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In der Krise geht Hecking seinen eigenen Weg

Der Club-Trainer setzt auf harte Arbeit und nicht auf Wutreden - 12.10.2012 06:59 Uhr

NÜRNBERG  - In Krisenzeiten üben die Bundesliga-Trainer den Zusammenhalt: Auch Nürnbergs Dieter Hecking äußert Verständnis für die harschen Worte des Stuttgarter Kollegen Bruno Labbadia - und wirbt gleichzeitig um Vertrauen in die eigene Arbeit.

Nachdenklich, grübelnd: So sah man Club-Trainer Dieter Hecking in den vergangenen Wochen häufiger.
Nachdenklich, grübelnd: So sah man Club-Trainer Dieter Hecking in den vergangenen Wochen häufiger.
Foto: Sportfoto Zink
Nachdenklich, grübelnd: So sah man Club-Trainer Dieter Hecking in den vergangenen Wochen häufiger.
Nachdenklich, grübelnd: So sah man Club-Trainer Dieter Hecking in den vergangenen Wochen häufiger.
Foto: Sportfoto Zink

Armin Veh hat sich eine Woche freigenommen. Viel hätte er ja sowieso nicht zu tun gehabt: Auch bei Eintracht Frankfurt haben sie ein paar Nationalspieler, die derzeit auf Länderspielreise sind. Mit dem daheimgebliebenen Rest, dachte sich Veh offenbar, kommt auch der Co-Trainer zurecht. Also: Eine Woche Entspannung daheim im Allgäu für Veh. „Die Birne“, hat Veh gesagt, will er „freibekommen“.

Veh ist Trainer des Bundesliga-Zweiten, bei ihm sieht die Sache mit dem Freibekommen der Birne naturgemäß etwas fröhlicher aus als zum Beispiel beim, sagen wir: Bundesliga-15. Als Trainer des Überraschungs-Zweiten kann man mitten in der Saison auch mal eine Woche freinehmen, ohne dass man sich Volkes Zorn zuzieht. Beim Bundesliga-15. muss man andere Wege finden, weshalb sich Bruno Labbadias Versuch, die Birne in Stuttgart freizubekommen, nun auf drei Wörter reduzieren lässt: „Am Arsch geleckt“. Das hat Labbadia während einer Ansprache gesagt, die als Wutrede berühmt geworden ist.

Der Trainer des Bundesliga-14. hätte am Dienstag auch die Möglichkeit gehabt zu einer Wutrede. Dieter Hecking und dem 1. FC Nürnberg geht es derzeit nicht so gut, man steht zwar immer noch im Tabellen-Mittelfeld, aber der Trend verheißt nach vier Niederlagen in Serie nichts Gutes. So wie in Stuttgart Labbadia kritisiert wird, finden sich in Nürnberg genug Menschen, die Hecking Schuld an der Misere geben. „So ist das eben“, sagt er, „Kritik gibt es immer schneller als ein Lob.“ Auf eine Wutrede hatte er während der Jahreshauptversammlung dennoch keine Lust, stattdessen predigte er den Zusammenhalt in schweren Zeiten.

Er hat sich in dieser Sache womöglich am Montag ein wenig Inspiration geholt. In Frankfurt trafen sich da die Bundesligatrainer, um über gemeinsame Probleme zu sprechen. Am Ende einigte man sich darauf, die Sache mit Labbadia im Großen und Ganzen gut zu finden. „Wir müssen ein Zeichen setzen, dass wir nicht alles mit uns machen lassen“, sagt Hecking.

Ungemütlicher Herbst


Die Fußballtrainer üben die Solidarität, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Im Herbst, wenn es erfahrungsgemäß für die ersten von ihnen ungemütlich wird, weil das Tabellenbild nicht das verspricht, was man sich von der Saison erwartet hat, wollen sie zusammenstehen. „Es geht um den Umgang miteinander“, sagt Hecking über das Verhältnis zwischen kritischen Beobachtern und Trainern, das ein besseres werden soll. Sich selbst will er nicht ändern, trotz der schweren Zeiten. Der Trainer Dieter Hecking arbeitet in Zukunft so wie immer, sagt Hecking. „Was über zwei Jahre lang gut war, kann jetzt nicht auf einmal schlecht sein“, sagt er.

Darin, dass alles, was zu Saisonbeginn noch gut aussah, jetzt auf einmal kaum noch anzusehen ist, glaubt Hecking, liegt auch eine Chance: „Das sind die Aufgaben, die einen stark machen.“ Man sieht: Trainer müssen — egal, ob Wutredner, Kurzurlauber oder Stoiker — immer auch Optimisten sein. „Ich will vorangehen“, sagt Hecking noch. Vorher gibt es aber erst einmal ein freies Wochenende für alle. Bestenfalls haben sie danach alle wieder die Birne freibekommen beim 1.FC Nürnberg. 

VON FADI KEBLAWI


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