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Hinreißend die Ballführung von Lionel Messi, atemberaubend, mit welch sicherem Überblick er wartete, bis Xavi Hernandez in die Lücke gestoßen war, grandios das Zuspiel – und Xavi, wie er den Torwart umkurvt und genial abschließt. So etwas sieht man nur beim FC Barcelona – oder, am Freitagabend, in Mönchengladbach. Messi hieß Marco Reus, den Xavi gab Patrick Herrmann; das Tor der Borussia zum 3:0 gegen den FC Bayern München war wie dieses ganze Spiel ein Ereignis.
Messi, Xavi, Reus, Herrmann: Der Vergleich ist natürlich so tollkühn wie strengstens verboten, aber es bleibt weiterhin fast unmöglich, diese Mönchengladbacher so nüchtern zu betrachten, wie es ihrem Trainer gelingt. Kaum hatte man – ob des angekündigten 17-Millionen-Euro-Transfers von Reus nach Dortmund im Sommer – über eine lange Winterpause hinweg den bevorstehenden Untergang der Überraschungsmannschaft von Lucien Favre herbeiorakelt, schon beginnt der Frühling im Borussia-Park, und den nächsten so tollkühnen wie strengstens verbotenen Vergleich zog jeder, der die Fußball-Demonstration gegen den Spitzenreiter aus München gesehen hatte.
Einen neuen Reus muss die Borussia gar nicht lange suchen, sie hat ihn schon: Der zwanzig Jahre alte Patrick Herrmann, einer der erstaunlich vielen guten jungen Fußballer aus dem Saarland, Borusse seit der A-Jugend, aber erst seit gut drei Monaten Bundesliga-Stammspieler, führte vor, wie viel Talent in dieser Mannschaft aufblüht – und zeigte damit nebenher auch, wie tollkühn, strengstens verboten und vor allem unsinnig all diese Vergleiche tatsächlich sind. Denn Borussia Mönchengladbach ist in der Spielzeit 2011/12 kein von jungen Helden getragenes Team, sondern eher das Gegenteil davon: eine derzeit beinahe perfekt organisierte Mannschaft, der die herausragenden Individualisten ihre genialen Momente verdanken.
Der Bundestrainer sah im Borussia-Park mit dem erst in Fachkreisen bekannten Tony Jantschke aus Hoyerswerda einen Rechtsverteidiger, der dabei ist, sich für eine nationale Problemzone zu empfehlen; mit Kapitän Filip Daems auf der anderen Seite sowie den Innenverteidigern Martin Stranzl und Dante (am Freitag problemlos vertreten von Roel Brouwers) steht eine Viererkette, deren präzise Spieleröffnung sie zum ersten Fixpunkt des Offensivspiels macht. Vorne ist Reus der erste Verteidiger, im defensiven Mittelfeld sah Bayerns Nationalspieler Bastian Schweinsteiger aschfahl aus im Vergleich mit den Borussen Havard Nordtveit und Roman Neustädter.
Borussia Mönchengladbach, vor genau einem Jahr Tabellenletzter mit 13 Punkten, liegt mit 36 Punkten jetzt einen Zähler hinter dem FC Bayern; wieder ist eine defensiv überragende Borussia die Sensation der Saison – aber den Vergleich mit Dortmund spart man sich besser auch. Borussia Mönchengladbach ist Borussia Mönchengladbach – das ist grandios genug.
