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Im vergangenen Herbst kandidierte er für den Aufsichtsrat des 1.FC Nürnberg — weil man ihn dazu gedrängt hatte; es gibt ja wenige ehemalige Fußballer, die so für ihren Verein stehen wie Horst Leupold. Gewählt wurde er aber nicht. Zu Recht, wie Leupold sagt, sein Auftritt sei nicht gut gewesen. Es gab, wie immer bei solchen Wahlen, viele Kandidaten mit guten Absichten, genauso die von Geltungsdrang getragenen Selbstdarsteller. Ein wenig eingeschüchtert, erzählte Leupold später im privaten Gespräch, fühlte er sich an jenem Abend vom verbalen Imponiergehabe. Er habe da nicht mithalten können — man darf sicher sein, dass er das auch gar nicht wollte.
Horst Leupold — ein im Auftreten bescheidener, verlässlicher und sehr herzlicher Mensch — stammt aus einer Generation, für die Fußball noch nicht zum Showgeschäft gehörte. Dabei hätte er alle Anlagen zum Star gehabt. Leupold war ein attraktiver junger Mann, als die Bundesliga 1963 den Spielbetrieb aufnahm, und er avancierte zum modernen Außenverteidiger, als dieser Begriff noch gar nicht erfunden war. Gemeinsam mit Rechtsaußen Zvezdan Cebinac kreierte Leupold eine Form des Flügelspiels, die zu einem Markenzeichen der letzten ganz großen Nürnberger Fußball-Ära wurde — gekrönt mit dem Meistertitel von 1968. Horst Leupold, Kampfname Leo, stand in allen 34 Saisonspielen von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz.
Es war der Höhepunkt einer Karriere, die im Wortsinn klammheimlich begonnen hatte. An seinem zehnten Geburtstag machte sich Horst Leupold im Tiefschnee auf zum Zabo und meldete sich beim 1.FC Nürnberg an — ohne, dass seine Eltern davon etwas wussten. Die guten Sonntagsschuhe waren nach dem ersten Training am selben Tag ruiniert, und zum Debüt in der siebten Schülermannschaft erlebte der Bub aus der Südstadt ein 0:20 gegen Zabo Eintracht. Zum Trost kaufte ihm der Vater, Bundesbahnbeamter ohne rechten Bezug zum Fußball, die ersten Kickerstiefel: braun mit gelben Schnürsenkeln, wie sich Leupold bis heute erinnert.
Für siebzehn Jahre sollte das 0:20 die größte Niederlage bleiben — ehe man Horst Leupold ein einziges Mal wegen des Fußballs weinen sah. Ein Jahr nach der Meisterfeier stieg Nürnberg nach einem 0:3 in Köln ab; das Schwarzweißfoto eines tränenüberströmten, vor Verzweiflung zitternden Leupold wurde zum Zeitdokument. Sein 167. Bundesligaspiel blieb das letzte für Leupold, der mit 21 Jahren noch neben Nürnbergs Weltmeister Max Morlock spielte — und, vor 110000 Zuschauern im Bernabeu-Stadion, gegen Atletico Madrid den Einzug ins Finale des Europacups der Pokalsieger nur um ein Tor verpasste. Im europäischen Meisterwettbewerb endete Leupolds internationale Karriere im Herbst 1968 gegen Ajax Amsterdam mit dem aufstrebenden Jahrhundertspieler Johan Cruyff.
Seinem Verein blieb der gelernte Technische Zeichner, der bis vor wenigen Jahren einen Schreibwarenladen mit Lotto-Toto-Annahmestelle in der Nürnberger Südstadt führte, auch nach dem legendären Abstieg treu. Der Club, sagt Leupold, glücklich verheiratet, Vater zweier Töchter und stolzer Opa, sei immer so etwas wie eine zweite Familie gewesen. Am Montag, wenn Horst Leupold seinen siebzigsten Geburtstag feiert, gehört er seit sechzig Jahren dazu. „Und die schönen Erinnerungen“, sagt er, „überwiegen bei weitem.“

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Mi. 23.05.12
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Do. 03.05.12