Liam Boyce hat wohl auch Glück gehabt. Dem 19-jährigen Nordiren, der sich ausschließlich in breitem Belfaster Slang artikuliert, ist nach drei Tagen Probetraining im Ronhof vorerst kein Vertragsangebot unterbreitet worden. Also war der Stürmer auch nicht dabei, als sich seine eventuellen Kollegen in spe auf ein Terrain wagten, auf dem schon viele Fußballer ins Schleudern geraten sind. Von „Aufe wilde Wiese mit der Pärle Giese“ (Willi Lippens) über „Mexico mi Amor“ (Peter Alexander und die deutsche Nationalmannschaft) bis hin zu „Toni lass’ es polstern“ (Toni Polster & die fabulösen Thekenschlampen) – die Liste musikalischer Blutgrätschen ist lang, aber offenbar noch nicht lang genug.
Unter Anleitung des bekannten Fürther Bandleaders Thilo Wolf sangen Kapitän Thomas Kleine & Co. am Mittwochabend ein neues Vereinsliedchen ein, Titel: „Kleeblatt, wie bist du schön.“ Einer der Verse für die Ewigkeit lautet: Olé, olé, olé, wir lieben dich über den grünen Klee, hey, hey, hey.“ Stürmer Christopher Nöthe meinte danach selbstkritisch: „Keiner von uns wird eine Gesangskarriere starten, aber wenn alle gemeinsam singen geht’s, das kann man ja bestimmt irgendwie zusammenschneiden.“
Ein Termin, bei dem es auf die Mannschaftsleistung ankommt, ist fraglos ganz nach dem Geschmack von Mike Büskens. Allerdings kann der Trainer normalerweise nachträglich nichts irgendwie zusammenschneiden. Und so drängte vor dem ersten Punktspiel – bei aller Freude über den glücklich erkämpften Einzug in die zweite Pokalrunde – die Frage in den Vordergrund, ob die Fürther im Angriff ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden können. In Braunschweig und in den beiden ernsthaften Testspielen davor war ihnen in der regulären Spielzeit dreimal in Folge kein Treffer gelungen. Dani Schahin (21) und Kingsley Onuegbu (24), die dabei eingesetzten Stürmer, verfügen über wenig beziehungsweise gar keine Zweitligaerfahrung.
Noch vor zwei Wochen konterte Büskens entsprechende Zweifel mit einer forschen Gegenfrage: „Warum soll nicht aus einem unseren jungen Stürmer ein zweiter Allagui werden.“ Danach muss die Zuversicht, den nach Mainz abgewanderten Torjäger mit vorhandenem Personal ersetzen zu können, gelitten haben. Laut Manager Rachid Azzouzi prüft man derzeit „mehrere Optionen“. Dabei stößt das Kleeblatt offenbar trotz der Einnahme durch den Verkauf von Allagui an bekannte Grenzen. „Für uns“, so Azzouzi, „ist es grundsätzlich sehr schwierig, einen gestandenen Spieler zu verpflichten.“
Liam Boyce, den sein Berater als „eine Mischung aus Wayne Rooney und Claudio Pizarro“ anpreist, würde etwa 250000 Euro kosten. Der junge Mann wurde in seinem ersten Profijahr in Nordirland mit 19 Treffern gleich Torschützenkönig, wäre aber trotzdem eher eine Investition in die Zukunft. Am Montag soll in dieser Sache eine Entscheidung fallen.
Vorerst ruhen die Fürther Hoffnungen vor allem auf Christopher Nöthe. Der nach eigener Aussage vollständig von einer Innenbanddehnung genesene Torjäger könnte am Sonntag erstmals nach längere Pause wieder in der Startelf auftauchen. Ebenso wie Kapitän Kleine sagt Nöthe, er habe auch mit dem aktuellen Kader „keine Bedenken“, dass das Kleeblatt nicht wettbewerbsfähig sein könnte.
In Karlsruhe liegt offenbar mehr im Argen. Trainer Markus Schupp wird in den Badischen Neuesten Nachrichten wie folgt zitiert: „Fast müsste man sagen: Würde mir jemand anbieten, dass wir wieder Platz zehn erreichen, würde ich das sofort unterschreiben.“ Pikanterweise haben seine Vorgesetzten den Aufstieg als Saisonziel ausgegeben. Schon vor einigen Wochen sah sich die Mannschaft genötigt, dem beim KSC-Präsidium offensichtlich unbeliebten Schupp in einem offenen Brief ihr Vertrauen auszusprechen. Verglichen damit sind die Misstöne in Fürth eher harmloser Natur.
