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Flughafen Antalya. Mike Büskens hat sich nach dem Trainingslager im türkischen Belek mit Journalisten an einen Tisch gesetzt, zu einer Art Bilanzgespräch. Wie alle anderen aus dem Fürther Tross trägt der Trainer bei der Rückreise seine Ausgehmontur. Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte. Am Revers prangt als Anstecker das Logo der Spielvereinigung Greuther Fürth. Wie lange noch?
Büskens ist seit zwanzig Jahren im Geschäft. Er muss gewusst haben, dass diese Frage am Ende des Aufenthalts in Belek kommen würde. In der Winterpause werden häufig Verträge verlängert. Kürzlich hat der Tabellenzweite der Zweiten Fußball-Bundesliga die Arbeitspapiere von Milorad Pekovic und Thomas Kleine vorzeitig fortgeschrieben und Sercan Sararer per einseitiger Option eine weitere Saison an sich gebunden. Die Zukunft des Trainers bleibt dagegen ungewiss. Warum? Büskens überlegt nur kurz, dann sagt er betont unaufgeregt: „Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht.“
Der einstige Schalker Publikumsliebling hat bereits einige Erfahrung darin, bei diesem Thema maximal vage zu bleiben. „Ich bin da total tiefenentspannt.“ Schon zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres war heftig darüber spekuliert worden, ob der seit Januar 2010 erfolgreich fürs Kleeblatt arbeitende Fußballlehrer seine Tätigkeit nur im Aufstiegsfall fortsetzen würde. Mit dem Hinweis auf seine privaten Lebensumstände — seine Frau und seine beiden Töchter wohnen nach wie vor in Gelsenkirchen — zögerte der gebürtige Düsseldorfer die Entscheidung relativ lange hinaus. Wie es aussieht, wird das in diesem Jahr nicht anders sein.
„Wir stehen ständig in einem guten Dialog“, floskelt der neben Büskens sitzende Manager Rachid Azzouzi. Der Trainer sei ein „Glücksfall“ für Fürth, den man auf jeden Fall halten wolle, und zwar „ligaunabhängig“. In Büskens Gesicht ist keine Regung abzulesen. Die Fürther T-Frage harrt wahrscheinlich bis zum Saisonende einer Antwort.
Tatsächlich dürfte es, falls der Aufstieg erneut verpasst wird, diesmal noch etwas schwieriger werden, den 43-jährigen einstigen „Eurofighter“ zum Bleiben zu bewegen. Erstens findet er selbst, dass zwei Jahre im Fußballgeschäft schon eine ziemlich lange Zeit sind; zweites hat er schon jetzt bewiesen, dass er eine Mannschaft formen, führen und mit einer Spielidee ausstatten kann. Nach jedem der vier Testspiele gegen österreichische Erstligisten in Belek stellte er zu Recht fest, man habe „fast nichts zugelassen“. Selbst der Umstand, dass Top-Stürmer Olivier Occean (30) in der Türkei durch ungewohnte Unauffälligkeit auffiel, bereitet ihm offenbar kein Kopfzerbrechen. „Es gibt Spieler, die dann da sind, wenn es drauf ankommt.“
Nimmt man die offensichtlich prächtige Stimmung im Team als Maßstab, fühlt sich der Dauer-Zweitligist mehr denn je reif für die Erste Liga. Die Kleeblatt-Elf ist nach zwei Jahren Büskens in einem Ausbildungsstadium angelangt, in dem sie mit ihrem nahezu perfekten Pressing — siehe beispielsweise das Pokal-Achtelfinale gegen den Club — auch auf gehobenem Niveau ein konstant unangenehmer Gegner ist. In der Branche wird das allgemein anerkannt. Sagt der Trainer Fürth dereinst Adieu, wird es ihm definitiv nicht an interessanten Angeboten mangeln.
Immerhin: Im Gegensatz zur Lage vor einem Jahr wirkt sich bei der Spielvereinigung das Zögern ihres wichtigsten Angestellten kaum auf weitere Vertragsverhandlungen aus. Wie berichtet, könnten am Saisonende von den Stammspielern nur Bernd Nehrig und Stephan Schröck gehen. Und selbst Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, der ohne Büskens wohl nie bis 2013 beim Kleeblatt angeheuert hätte, stellt fest: „Natürlich wäre es schade, wenn er ginge. Aber ich bin Spieler von Fürth, nicht von Mike Büskens.“
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12