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Wäre er Usain Bolt, sagte Raphael Schäfer, als alles vorüber war, dann, aber nur dann hätte er wahrscheinlich auch die Führung des Hamburger Sportvereins verhindern können. Weil Schäfer aber nicht der schnellste Mann der Welt ist, schaffte er es in der 70. Minute nicht mehr vom einen zum anderen Pfosten seines Tores. Er schaffte es nicht mehr dorthin, wo Artjoms Rudnevs nur leidlich bewacht von Javier Pinola stand und den Ball über die Linie nickte.
Raphael Schäfer ist später dann, weil er einfach nur Raphael Schäfer war, mit seinen Paraden trotzdem zur spielentscheidenden Figur geworden in einer Nürnberger Mannschaft, die sich mit einem 1:1 gegen Hamburg aus der Winterpause zurückgemeldet hatte, die aber nicht mehr allzu viel zu tun hatte mit jener, die sich mit einem 1:1 in Bremen in die Winterpause verabschiedet hatte. Der Trainer war neu, natürlich. Michael Wiesinger nutzte seine erste Bundesliga-Partie als Verantwortlicher an der Seitenlinie aber auch, dem staunenden Publikum vorzuführen, wie Nürnberger Bundesligamannschaften auch aussehen können.
Manche Rochade erklärte sich von selbst. Markus Feulner etwa, in der Vorbereitung noch der auffälligste Nürnberger, saß nur auf der Bank, hatte einen Großteil der Woche vor dem Spiel aber auch erkältet im Bett gelegen. „Man muss auch an die kommenden Wochen denken“, erklärte Wiesinger, warum er Feulner zunächst geschont hatte.
An Feulners Stelle durfte sich Timo Gebhart in der Zentrale einer offensiven Mittelfeld-Dreierreihe versuchen. An seiner Seite standen die größten Überraschungen des Nachmittags: Robert Mak und Alexander Esswein („Sie haben den nächsten Schritt gemacht“, Wiesinger), in der Vorrunde meist nur deshalb aufgefallen, weil Dieter Hecking an ihnen zu verzweifeln schien, durften eine Talentprobe abgeben. „Die Trainingswoche“, sagte Wiesinger, hätten die beiden genutzt, um sich anzubieten. Esswein und Mak als Mitarbeiter der Woche? Wer stark trainiert, darf spielen — Wiesinger wollte nichts Überraschendes in seiner Personalwahl erkennen.
Schon vor dem Abflug ins Trainingslager in Spanien hatte Wiesinger beobachtet, dass es die Nebendarsteller der Vorrunde sind, die sich nach dem Trainerwechsel besonders anstrengen. Gegen Hamburg hatte es mit Almog Cohen noch ein Dritter in die Startformation geschafft, mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte.
Cohen spielte im defensiven Mittelfeld an der Seite von Hanno Balitsch, weil Timmy Simons an anderer Stelle gebraucht wurde. Der Belgier gab den Innenverteidiger, weil sich Per Nilsson am Vormittag krank gemeldet hatte. Da auch noch Tomas Pekhart anstelle von Sebastian Polter im Sturmzentrum begann, war doch erstaunlich viel anders beim 1. FC Nürnberg. Zumal Wiesinger ja eigentlich angekündigt hatte, zunächst auf das heckingsche Personalgerüst setzen zu wollen.
„Wir brauchen diesen Konkurrenzkampf“, sagte Wiesinger, der zumindest in Hanno Balitsch einen hatte, der Verständnis zeigte für eine Aufstellung, von der auch die Spieler erst in der Sitzung am Sonntagnachmittag erfahren hatten. „Wir sind in dieser Saison in der Breite besser aufgestellt“, sagte Balitsch, „es zeichnet uns aus, dass es dann auch einmal Härtefälle gibt.“
Ein Härtefall, der offensichtlich nicht damit gerechnet hatte, zum Härtefall zu werden, war Hiroshi Kiyotake. Nürnbergs talentierteste Offensivkraft saß ebenfalls nur auf der Bank und konnte sich das alles nicht erklären. Ein Gespräch mit Wiesinger, sagte Kiyotake später den ebenfalls erstaunten Journalisten aus Japan, hätte es nicht gegeben. Natürlich, sagte Wiesinger, habe man darüber gesprochen. „Von ihm kam im Training zu wenig“, sagte Wiesinger, „er hat nachgelassen, das hat mir nicht gefallen.“ Hiroshi Kiyotake, so durfte man Wiesinger wohl verstehen, war in der Vorbereitung einfach zu selten Hiroshi Kiyotake.
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
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Di. 21.05.13
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