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Zu den lobenswerten Eigenschaften des Nürnberger BC zählt der Hang zur Nostalgie. Das beginnt beim Namen, der eben nicht wie in Bamberg, Essen, Paderborn (die Liste ließe sich beliebig erweitern) auf Baskets endet und setzt sich über die Treue zu seinem netten Trainer bis zur anachronistischen Art, Neuigkeiten zu verbreiten fort. Geradezu hip ist hingegen die Verpflichtung zu totaler Transparenz gegenüber Fans, Geldgebern und Berichterstattern.
Einer immerhin einjährigen schönen Tradition folgend hat der NBC erneut einen offenen Brief verfasst.
Die wichtigste Information des langen, oftmals ehrlichen, immer angenehm unverkrampften Schriftstücks verbirgt sich im sechsten Absatz: „Nach reiflicher Überlegung haben wir gemeinsam entschieden, den ausgelaufenen Vertrag mit Derrick Taylor nicht zu verlängern.“ Was dann nicht folgt, ist eine lauwarme Begründung, die nach der Erkenntnis, nach dem letztlich unbefriedigenden Auftritt in den Play-offs 2011 auch im Winter 2012 zu lange an dem hochanständigen Taylor festgehalten zu haben, verständlich gewesen wäre. Stattdessen endet die kleine Lobpreisung des ungemein populären Deutschamerikaners mit: „Vielen Dank, Derrick! Du bist und bleibst ein Teil des NBC.“ Allein aus diesen Zeilen kann man herauslesen, warum es den unterzeichnenden Geschäftsführer Alexander Lolis und Manager Johannis Kopkow gar so schwer gefallen ist, mit einer Trainerentlassung ein Zeichen zu setzen.
Taylors Nachfolger wäre wohl schon während der Saison Martin Ides gewesen, jetzt übernimmt der erfahrene, ebenfalls beliebte, sportlich zuletzt aber nahezu wirkungslose Center das Amt zur neuen Saison. „Ich habe eine ganz besondere Verbindung zum NBC und ich bin sehr glücklich, dass ich als Spieler Teil einer Entwicklung sein durfte, die ich nun als Headcoach auf anderer Position weitertreiben möchte“, so lässt sich der tschechische Ex-Nationalspieler in den Brief zitieren. „Für mich ist jetzt die richtige Zeit, meine in den USA und in Europa gesammelten Erfahrungen in die Waagschale zu werfen.“ Mit in der Waagschale sitzen weiter Corni Adler, Will Chavis und Juan Reile, deren Verträge bis 2013 laufen. Wie viele Spieler aus dem enttäuschenden aktuellen Jahrgang bleiben dürfen, ist ungewiss. Zumal Lolis und Kopkow, auch das kann man nostalgisch deuten, „einen deutlich reduzierten Etat“ ankündigen.

