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Wie klein der Spielplatz Profifußball noch nach der Einführung der Bundesliga war, belegt eine inzwischen verbürgte Anekdote. Weder gab es Privatfernsehen noch war die Welt vernetzt, als der ruhmreiche 1.FC Köln ein angeblich großes Talent aus Belgrad zum Probetraining einlud. Srdan Cebinac machte, im Sommer 1965, tatsächlich einen hinreißenden Eindruck – glaubte man jedenfalls und legte ihm einen Profivertrag vor.
Es wurde tatsächlich auch eine große Karriere – für diesen im Probetraining so auffälligen Stürmer, allerdings hatte der 1.FC Köln rein gar nichts davon. Denn vorgespielt hatte nicht Srdan, sondern dessen Zwillingsbruder Zvezdan Cebinac, damals noch im holländischen Eindhoven unter Vertrag. Es ist die bis heute schönste Verwechslungskomödie im deutschen Fußball, und während Srdan nur drei Bundesligaspiele für Köln absolvierte, startete Zvezdan eine Laufbahn, für die er in Nürnberg unvergessen bleiben wird – jetzt, da er im Alter von 72 Jahren in seinem Haus in Suhr im Aargau gestorben ist, offenbar völlig unerwartet.
Im Sommer 1967 kam Cebinac, der in Jugoslawien ein paar Semester Rechtswissenschaften studiert hatte, ehe er Fußballprofi werden konnte, von der PSV Eindhoven nach Nürnberg – und man erahnte, was man sich später, im multimedialen Zeitalter, unter einem Fußballstar würde vorstellen können. „Cebi“, sagt Horst Leupold heute, „war immer etwas extravagant, sehr eigen und voller Ideen.“
Der rechte Verteidiger Leupold und Rechtsaußen Cebinac verstanden sich auch außerhalb des Platzes prächtig, und gemeinsam entwickelten sie eine für den deutschen Fußball beinahe revolutionäre Spielidee: ein Wechselspiel zwischen Stürmer und Verteidiger auf der rechten Seite, wie man es bis dahin noch nicht gesehen hatte. „Cebi war ein Tüftler“, sagt Leupold, und gemeinsam tüftelten beide aus, was die Gegner dann regelmäßig verblüffte – am Ende der Saison stand 1968 der neunte und bisher letzte Meistertitel für Nürnberg. „Den schönsten Tag in meinem Leben“ nannte Zvezdan Cebinac, der von seiner Freude an der Schönheit dieses Spiels schwärmen konnte, noch Jahrzehnte später jenen 2. Dezember 1967, an dem das legendäre 7:3 gegen den FC Bayern München gelang. „Begnadet“ sei Cebinac gewesen, sagt Leupold, „er war pfeilschnell und schlug unglaubliche Flanken.“
Wie traurig die Geschichte endete, weiß in Nürnberg noch heute jedes Kind. Das ungeahnte Meisterglück führte jäh in den ersten Abstieg, und Cebinac, der professionell lebte und weder rauchte noch Alkohol trank, bereicherte die besondere Geschichte um ein paar besondere Episoden. Die Idee, unter der Woche nur noch alleine mit einem Leichtathletik-Trainer zu arbeiten, gehörte dazu. Bei heftigen Minusgraden übte er demonstrativ in kurzen Hosen, „und wenn wir alle rote Trainingsanzüge trugen, bestand Cebi auf einem blauen“, erzählt Horst Leupold.
„Essen alle Wurst, will er Käse“, echauffierte sich Meistertrainer Max Merkel damals, der Zvezdan Cebinac, inzwischen Besitzer eines Spezialitäten-Restaurants in der Ludwigstraße geworden, den „König von Nürnberg“ nannte – mit erkennbar lästerlichem Unterton. Als „Eselstreiber und Schaschlikbrater“, beklagte sich der sensible Cebinac später, habe ihn der Wiener Zuchtmeister Merkel auch geschmäht. Als der Club unter Merkels (toll)kühnem Plan, das Meisterteam völlig umzubauen, zusammengebrochen war, wechselte der jugoslawische Nationalspieler für zwei Jahre zu Hannover 96, ehe die Karriere in der Schweiz ausklang.
Der Traum des Tüftlers, als Trainer das geliebte Spiel zu reformieren, erfüllte sich nur bedingt. Beim FC Wohlen entdeckte Cebinac den späteren Weltstar Ciriaco Sforza und feierte mit dem Provinzverein aus dem Aargau ein paar erstaunliche Erfolge, auf die große Bühne schaffte er es nicht mehr. Und den 1.FC Nürnberg hatte er bald aus dem Blick verloren. Zur Hundert-Jahr-Feier war Cebinac vor zwölf Jahren angemeldet, angeblich ist er auch gesehen worden – aber zu den Treffen der Alt-Achtundsechziger kam er nie. „Sie werden es kaum glauben“, sagt Horst Leupold, „aber ich habe in 43 Jahren nie wieder etwas von Cebi gehört.“

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