil Sie auch Ihren jungen Mitspielern viel zu sagen haben?
Pinola: Jeder kann zu mir kommen, so, wie ich es als junger Profi getan habe. Man braucht Menschen, denen man vertrauen kann.
Weil es viele falsche Freunde gibt?
Pinola: Es gibt wirklich viele falsche Menschen im Fußball: Berater, die sich nur für Geld interessieren und nicht für Spieler als Menschen, das ist ganz schlimm. Und wenn mir ein Trainer sagt, dass ihm mein Gesicht nicht passt - in Ordnung, dann weiß ich bescheid. Ich will nur, dass man ehrlich ist.
Sehen Sie sich inzwischen auch als Ansprechpartner für Jüngere?
Pinola: Ja, gerne, aber ich dränge mich nicht auf. Dominic Maroh zum Beispiel interessiert sich leidenschaftlich für Fußball, so wie ich. Er will viel wissen, ich frage ihn auch viel - vielleicht hat er Dinge gelernt, die ich noch nicht kenne. Ich mag es, wenn sich junge Spieler so interessieren, etwas wissen wollen, etwas lernen.
Von außen hatte man den Eindruck, dass das im abgelaufenen Spieljahr nicht immer so war. War die Krise im Herbst insbesondere ein Konflikt der Generationen?
Pinola: Wir haben nie ein Problem mit den Jungen gehabt, wirklich nicht, sie sind clever und sympathisch. Es war ein anderes Problem, das Sie vielleicht auch kennen: wenn der Chef Ihnen etwas sagt und es dann alles aber ganz anders abläuft. Der Trainer sagt den Jungen: Ich schütze euch - das ist okay, aber wenn wir gewonnen haben, waren die Jungen die Besten. Haben wir verloren, waren die älteren Spieler schlecht. Wir haben uns manchmal alleine gefühlt. Gut, ein Profi muss Kritik ertragen, aber wir sind auch nur Menschen. Das hat es für alle schwer gemacht. Illy (Gündogan, d. Red.) oder Mike (Frantz) sind Superspieler, aber natürlich fehlt ihnen noch die Konstanz. Wenn du nur fünf Spieler in der Stammelf hast, die die Bundesliga kennen, und sechs ohne Erfahrung - dann wird es für alle sehr schwer.
Das ist jetzt - mit einigen erfahrenen Neuzugängen - anders?
Pinola: Ja. Ich freue mich sehr auf die neue Saison. Ich habe zwei nicht so gute Jahre hinter mir, ich fühlte mich körperlich nicht hundertprozentig fit ...
... und Sie wollten, so sah es aus, oft mit dem Kopf durch die Wand, den Abstieg von 2008 ganz alleine ganz vergessen machen.
Pinola: Da haben Sie recht. Ich wollte alles, ich bin gerannt, auch zu oft nach vorne. In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass ich die Balance wiederfinde, unsere Trainer haben mir geholfen. Jetzt fühle ich mich sehr gut. Im Urlaub hat es noch einmal klick gemacht in meinem Kopf: Ich fühle mich bereit, hundertprozentig.
Ihren Vertrag haben Sie um drei Jahre verlängert. Ihr Sohn Luciano ist bald ein richtiger Deutscher, oder?
Pinola: Nein, er bleibt schon Argentinier. Heute ist es der Plan, dass wir nach meiner Karriere zurück nach Hause gehen. Vielleicht ist es aber in ein paar Jahren anders. Die beiden Kinder werden Freunde haben hier, sie kommen in die Schule. Mal sehen. Luciano kann dann sicher viel besser Deutsch als sein Papa. Ich bringe ihn mit, wenn wir das nächste Interview machen: als Dolmetscher.
