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Susa Wesley, die Abteilungsleiterin, drehte ihren Stuhl am Kampfrichtertisch in Richtung des Publikums. Sie konnte es nicht mehr mit ansehen. Eben schon hatte Christian Tausendpfund, der die ersten drei NHTC-Tore besorgt hatte, verschossen. Nun schnappte sich Max Müller, Olympiasieger und Kapitän, die gelbe Hartplastikkugel und legte sie auf den Siebenmeterpunkt.
7:5 führte zu diesem Zeitpunkt der NHTC, vorher war es munter hin und her gegangen zwischen dem Vorletzten und dem Tabellenzweiten aus Mannheim. Die vorentscheidende Drei-Tore-Führung musste jetzt her, ein einfaches Tor gelingen, das eine ganze Saison entscheiden sollte.
„Der Abstieg wäre für uns eine Katastrophe“, hatte Max Müller gesagt. Auch Norbert Wolff, der Trainer, hatte den Jungs einmal mehr ins Gewissen geredet: Man spiele nicht nur für diesen Verein und seine Zukunft, sondern für die Sportart Hockey in einer ganzen Region. „Das Schlimme dabei ist, wie viel Potenzial wir ja eigentlich haben“, fand Müller. Aber das war ja gerade das Problem gewesen, dieses Potenzial. Denn die Mannschaft wusste die ganze Zeit, wie gut sie spielen kann, sie tat es nur nicht. Das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft hatte man locker-leicht ausgelobt, doch anstatt alles dafür zu investieren, dachten viele lange Zeit an einen Selbstläufer. So lange, bis der NHTC über die Weihnachtsfeiertage auf den letzten Platz gesunken war.
Erst, als die allerletzte Chance näher rückte — man sprach mittlerweile nur noch vom Klassenerhalt — „haben wir es geschafft, den Hebel umzulegen“, sagte der Kapitän. Selbst Norbert Wolff hatte da schon eine schlaflose Nacht darüber sinniert, ob er die Mannschaft überhaupt noch erreiche. „Wenn nicht, wäre ein Rücktritt die logische Konsequenz gewesen“, verriet er gestern.
Doch so weit musste es nicht kommen, als der direkte Konkurrent aus Stuttgart kam, merkte Wolff, dass „urplötzlich taktische Dinge umgesetzt werden. Endlich hat sich jeder eisern daran gehalten“. Die Mannschaft lief nicht mehr Hals über Kopf in Konterangriffe, sie sicherte jetzt die Defensive. Die Stürmer blieben nach Kugelverlusten nicht mehr resigniert stehen. „Und: Wir hatten endlich den Touch vor dem Tor“, so Wolff.
Der 6:3-Sieg über Stuttgart ließ den Knoten platzen, der NHTC verließ den Abstiegsplatz wieder. Gestern Mittag folgte ein noch couragierterer Auftritt gegen Mannheim, den Tabellenzweiten, der in acht Spielen sechs Siege gefeiert hatte.
Doch nun war der NHTC auf der Siegerstraße. Als es 7:5 stand, da wackelten noch einmal die Knie: Max Müller vergab seinen Strafstoß zwar, dafür legte er Joscha Brügel das 8:5 auf und krönte seine bärenstarke Leistung mit dem Treffer zum 9:5.
Als der 9:6-Sieg perfekt war, umarmten sich auch Susa Wesley und Wolff erleichtert. „Ich hatte mir zwei Sätze für diese Saison parat gelegt“, gestand der Coach. „Nummer eins: Wie bescheuert seid ihr, zu spät aufzuwachen. Und Nummer zwei: Wie bescheuert seid ihr, so eine Saison herzuschenken.“ Später, in der Kabine, erfuhren seine Jungs nur von Variante zwei.
Do. 23.05.13
Mi. 22.05.13
Mi. 22.05.13
Mo. 20.05.13
Mo. 20.05.13