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Dies ist nicht vergessen: „Ich bin vom Totenbett aufgestanden. Ich wäre verrückt, mich zu dopen.“ Oder: „Das war nicht Hollywood. Meine Story ist fantastisch, aber wahr. Ich habe ein reines Gewissen.“
Man könnte den Platz dieser Kolumne mühelos mit all den selbstgerechten, oft auch aggressiven Zitaten füllen, die Lance Armstrong im Laufe seiner wahrlich unglaublichen Radsport-Karriere zur Unterstreichung seiner angeblichen Ehrlichkeit zum Besten gegeben hat. Aber ganz ehrlich: Es wäre den Platz nicht wert. Denn längst steht doch fest, dass der vermeintliche Jahrhundert-Sportler Armstrong vor allem ein Jahrhundert-Betrüger war.
Dennoch kann es zum jetzigen Zeitpunkt hilfreich sein, sich noch einmal einen kleinen Teil seiner dreisten Lügen ins Gedächtnis zu rufen. Warum? Um sich zu erinnern, dass dieser Lance Armstrong in den knapp zehn Jahren, in denen er den Radsport beherrschte wie ein Despot, in einem Maße kaltschnäuzig war, das einen erschaudern lässt. Er hat seine Krebserkrankung, die Heilung davon und die auf dieser Basis errichtete Krebsstiftung vor sich hergetragen wie eine Monstranz. Sie hat ihn geschützt und die Kritiker lange mundtot gemacht.
Nun aber, da das Denkmal eingestürzt ist, muss man sich nach der Fernsehbeichte vor allem zwei Fragen stellen: Warum tut er das und was nützt es ihm? Denn dass gerade er plötzlich vom Wunsch nach einer inneren Katharsis beseelt ist, glaube, wer mag. Nein, Armstrong handelt aus Berechnung, zumal hat er mit seiner Dopingbeichte auch juristisch einiges riskiert. Bis auf weiteres hält er zumindest die Spannung aufrecht, wie sein nächster Schachzug aussieht. Sollte er dabei die ihn jahrelang deckenden Funktionäre der UCI mit in den Abgrund reißen, hätte er am Ende seiner quälend langen „Story“ sogar noch etwas Gutes getan.

