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Der schlaueste Satz des Abends kam von Hallensprecher Jürgen Bodach. Als er Trainer Michael Hänsel nach dem Spiel zum Interview vor die Sponsorentafel bat, sagte er: „Ich will dich jetzt nichts Dummes fragen“, also fragte Bodach den Trainer gar nichts. Was hätte Hänsel schon antworten sollen, warum die Begegnung gegen den SV Lohhof verloren ging, genauso wie bislang jedes Heimspiel zuvor in der laufenden Saison.
Personelle Ausfälle, Nervosität, fehlendes Selbstvertrauen — Hänsel hat es schon so oft erklärt, warum es mit dem Siegen einfach nicht klappen will und muss es doch immer wieder tun. „Was ich erzähle, ist wie ein Videoband. Es wird eingelegt und läuft immer gleich ab“, sagte Hänsel zerknirscht. Sein Trainerkollege aus Lohhof war da fröhlicher gestimmt. Seine Mannschaft hatte ja auch gewonnen. Überhaupt habe Benedikt Frank noch nie in Nürnberg verloren. Er komme auch deswegen immer wieder gerne hierher, weil er viele Leute im Publikum kennt. „Bitte seht es mir nach, wenn ich jetzt nicht jeden Einzelnen grüße“, sagte Frank und strahlte.
So ein Strahlen hatte auch Hänsel bei der Pressekonferenz im Verkehrsmuseum im Gesicht. Das war im September und man durfte sich als Zuhörer ein bisschen darüber freuen, dass am Tisch ein Trainer saß, der endlich mal von Höherem als dem Klassenverbleib sprach. Seine Zielsetzung war selbstbewusst, aber nicht utopisch.
Platz sechs, den hatten die Volleyballerinnen auch schon im Vorjahr erreicht und nicht weniger sollte es in dieser Spielzeit werden. Als Sicherheit hierfür nahm Hänsel die namhaften Zugänge, etwa US-Amerikanerin Desma Colburn, die eine ambitionierte, erfolgshungrige Mannschaft noch verstärken würde. Genau dieser Mannschaft hat es Hänsel zu verdanken, dass er seine Sätze nach nur einem Sieg in 14 Spielen nicht mit Schmähungen behaftet um die Ohren gejagt bekommt. Denn man kann den Volleyballerinnen des VfL Nürnberg viel vorwerfen, aber nicht mangelnden Einsatzwillen oder fehlenden Erfolgshunger.
Das war im Spiel gegen den SV Lohhof nicht anders. Die Mannschaft kämpfte aufopferungsvoll, peitschte sich nach jedem Punktgewinn an und dann stand es auf einmal 24:20 für den VfL. Als ob es ein böses Omen gewesen wäre, vergab der VfL die ersten vier Satzbälle und dann nahm das Schicksal, man muss es im Falle des glücklosen VfL langsam so nennen, seinen Lauf: Der erste Satz konnte noch mit 28:26 für sich entschieden werden. Was folgte, war „dieser eine unerklärliche Punkt, der immer wieder kommt“, wie es Hänsel nennt. Seinen Spielerinnen unterlief ein Fehler nach dem anderen, während Hänsel an der Seitenlinie so sehr gestikulierte, dass der Schiedsrichter dadurch eine versuchte Beeinflussung der eigenen Person gesehen haben wollte und Hänsel dafür mit der Gelben Karte bestrafte. Die Sätze zwei bis vier gingen mit 14:25, 14:25 und 19:25 an die Gäste.
„Unsere Misere nimmt mich emotional sehr mit“, gibt Hänsel zu, sieht aber darin gleichzeitig seinen ganz persönlichen Test. Im beruflichen Leben arbeitet Hänsel bei einem namhaften Sportartikelhersteller. Laut Hänsel werde dort immer nur von Wachstum gesprochen, der eigene Erfolg diene als Motivation. Genau das fehlt seiner Mannschaft. „Der weitere Saisonverlauf wird mir zeigen, ob ich wirklich Menschen führen kann“, sagt Hänsel.
Für die Motivation hat er sich „Dummheitsübungen“ einfallen lassen, wie er Hampelmännerbewegungen im Training nennt. Dadurch sollen seine Spielerinnen den Spaß am Spiel beibehalten und nicht an der eigenen Stärke zweifeln. Denn mit den Niederlagen soll Schluss sein. Jetzt. Ans Aufhören habe er nie gedacht, sagt Hänsel noch, ehe er den Plan für die restlichen Spiele ausgibt: „Wir müssen in zehn Spielen sechsmal gewinnen. Das sollte reichen, um nicht abzusteigen.“
In zwei Wochen hat der VfL im Spiel gegen TG Bad Soden die nächste Chance auf den ersten Heimsieg. Ob es klappen wird? Hallensprecher Jürgen Bodach hat auch hierfür einen schlauen Satz: „Es wird schon noch werden, irgendwann.“
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12