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Patrick Ehelechner: Zwischen Nürnberg und Sibirien

Ein letztes Interview mit dem ehemaligen Torhüter der Thomas Sabo Ice Tigers - 16.03.2012 08:00 Uhr

Das wars: Patrick Ehelechner hat sich von Nürnberg verabschiedet.

Das wars: Patrick Ehelechner hat sich von Nürnberg verabschiedet. © Zink


Herr Ehelechner, Sie müssen Ihre Zelte abbrechen. Wir können offen reden: Ihr Lieblings-Café in Nürnberg?

Patrick Ehelechner: Da sitzen wir zufällig gerade drin, das war immer das Violetta (Obere Wörthstraße 10).

Und warum?

Ehelechner: Weil ich dieses Flair mag. Ich mag das Persönliche, der Besitzer ist täglich da, begrüßt mich, quatscht mit mir über Sport und den großen Rest. Und mit den großen Franchise-Cafés kann ich nichts anfangen. Nun kann mir auch niemand garantieren, dass der Kaffee, der hier serviert wird, nicht auch zu einem Hungerlohn geerntet wird. Aber es fällt mir viel leichter, den Leuten hier zu vertrauen.

Ist das Violetta vielleicht Ihr Lieblings-Café, weil man sich hier nicht so fühlt als wäre man in Nürnberg?

Ehelechner: Ja, da ist was dran, ich bin jeden Tag woanders. Manchmal bin ich hier in Paris, manchmal in Rosenheim, manchmal in Mailand — je nach Gefühlslage, Tageslaune war ich hier schon in vielen anderen Städten.

In diesem Jahr waren Sie dann in Lagos oder an irgendeinem anderen unwirtlichen Ort.

Ehelechner: Sibirien, in diesem Jahr war ich oft in Sibirien.

Gibt es denn noch einen Ort in Nürnberg, an dem man sich wie in Rosenheim fühlt?

Ehelechner: Nein, den gibt es nicht.

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Rosenheim ist einzigartig?

Ehelechner: Dahoam is dahoam. So heißt zwar mittlerweile auch eine Soap, aber das bringt es trotzdem noch immer auf den Punkt. Man kann es sich zwar überall anders so schön machen, wie dahoam. Aber es wird nie so sein wie zu Hause.

Was hat der Berufspendler Patrick Ehelechner als Erstes gemacht, wenn er dahoam war?

Ehelechner: Ich bin in mein Lieblings-Café gegangen, hab’ meine Familie, meine Freunde gesehen. Und hab’ mich in meinem Lieblings-Café zurückgezogen.

Wohin haben Sie sich in Nürnberg zurückgezogen, wenn Sie mal nicht erkannt werden wollten?

Ehelechner: Immer ins Büro des La Chitarra zurückgezogen. Zunächst einmal habe ich da was zu essen bekommen. Das war sehr wichtig. Und die Jungs des La Chitarra wussten immer ganz genau, wann ich nicht über Eishockey reden wollte. Da durfte ich einfach Mensch sein. Das war sehr angenehm.

Ihre Lieblingspizza im La Chitarra?

Ehelechner: Da habe ich mittlerweile meine eigene Kreation — also leider. Gesund ist die eher nicht: Eine Hälfte ist mit Gorgonzola und Schinken belegt, die andere mit toskanischer Salami, Pepperoni, Champignons und einem Hauch von Knoblauch.

Bester Club in Nürnberg?

Ehelechner: Oh. Da darf ich mir es mit niemandem verscherzen. Sagen wir, ich mag alle sehr gerne. Aber wenn es vom Spielplan her gepasst hat, waren wir hauptsächlich im Indabahn, 360 und dem Mach1 unterwegs.

Apropos: Wie oft waren Sie denn eigentlich in den letzten fünf Jahren beim Club?

Ehelechner: Eher selten — was aber nichts mit dem 1. FC Nürnberg zu tun hat. Mit Manager Martin Bader pflege ich ein gutes Verhältnis. Wir haben uns auf einem Golfturnier kennen und schätzen gelernt. Er hat mir gesagt, ich kann immer Karten haben. Das lässt sich zwar nur schwer mit der Arbeit als Eishockey-Profi verbinden — aber ich hoffe, dass das auch in der Zukunft noch gilt.

Nettester Club-Profi?

Ehelechner: Wolf, definitiv Andi Wolf. Uns hat verbunden, dass wir beide einen Kreuzbandriss hatten. Ende 2008 haben wir zusammen in der Reha am Valznerweiher trainiert. Das war der netteste. Und lustig war natürlich auch der Herr Gündogan.

Lustigster Ice Tiger in der Kabine?

Ehelechner: Am meisten Spaß hatte ich mit Michel Périard und zuletzt mit Martin Walter.

Mit welchem Ice Tiger konnte man am besten feiern?

Ehelechner: Heuer war es schwer, jemanden zu finden. Wir waren fast gar nicht weg. Die Jungs und ich, wir waren uns oft ein bisschen uneins, wie man einen Abend gestaltet. Manche verstehen unter Weggehen vor allem Trinken. Ich verstehe unter Weggehen Tanzen. Ich vertrage nicht so viel Alkohol. Der eine oder andere hat sich es drei Stunden auf der Couch bequem gemacht, ich hab drei Stunden getanzt und bin ausgelacht worden.

Weil ein Eishockey-Profi nicht tanzt?

Ehelechner: Anscheinend. Aber ich kenne es nicht anders. Ich will ja auch meine Moves zeigen, die ich über die Jahre gelernt habe. Wahrscheinlich waren sie nur neidisch.

Schönster Moment in der Arena?

Ehelechner: Wahrscheinlich mein Comeback nach dem Kreuzbandriss.

Der schönste Sieg?

Ehelechner: Der ist interessanterweise gar nicht so lange her: Das 1:0 gegen Mannheim. Ein richtig geiles Torwartspiel, 0:0 nach 60 Minuten, über 6000 Zuschauer, die Rivalität mit Mannheim, 1:0 nach Verlängerung. Ein absolut perfekter Abend.

Nach was riecht Pucki eigentlich?

Ehelechner: Nach Perwoll. Pucki riecht gut. Pucki wäscht sich ja auch oft.

Haben Sie Pucki mal reden hören?

Ehelechner: Ja, habe ich. Wir Spieler wissen ja auch, wer Pucki ist.

Wie, Sie wissen, wer Pucki ist? Pucki ist Pucki.

Ehelechner: Pucki ist Pucki. Aber es gibt ja noch einen Pucki im Pucki. Und den Pucki kenne ich auch noch. Beide sind eine Legende in Nürnberg.

Wollen Sie auch als Legende in Erinnerung bleiben?

Ehelechner: Nein. Ich hoffe einfach, dass mich die Leute hier nicht vergessen, das Insolvenzjahr, meine fünf Jahre. Das meine ich nicht nur sportlich. Ich hoffe, dass sie mich als Mensch nicht vergessen. Vielleicht sagen sie ja: Mei, der Patrick, das war kein Bazi. 

Interview: SEBASTIAN BÖHM

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