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Es ist wie bei der Oscar-Verleihung: Der Hauptdarsteller und der Filmemacher stehen im Scheinwerferlicht auf der Bühne des Kinos und genießen den Applaus. Die Menschen im voll besetzten Saal sind von dem Film „Tom Meets Zizou — Kein Sommermärchen“ begeistert, der zur Premiere des achten internationalen Filmfestivals „11mm“ im Berliner Kino Babylon gezeigt wurde. Es ist die einzigartige Langzeitstudie des Grimme-Preisträgers Aljoscha Pause, in dessen Mittelpunkt der frühere Bundesliga-Profi Thomas Broich steht.
Pause begleitete den früheren U21-Nationalspieler neun Jahre lang mit der Kamera vom oberbayrischen Burghausen über Mönchengladbach, Köln, Nürnberg bis ins australische Brisbane. Der Film ist kein Gradmesser für sportliche Erfolge oder Misserfolge. Er offenbart vielmehr einen tiefen und schonungslosen Blick hinter die Kulissen des Fußballgeschäfts, dessen Mechanismen Broich nicht akzeptiert und an denen er fast zerbricht.
„Im Fußball ist alles so aufgeblasen und die Egos so massiv. Je höher man kommt, desto gröber wird es“, kritisiert Broich, der den Film als Möglichkeit nutzte, laut über das Geschäft nachzudenken und das Verhalten seiner Protagonisten anzuprangern. Sein früherer Kölner Trainer Christoph Daum ist für ihn ein Selbstdarsteller. Dick Advocaat, der ihn in Gladbach trainierte, attestiert er Feldwebel-Allüren und Humorlosigkeit. Solche Äußerungen hätten in einem normalen Interview zur fristlosen Kündigung geführt. Vor der Kamera des Filmemachers Pause ist es wie eine Befreiung, sich offen äußern zu können.
„Die Bundesliga hat mich Bescheidenheit gelehrt“, sagte Broich einen Tag nach der Premiere im Aktuellen Sportstudio des ZDF. „Ich war nicht gemacht für die Bundesliga.“ Viele Leute habe die Bundesliga verdorben, weil dort nur das Geld zähle.
Und er gibt zu: „Ich habe damals Sachen gemacht, auf die ich heute nicht stolz sein kann.“ Auf die Frage, warum er ausgerechnet nach Australien ging, sagte er kurz: „Es war maximal weit weg.“ Broich liest gerne Dostojewski, spielt Klavier, gilt daher als außergewöhnlicher Profi. Auch deshalb hatte ihn Michael Oenning, der klavierspielende Trainer, nach Nürnberg geholt. Den Titel „Mozart mit der Kugel“ hatten ihm die Medien viel früher verpasst. In Nürnberg spielte er zu selten für einen Spitznamen.
Zu Beginn seiner Bundesliga-Karriere, als es im Jahr 2004 steil mit ihm bergauf geht und er als kommender Nationalspieler gilt, ist das kein Problem. Doch als der Erfolg ausbleibt, wird dieses Klischee negativ gegen ihn ausgelegt. Er beginnt sich zu isolieren, empfindet an seinem Beruf immer weniger Freude. Weil er sich dem Wesen des Profifußballs immer mehr verweigert, ist er zum Scheitern verurteilt. In Nürnberg glaubt er schließlich, nicht mehr Fußball spielen zu können. Der Gedanke an das Training lässt die Beine schwer werden. Er fühlte sich von den Erwartungen fremdgesteuert. „Fußball-Depression“ nennt er das. Um wieder Zugriff auf sein Leben zu erhalten, hilft nur die Flucht. 2010 wechselt er zu Brisbane Roar.
„Hier herrscht weniger Druck, der Fußball ist unaufgeregt, angenehm“, sagt Broich über seine neue Heimat. Das Kicken macht wieder Spaß, prompt kehrt der Erfolg zurück. Er wird Meister und zum zweitbesten Spieler der Liga gewählt.
Eine denkwürdige Begegnung mit Thomas Broich schildern wir in unserem Blog auf http://blog.nn-online.de/7blogger/

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12