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Eishockey-Spieler behaupten gerne, dass sie in dem Moment, in dem sie über die Bande springen, alles ausblenden. Dass sie alles um sich herum vergessen, dass sie nichts mehr hören, nichts mehr sehen außer dem Puck und dem nächsten Gegner, den sie in die Bande checken können. Patrick Reimer behauptete das nicht. Natürlich habe er gehört, dass die Fans der DEG ihn feierten. Wahrscheinlich hat er sogar schmunzeln müssen, als er nach 14 Minuten zum Bully vor den Gästeblock fuhr und 400 Düsseldorfer sangen: „Patrick, die sind zu schlecht für Dich.“
3:0 führte zu diesem Zeitpunkt die Düsseldorfer EG, an allen drei Toren war Patrick Reimer beteiligt, zwei hatte er direkt vorbereitet, eines selbst geschossen. „Die“ Ice Tigers schienen für Reimer tatsächlich nicht gut genug zu sein. Reimer war zu flink für seine künftige Mannschaft, gedanklich und körperlich, er war immer einen Schlittschuhschritt schneller und er überall auf dem Eis zu finden. „Das war natürlich eine besondere Situation“, das wollte Reimer später „gar nicht abstreiten“: die neuen Fans beeindrucken, die alten Fans besänftigen. Reimer gelang beides. „Es war ein schönes Gefühl, zu sehen, dass die Fans meine Entscheidung respektieren, dass sie mich verstehen.“
Patrick Reimer konnte offen „über seine neue Herausforderung“ sprechen, sein Wechsel wurde ebenso wie der des jungen Verteidigers Marco Nowak bereits bestätigt. Jeff Tomlinson, Connor James und Evan Kaufmann konnten das noch nicht. Tomlinson gilt schon lange als möglicher Nachfolger des in Nürnberg bislang eifrigen, aber glücklosen Peter Draisaitl. Am vergangenen Montag hatte sich der 41 Jahre junge DEG-Coach mit Ice Tigers-Manager Lorenz Funk in Nürnberg getroffen, ein gutes Gespräch sei das gewesen – mehr wollte der sonst so eloquente Deutschkanadier auch diesmal nicht sagen. Und die Stürmer James und Kaufmann antworteten auf die selben Fragen, als hätten sie sich noch kurz zuvor in der Kabine abgesprochen. „Ich werde Düsseldorf verlassen. Aber ich werde es meinem neuen Verein überlassen, den Wechsel bekannt zu geben.“ Kaufmann sagte immerhin noch: „Vielleicht passiert das schon nächste Woche.“ Connor sagte: „Wir sehen uns.“ Aber das sagen sie ja alle zum Abschied. Das spekulative Spielchen wird noch ein bisschen weitergehen.
Das tatsächliche Spielchen entwickelte nach dem einseitigen Auftaktdrittel noch einen ungeahnten Reiz. Der dreimal ziemlich alleine gelassene Patrick Ehelechner durfte Tyler Moss weichen, Vitalij Aab und Dusan Frosch, die nicht ganz schuldlos daran waren, dass Ehelechner alleine gelassen wurde, mussten auf der Bank sitzen bleiben. Mag sein, dass sich so mancher Nürnberger mit dem vorletzten Platz zufrieden gibt, Draisaitl zählt sicher nicht dazu. „Wenn du schon die Qualität nicht hast“, analysierte Draisaitl trocken, „dann musst du wenigstens dafür sorgen, dass es dem Gegner weh tut. Von solchen Spielern haben wir zu wenige. Es ist traurig, dass einige nicht alles geben.“
Klare Worte, klare Taten, die sich auswirken sollten. „Die“ waren noch immer nicht so gut wie Reimer, aber sie spreizten sich ab dem zweiten Drittel in jedem Zweikampf und entwickelten über den Kampf eine erstaunliche Spielfreude. Adrian Grygiels 1:3 (28.) bereitete Alexander Oblinger mit einer Ablage geschickt vor. Das 2:3 erzielte er per Nachschuss selbst (42.). Für ein gelungenes Comeback aber fehlte es den Ice Tigers tatsächlich an Qualität. Neben dem langzeitverletzten Eric Chouinard (Schulter) fehlten erneut Yan Stastny (Leiste) und kurzfristig auch Chris Collins (private Gründe) und damit die drei gefährlichsten Nürnberger Angreifer.
Und weil der gefährlichste Angreifer auf dem Eis erst ab August für Nürnberg spielberechtigt ist, verloren die Ice Tigers auch ihr drittes Heimspiel in Folge. Reimer versprach Besserung: „Ich war noch nie Deutscher Meister. Klar, dass das bei meiner Entscheidung eine Rolle gespielt hat.“
Nürnberg: Ehelechner (21. Moss); Leask/Pollock, Butenschön/Kemp, Walter/Traynor – Bayda/Joseph/B.Leeb, Aab/Barta/Frosch, Oblinger/G. Leeb/Grygiel, Schüle/Fischhaber/Ehliz. – Tore: 0:1 Dinger (5:05), 0:2 P. Reimer (11:07), 0:3 Kreutzer (14:18), 1:3 Grygiel (27:08), 2:3 Oblinger (41:37). – Schiedsrichter: Brill – Zuschauer: 4729. – Strafminuten: 6 – 4.

Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Do. 10.05.12
Mi. 09.05.12
Mo. 07.05.12