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„Lasst Rugby in Deutschland wachsen und wachsen“

Bei der deutschen Hochschulmeisterschaft in Erlenstegen spielen und feiern 48 Teams erstklassig - 09.07.2012 10:56 Uhr

So kann man das natürlich auch machen bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rugby: Die Frauschaft der Universität Bonn schreit sich ins Finale.

So kann man das natürlich auch machen bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Rugby: Die Frauschaft der Universität Bonn schreit sich ins Finale. © Wolfgang Zink


Der liegengebliebene Müll auf dem Zeltplatz ist kaum noch zu zählen. Ein junger Mann hat seine liebe Mühe damit, einen mit Bierdosen gefüllten gelben Sack mit einem Knoten zu verschließen, sein Kumpel uriniert gemütlich auf freier Fläche. Dass er dabei von ein paar jungen Mädchen beobachtet wird, scheint ihn nicht zu stören. Hinter dem Gelände steht schon ein Krankenwagen bereit, die Sanitäter befinden sich im Dauereinsatz. Es passt einfach alles zusammen. Ist schon wieder Rock im Park? Und wenn ja, wurde das Festival auf das Gelände des TSV Erlenstegen verlegt? Nein. Im Krankenwagen werden lediglich die zahlreichen Knochenbrüche versorgt, Müll, gelbe Säcke und Wildpinkler sind lediglich Nebeneffekte, die über 600 Studenten eben so mit sich bringen. Vordergründig wird hier Rugby gespielt – und wie.

Rugger auf Platz 29

Insgesamt traten am Samstag und Sonntag 48 Mannschaften gegeneinander an, um bei den Männern und Frauen jeweils den neuen deutschen Hochschulmeister zu kühren. Gespielt wurde an beiden Tagen ab neun Uhr morgens, der erste Turniertag dauerte über zwölf Stunden. Das zehrt an Körper und Geist, was Lars Hinrich, Kapitän der Wettkampfgemeinschaft Berlin, mit am besten weiß: „Am Abend tut einfach alles weh.“

Von den Schmerzen darf sich Hinrich aber nicht beeindrucken lassen, schließlich hat sich seine Mannschaft nicht weniger als die Titelverteidigung vorgenommen. Härtester Gegner im letzten Jahr war die WG Potsdam, das spannende Finale entschied Berlin praktisch in der letzten Sekunde noch für sich.

Da muss man als Zuschauer kein Hellseher sein, um diese beiden Mannschaften auch in diesem Jahr als Favoriten zu nennen. Dass die Nürnberger Vertretung, eine Mischung aus Hochschulangehörigen der Georg-Simon-Ohm Hochschule und der Friedrich-Alexander-Universität, keine große Rolle spielen würde, war ebenfalls abzusehen. „Die Mannschaft hat kaum zusammen trainiert“, sagt Lars Fischer, einer der Organisatoren der DHM. So belegten die Nürnberger Rugger den 29. Platz bei den Männern, ein Frauenteam wurde nicht gestellt. Als die Heimmannschaft schon am Sonntagmorgen ihr letztes Spiel bestreitet, fängt das Turnier gerade erst richtig an.

Die Stahltribüne, die extra für Ehrengäste aufgebaut wurde, ist den ganzen Tag fast voll besetzt. Die Zuschauer können sich gar nicht satt sehen, an den zahlreichen Tacklings und Free Kicks. Alexander Michl, der sich selbst als Multifunktionär bezeichnet, hat viele Aufgaben. Etwa die Ehrengästen mit dem Regelwerk vertraut machen, Spielstände durchsagen, Mannschaften vorstellen – oder Rugbynachwuchs anheuern. „Du siehst wie jemand aus, der bestimmt gerne Rugby spielen würde“, ruft er einem Jungen zu, der nicht älter als zwölf Jahre ist. Der Junge reagiert verhalten, seine Mutter ist da wesentlich enthusiastischer: „Es ist ein Hammer, was einem hier geboten wird.“ Die anderen Ehrengäste, von denen viele zum ersten Mal ein Rugbyspiel sehen, sind ähnlich begeistert.

Legendäre Party

Im Finale der Männer erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Wie im Vorjahr stehen sich die Wettkampfgemeinschaften aus Berlin und Potsdam gegenüber. Man erwartet nicht weniger als eine Neuauflage des hochdramatischen Endspiels aus dem Vorjahr – was es aber nicht wurde. Berlin dominierte von Anfang an das Geschehen, lag schon uneinholbar vorn, als plötzlich ein Flitzer das Spielfeld betrat. Da muss doch jemand einschreiten, sowas gehört sich doch nicht. Oder doch? „Das ist britische Tradition“, lacht Michl und hat Recht: Der Flitzer führte lediglich einen „Zulu Warrior“ auf, einen Siegestanz, der traditionell nackt gezeigt wird. Somit freute sich der Tänzer lediglich ein bisschen verfrüht über den deutlichen Sieg (48:10) der Berliner.

Auch Robin Stalker, Schirmherr des Turniers und Finanzvorstand bei adidas, freute sich. Darüber, dass der Rugbysport fernab Stalkers Heimat Neuseeland an Bedeutung gewinnt: „Letztes Jahr war ich schon beeindruckt, jetzt bin ich super beeindruckt. Was für eine Steigerung! Erzählen Sie Ihren Bekannten davon, was Sie heute erlebt haben. Lassen Sie Rugby in Deutschland wachsen und wachsen!“ Dass die zahlreichen Zuschauer neben Stalkers Lieblingssport auch ein kleines Rock im Park erlebt haben, stört Stalker nicht, denn: „Die Party hier ist jetzt schon legendär.“
  

Von Marcel Staudt

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