Der 1.FC Nürnberg begann gut – in den ersten zwanzig Sekunden. Almog Cohen hatte da sogar schon Richtung Tor von Hannover 96 geschossen, wenn auch hoch drüber. Etwa drei weitere Minuten hielt das Selbstbewusstsein noch – dann übernahm Hannover bis zur Pause alleine die Regie und sah Nürnberg phasenweise trostlos aus, ehe der Gast mit beträchtlicher Verspätung wieder dagegenhielt.
Was für Nürnberg möglich gewesen wäre, konnte man während der zweiten 45 Minuten ahnen – es blieb ein ganz und gar schlechter Trost, denn zuvor Versäumtes ließ sich nicht mehr nachholen. Nach zwei Bundesligasiegen in Folge (3:0 in Leverkusen, 2:0 gegen Hertha) stand damit am Ende die nächste Niederlage für einen 1.FC Nürnberg, der im Siegfall zum Europa-League-Teilnehmer Hannover hätte aufschließen können. Das 0:1 (0:1) von gestern Abend im eisigen Niedersachsenstadion indes führte den Club zurück Richtung Abstiegszone – und am Freitag reisen die furiosen Dortmunder zum Gastspiel im Frankenstadion an.
„Wir haben im Großen und Ganzen das Spiel nicht so angenommen, wie wir es vorhatten“, sagte Nürnbergs Kapitän Raphael Schäfer, der die auffällige Steigerung nach Seitenwechsel nicht loben wollte: „Das war zu wenig, wir haben zu Recht verloren – so geht das nicht.“ „Ich weiß nicht, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben“, rätselte Verteidiger Philipp Wollscheid, „es war ärgerlich, dass uns die Kampfkraft der letzten Woche eine Halbzeit lang fehlte.“
Warum Hannover zuvor so lange auf einen Sieg hatte warten müssen, erschloss sich, als Nürnberg mitspielte. 96 Tage, seit Oktober 2011, war den Niedersachsen ein komplettes Erfolgserlebnis versagt geblieben, aber dass der Vereinsname Programm wäre, ließ wiederum der Auftakt nicht vermuten. Wann Hannover in Führung gehen würde, war gegen konfuse Nürnberger zunächst bloß eine Frage der Zeit.
Nach 17 Minuten war es passiert: Sergio Pinto spielte quer auf die rechte Seite, wo Lars Stindl Nürnbergs Neuzugang Adam Hlousek versetzte – und präzise flankte. Den Rest erledigte Mohammed Abdellaoue, der einen Schritt schneller war als Dominic Maroh und zum 1:0 abschloss. Von Nürnberg war fortan bis zum Pausenpfiff nichts mehr zu sehen. Hannover setzte nach, und während von zehn Nürnberger Zuspielen gefühlte acht beim Gegner landeten, führte 96 seine Gäste ein wenig vor.
Die Heimkehr nach Hannover gestaltete sich zur kleinen Folter für den armen Dieter Hecking. Schon Mitte der ersten Spielhälfte schickte Nürnbergs Trainer die Angreifer Tomas Pekhart und Albert Bunjaku zum Warmlaufen, für eine Auswechslung angeboten hatten sich bis dahin fast alle seine Fußballer.
Aber ein kleiner taktischer Eingriff in der Halbzeitpause indes verkehrte die Verhältnisse einigermaßen unvermutet. Dieter Hecking brachte Pekhart für Almog Cohen ins Spiel und stellte vom noch arg unrunden 4-4-2-System auf das bekanntere 4-1-4-1 um, was Hannover derart verblüffte, dass erneut Heckings Club den besseren Start erwischte – aber für weitaus mehr als drei Minuten.
Daniel Didavi, vom Flügel in die Mitte gewechselt, setzte nun deutlich mehr Akzente, Timmy Simons hatte Jan Schlaudraff im Griff, das Spiel gewann an Temperament und Hitzigkeit – und jetzt war es der 1.FC Nürnberg, der aufs Tor drängte. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich hatte der eingewechselte Pekhart, der, nach einer Flanke von Markus Feulner, per Kopfball am überragend reagierenden Jung-Nationaltorwart Ron-Robert Zieler scheiterte.
Hecking brachte nach Pekhart auch Bunjaku, der sich vor fast exakt zwei Jahren an gleicher Stelle als dreifacher Torschütze hatte feiern lassen dürfen. Diesmal boten sich anderen die Gelegenheiten. Aber Didavis Freistoß verfehlte das Ziel knapp, und drei Minuten vor Torschluss standen sich - nach Hlouseks Freistoß – Didavi und Jens Hegeler im Torraum von 96 gegenseitig im Weg. Die Kugel trudelte am Tor vorbei, dann war Schluss – und Nürnberg durfte an die alte Erkenntnis erinnert werden, dass ein Spiel neunzig Minuten dauert. Nur für 45 davon daran teilzunehmen, reicht nicht im Abstiegskampf.
Hannover: Zieler; Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander – Schmiedebach, Pinto ((90.+2 Sofian Chahed) – Stindl, Rausch – Schlaudraff (83. Stoppelkamp), Abdellaoue (89. Sobiech).
Nürnberg: Schäfer; Feulner, Maroh, Wollscheid, Hlousek – Didavi, Simons, Cohen (46. Pekhart), Hegeler – Eigler (73. Bunjaku), Esswein (82. Frantz).
Schiedsrichter: Fritz (Korb). – Zuschauer: 35400. – Tore: 1:0 Abdellaoue (18.). – Gelbe Karten: Abdellaoue, Schlaudraff / Wollscheid.

Do. 23.02.12
Mi. 22.02.12
Mi. 22.02.12
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So. 19.02.12
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Sa. 18.02.12
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