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Herr Pinola, Sie haben einmal den Italiener Paolo Maldini als ein Vorbild genannt. Maldini hat noch mit vierzig Jahren gespielt - und ein Leben lang für Milan. Auch Sie sind weiter, trotz besserer Angebote, Nürnberger - was ist denn an Nürnberg so schön?
Pinola: An Nürnberg mag ich einfach alles. Meine Familie fühlt sich sehr wohl hier, wir haben inzwischen einen schönen Freundeskreis. Ich mag die Leute, die für den Verein arbeiten, meine Mitspieler sind auch meine Kumpels, Freunde - und es gibt schon so viele schöne Erinnerungen aus meinen fünf Jahren hier. Es ist meine zweite Heimat.
Ist es so: Auch ein Profifußballer braucht so etwas wie Heimat?
Pinola: Als ich jung war und aus Argentinien zu Atletico Madrid kam, habe ich viele Fehler gemacht. Ich kam zurück nach Argentinien, und es ist ganz schwer, dann noch einmal ein Angebot aus Europa zu bekommen. Als sich Nürnberg meldete, habe ich zu meiner Frau - damals war sie noch meine Freundin - gesagt: Das ist jetzt die ganz große Chance, die müssen wir nutzen. Ich musste ein bisschen Geduld haben, aber dann ist alles super gelaufen - den Abstieg 2008 natürlich ausgenommen.
Welche Fehler haben Sie denn gemacht als junger Spieler?
Pinola: Ich kam von einem kleinen argentinischen Verein nach Europa, das war eine ganz andere Welt. Ich war jung und noch nicht der Profi, der ich heute bin. Heute komme ich als einer der ersten zum Training und gehe als einer der letzten. Damals habe ich wohl gedacht, dass manchmal auch etwas weniger reicht, ich habe die große Chance für mich nicht so gesehen - und ich hatte Heimweh. Mein Kopf war in Argentinien, nur mein Körper war in Europa.
Gibt es Tage, an denen Sie noch immer richtig Heimweh haben?
Pinola: Ich werde das oft gefragt: Ob Spanien nicht besser für mich gewesen wäre, wegen der Sprache, wegen des Wetters. Aber ich fühle mich in Deutschland zu Hause - ohne dass ich jetzt genau sagen könnte, warum. Es gibt so viele Leute, die mir geholfen haben, ich habe mich nie - wie oft in Madrid - alleine gefühlt, ich habe von den Deutschen viel gelernt.
Man hatte immer den Eindruck, dass Ihnen das auch wichtig war.
Pinola: Wer ins Ausland kommt, muss sich für die Kultur interessieren und die Menschen verstehen. Das hatte ich während meiner Zeit in Spanien noch nicht so begriffen. Heute kann ich sagen: Deutschland ist ein Super-Land, und ich genieße es auch, mit der Familie mitten in Europa zu leben. Wien, Prag - wir lieben es, andere Städte kennenzulernen.
Dann wird es Zeit, mit Nürnberg wieder im Uefa-Cup zu spielen.
Pinola (lacht): Warum nicht? Natürlich gibt es nur ein Ziel: Jetzt in der Bundesliga zu bleiben. Aber ich setze für mich gerne höhere Ziele. Irgendwann will ich wieder um die Plätze neun bis zwölf mitspielen. Du machst dir auch Druck, wenn du immer nur an die hinteren Plätze denkst. Wir müssen jetzt einfach von Anfang an Gas geben und nie sagen: Ach, es sind ja noch 33, noch 32, noch 31 Spiele.
Als das Angebot damals kam: Wussten Sie überhaupt etwas anzufangen mit Nürnberg, mit dem Club?
Pinola: Ich interessiere mich schon immer unheimlich für Fußball. Als Kinder haben wir auf der Straße gespielt, da standen noch keine Autos im Weg. Das ging von elf Uhr früh bis acht Uhr abends, nur zum Essen sind wir nach Hause. Später haben wir schon auch einmal Nintendo gespielt, aber nie mehr als eine Stunde. Fußball war viel wichtiger, viel schöner. Abends habe ich dann Fußball im Fernsehen verfolgt: Argentinien, Südamerika, aber auch sehr gern Europa. So kannte ich den 1. FC Nürnberg, ich wusste, dass Zarate und Bustos dort gespielt haben. Sergio Zarate hat mir später einmal erzählt, dass es sein großer Fehler war, Nürnberg damals wieder verlassen zu haben.
Wie viele Kinder aus dieser Runde haben es denn zum Profi gebracht?
Pinola (lacht): Ich bin der einzige ... Es ist schwer, man muss Konstanz haben, man muss viele Dinge beiseite lassen. Mit 15, 16 Jahren sind meine Freunde in die Disco gegangen, ich bin daheim geblieben, um auszuschlafen. Meine Freunde konnten das nicht richtig verstehen, heute sagen sie: Du wolltest Profi werden, wir freuen uns mit dir, dass du es geschafft hast.
Sie haben noch Kontakt?
Pinola: Oh ja, das ist mir wichtig. Wir treffen uns zu Hause, wir essen zusammen, wir erzählen uns viel.
Und Sie kicken noch gemeinsam?
Pinola: Nein, das ist im Urlaub tabu. Das wissen meine Freunde.
