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Werder Bremen: Das, sagte Dieter Hecking wiederholt, könne ein Vorbild sein für den 1.FC Nürnberg. Fußball-Tradition in wenig exponierter Lage, solide, verlässliche, kreative Arbeit – unter wirtschaftlichen Nachteilen zwar, aber mit der Perspektive, aus kleineren Verhältnissen Großes zu machen. Klaus Allofs als Sportchef, Thomas Schaaf als Trainer: Das war Werder, tatsächlich in gewisser Weise ein Musterbetrieb etwas abseits des Millionenspektakels Fußball-Bundesliga.
Es ist ein bisschen eine Ironie, dass dem spektakulären Wechsel von Allofs aus Bremen nach Wolfsburg der spektakuläre Wechsel des Trainers Hecking aus Nürnberg nach Wolfsburg folgt. Werder sucht jetzt einen Sportchef, Nürnberg einen Trainer – und beide Klubs haben und hatten ein Argument nicht: Die Millionen, die der Volkswagenkonzern in den VfL investiert.
Man beginnt in Bremen nicht bei null, in Nürnberg auch nicht – aber erfährt, wie Fußball funktioniert. Hecking hat Jahr für Jahr die besten Spieler verloren, weil die sportlichen und wirtschaftlichen Reize andernorts größer sind, jetzt verliert der Club aus demselben Grund seinen Trainer. Überraschend ist der Zeitpunkt, ansonsten folgt Hecking mit seinem Wechsel den Gesetzmäßigkeiten der Branche: Wer gute Arbeit leistet und damit auch noch Erfolg hat, darf sich verbessern – so, wie jeder Übungsleiter im Fall des Misserfolges dessen erstes Opfer ist.
Man muss das alles nicht romantisch sehen – auch wenn es zu den Stärken dieses Spiels gehört, dass es so emotional betrieben wird; wer Dieter Hecking jetzt zürnt, wird sich dafür nicht naiv nennen lassen müssen. Nur gehören solche Wechsel – ob mit oder ohne Ausstiegsklauseln – zum Geschäft. Dass dem 1.FC Nürnberg ein Trainer wegen Erfolgs verlustig geht (und eine Ablöse einbringt statt eine Abfindung kostet), ist dabei immerhin einigermaßen neu; ähnlich gelagert war, noch im alten Jahrhundert, nur der Fall Felix Magath, der sich mit dem Verein überwarf, weil er zu früh zu viel wollte – an Magaths wirtschaftlichen Vorstellungen vom Aufbau einer Bundesligamannschaft hätte sich der erst ein Jahr zuvor aus der Drittklassigkeit zurückgekehrte Verein überhoben. Der Trainer durfte sie beim FC Bayern, in Schalke und in Wolfs-
burg umsetzen, mit wechselndem Erfolg.
Hecking hat sich nie beklagt, im Einverständnis, für kleine Fortschritte viel Sisyphos-Arbeit verrichten zu müssen, hat er den Club sehr erfolgreich auf einem Weg begleitet, der mit seinem Abschied nicht endet. Wo er hinführt, bleibt so ungewiss wie immer – aber die Voraussetzungen, als Verein weiter zu wachsen, sind zwar wesentlich, indes nicht ausschließlich von der Person des Trainers abhängig. Schon Hecking hat in Nürnberg unter strukturellen Voraussetzungen gearbeitet, von denen Magath damals nicht einmal zu träumen gewagt hätte; unter der Regie des Sportvorstands Martin Bader ist der Club – jahrzehntelang überwiegend als Chaos- und Pleite-Verein wahrgenommen – seinem Ziel, sich in der Bundesliga zu etablieren, näher gekommen.
Sich zu verbessern, war nun Dieter Heckings Wunsch; es bleibt – auch ohne Hecking – das Ziel des 1.FC Nürnberg. Dass es funktionieren kann, hat man gemeinsam gezeigt, welche Rückstände noch aufzuholen sind, sieht man am Verlust des Cheftrainers auch, und wie anfällig jedes wie auch immer geartete Bemühen ist, verrät der Blick nach Wolfsburg genauso.
Streng genommen steigt Dieter Hecking erst einmal ab: In der Tabelle liegt der hundertmal reichere und zehnmal ambitioniertere VfL hinter Nürnberg. Der VW-Klub will trotz all seiner Millionen jetzt ein wenig wie der 1.FC Nürnberg werden – auch eine hübsche kleine Ironie. Und ein Kompliment für beide. Für Dieter Hecking und seinen (Ex-)Club.

