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Mal im Rausch, mal im Blues

Die alltägliche Medaillensucht - 08.08.2012

Gold? Silber? Bronze? Blech? Man könnte glauben, dass auch bei diesen Olympischen Spielen ausschließlich der Medaillenspiegel zähle.

Nach einem mauen Beginn ist der deutsche Medaillen-Express in London Mitte vergangener Woche ja so richtig in Schwung gekommen. Die Buschreiter bliesen zur Jagd, junge, aber recht unbekannte Männer paddelten im schäumenden Wildwasser zu Erfolgen und selbst auf der Radbahn gab’s Gold – ehrlicherweise aber nur, weil die jeweiligen Gegnerinnen des deutschen Sprint-Duos zurückgestuft worden sind.


Olympiasieger: Sebastian Brendel ist am Ziel seiner Träume.
Olympiasieger: Sebastian Brendel ist am Ziel seiner Träume.
Foto: Rainer Jensen (dpa)
Olympiasieger: Sebastian Brendel ist am Ziel seiner Träume.
Olympiasieger: Sebastian Brendel ist am Ziel seiner Träume.
Foto: Rainer Jensen (dpa)

Egal. Die deutsche olympische Welt war in Ordnung, so konnte, so musste es weitergehen. Ging es aber nicht. Übers Wochenende dann schon wieder der Katzenjammer. Nur zwei Medaillen. Selbst weniger olympianahe Kollegen, die sich nur für Fußball interessieren, gingen mit Leidensmiene durchs Haus. „Wir sind so schlecht“, klagten sie und suchten heimlich die Schuld bei der Sportredaktion, weil die Medaillenquelle einfach nicht mehr so sprudeln wollte, wie man das als Steuerzahler erwarten darf.

Aber auch solch ein Blues geht vorbei. Am Dienstag hellte sich der düstere Medaillenspiegel auf. Viermal Silber für „unsere“ Turner, Reiter und Radfahrer, bevor am Abend dann „unser“ Diskus-Riese seinen Arm vergoldete. Das tat gut. Klar, China, die Amis und die Briten werden wir nicht mehr einholen. Aber erheiternd kann auch sein, wen man hinter sich lässt. Nein, nein. Wir denken hier nicht an Griechenland oder Aserbeidschan. Aber aufgemerkt: Spanien hat gestern, am elften Wettkampftag, seine erste Goldmedaille gewonnen, im Windsurfen – pfffff. Und Österreich gibt’s im Medaillenspiegel noch gar nicht, weil sie nämlich, na servus, völlig blank sind. Ach, geht’s uns gut! Und wenn wir morgen wieder jammern sollten, dann auf hohem Niveau.

  

THOMAS SCHARRER


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