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Neue Impulse für die Offensivabteilung

Nürnbergs Trainer Dieter Hecking arbeitet in Oberstaufen an Automatismen für den Angriff - 13.07.2012 06:56 Uhr

OBERSTAUFEN  - Bislang war der 1. FC Nürnberg nicht für sein spektakuläres Offensivspiel berühmt. In der neuen Saison soll sich das zumindest ein wenig ändern – mit neuer Strategie und neuem Personal.

Soll die Club-Offensive beleben: Neuzugang Timo Gebhart.
Soll die Club-Offensive beleben: Neuzugang Timo Gebhart.
Foto: Sportfoto Zink
Soll die Club-Offensive beleben: Neuzugang Timo Gebhart.
Soll die Club-Offensive beleben: Neuzugang Timo Gebhart.
Foto: Sportfoto Zink

Nein, furchteinflößend war das sicherlich nicht. 38 Tore hat der 1. FC Nürnberg in den 34 Spielen der abgelaufenen Saison erzielt — nur in Kaiserslautern, Hamburg und Augsburg hatte das Publikum harmlosere Offensivabteilungen ertragen müssen. Sonderlich gestört hat das mit der fehlenden Torgefahr niemanden in Nürnberg, schließlich landete man in der Tabelle ja nicht nur vor Kaiserslautern, Hamburg und Augsburg, sondern ließ auch Teams wie den FSV Mainz hinter sich, wo man sich über immerhin 47 Saisontore hatte freuen dürfen.

Fußball aber soll ja in diesem Jahrtausend auch ein ästhetisches Vergnügen sein — und noch finden sich wenige Anhänger, die sich an einem funktionierenden Defensivspiel vollends begeistern können. Das Publikum verlangt nach Spektakel — und Dieter Hecking weiß das. Zwar soll seine Mannschaft auch in der neuen Spielzeit „erst einmal gut gegen den Ball arbeiten, weil das auch bei den Spitzenmannschaften die Basis ist, aber auch der 1. FC Nürnberg hat die Möglichkeit, offensiv zuzulegen“.

Mehr Dominanz


Zunächst einmal aber hat man am Valznerweiher offensiv abgebaut: Daniel Didavi, der gemeinsam mit Tomas Pekhart am Ende der Vorsaison praktisch alleine fürs Toreschießen zuständig war, musste zurück zum VfB Stuttgart. „Damals sind ja ein Haufen Tore gefallen“, sagt Hecking über die Zeit, als man mit einem 4:1 gegen den FC Schalke auch den höchsten Saisonsieg feiern durfte, „da war das dann im Fluss.“

Fließen soll es diesmal schon ein bisschen schneller — ohne Didavi. Hecking feilt auch im Lauftrainingslager in Oberstaufen an den Automatismen in der Offensive. Ein wenig will er das Spiel seiner Mannschaft verändern, aus einer gesteigerten Passsicherheit soll mehr Dominanz entstehen, Nürnberg nicht mehr nur reagieren, sondern öfter auch agieren. Das Personal dafür glaubt man gefunden zu haben. Pekhart und Alexander Esswein sollen in ihrem zweiten Bundesliga-Jahr einen Schritt nach vorne machen, die Zugänge die Qualität auf Anhieb steigern: Timo Gebhart und Hiroshi Kiyotake haben ihre Stärken im Spiel nach vorne. Dazu kommt Robert Mak, dessen Vertrag auch aufgrund einer Leistungssteigerung am Ende der Rückrunde kürzlich verlängert worden ist. Gerade Esswein und Mak haben sich in Oberstaufen in erstaunlicher Frühform präsentiert. „Die beiden haben richtig Zug in ihrem Spiel“, sagt Hecking.



Weil Esswein und Mak schon richtig Zug haben in ihrem Spiel, Tomas Pekhart nach seinem EM-Urlaub am Montag wieder trainieren soll und Hiroshi Kiyotake nach seinem Olympia-Ausflug hoffentlich bestätigt, was er im Testspiel gegen Bamberg angedeutet hat, könnte es diesmal tatsächlich schwer werden, ein Teil der bislang eher unauffälligen Hecking-Offensive zu werden. Neben Gebhart, dem Hecking attestiert, dass er auf der Suche nach seiner Aufgabe im Spiel des neuen Vereins noch nicht so recht fündig geworden ist, bewirbt sich ja noch jede Menge Jugend um eine Stelle als Bundesliga-Offensivkraft. Da ist Roussel Ngankam, der mit der A-Jugend von Hertha BSC kürzlich noch im Finale des DFB-Pokals stand, Sebastian Polter, der aus Wolfsburg ausgeliehen ist, da sind Markus Mendler und Julian Wießmeier, die beide ihr Potenzial längst bewiesen haben — und da ist Philipp Klement, von dem sie sich für die Zukunft sehr viel erwarten am Valznerweiher.

Klement kam bereits vor einem Jahr aus Kaiserslauterns A-Jugend nach Nürnberg, konnte sich aber nicht für höhere Aufgaben empfehlen, weil er erst die Folgen einer Hüft-Operation auskurieren musste. Jetzt ist der Abiturient fit — und soll nicht mit Nürnbergs berühmtestem Abiturienten der Neuzeit verglichen werden. „Der Vergleich hinkt“, sagt Hecking, wenn man ihn fragt, ob es da Ähnlichkeiten gibt zwischen dem Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan und dem Mittelfeldspieler Klement. Und dann sagt Hecking noch etwas, was vielleicht bezeichnend ist für die neuen Angriffsbemühungen am Valznerweiher: „Philipp ist der deutlich offensivere Spieler der beiden.“

Ob mit den neuen Offensiv-Personal tatsächlich alles besser wird, bleibt abzuwarten. Das Trainingsspiel gestern Vormittag in Oberstaufen endete 1:1, die Entscheidung fiel erst im Elfmeterschießen. Immerhin hatten fast alle gut gegen den Ball gearbeitet. 

VON FADI KEBLAWI


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Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

Deutscher Meister: 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968

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