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Während des 23-tägigen Heimaturlaubs hat sich Javier Pinola traditionell die Haare schneiden lassen. Seitlich trägt er sie neuerdings extrem kurz, in Argentinien ist ja Hochsommer. Über 40 Grad hatte es in den vier Tagen vor seinem Abflug nach Antalya. 20 Stunden sei er insgesamt unterwegs gewesen, erzählt Pinola. 20 Stunden, bis er endlich wieder bei seinem Club war.
Dass es ihm bei seinem Kurztripp nach Belek nur um die Nähe zu den netten Kollegen geht, ist jedoch höchstens die halbe Wahrheit. Pinola wollte ein Gespräch führen. Mit Trainer Dieter Hecking und Sportdirektor Martin Bader, das sagte er Verantwortlichen von CA Lanus zu. Die hatten ihn und seinen Berater angerufen; man unterhielt sich über einen möglichen Wechsel zum aufstrebenden Erstligisten aus dem Großraum Buenos Aires, den Pinola mit Hoffenheim oder Wolfsburg vergleicht. Also ein Verein ohne Geschichte, aber mit Geld.
Ein konkretes Angebot hätten sie ihm nicht unterbreitet, erzählt Pinola. Und später auch, dass er in den vergangenen Jahren „schon bessere Angebote“ hatte, aber nicht weg wollte. Was ihm diesmal freilich etwas schwerer zu fallen scheint als sonst. CA Lanus sei ein „interessanter Verein“, sagt Pinola, „aber es wissen doch alle, wie wohl ich mich in Nürnberg fühle“. Dass er früher oder später nach Argentinien zurückkehren könnte, schließen sie auch beim Club nicht aus. Aber frühestens in knapp eineinhalb Jahren. So lange ist Pinola noch vertraglich gebunden. Ein vorzeitiger Abschied des Publikumslieblings „ist für den 1. FC Nürnberg überhaupt kein Thema“, stellt Hecking klar. Ende der Durchsage. Pinola muss bleiben.
Dass etwas dran ist an der Meldung, die auch in Belek für einigen Wirbel gesorgt hatte, wollte selbst Bader nicht mehr bestreiten. Nur sind eben stets zwei Vereine an einem Transfer beteiligt — und beim Club denkt man überhaupt nicht daran, Pinola ziehen zu lassen. „Blödsinnig und abwegig“ findet Bader bereits die Vorstellung, dafür ist der linke Verteidiger einfach zu wichtig für die Nürnberger Mannschaft. Als Fußballer und Persönlichkeit. Seit sechseinhalb Jahren hält er die Knochen hin für den Club, 2008 ging er sogar mit in die 2. Liga. Nürnberg ohne Pinola? Nur schwer vorstellbar, auch für Hecking. „Es sei denn, die bieten uns 25 Millionen.“ Ein Scherz des Trainers, mehr nicht.
Was aber passieren würde, wenn CA Lanus wirklich ernst machen sollte und bis zum 31. Januar tatsächlich eine verlockende Ablösesumme bieten würde für den bald 29-Jährigen, lässt sich nur schwer prognostizieren. Fakt ist, dass sich der Profi und seine Familie sehr wohlfühlen in Nürnberg. Dennoch scheint ihn die Anfrage aus Argentinien ein wenig durcheinandergebracht zu haben. Aus Gründen der Fairness „musste ich den Club informieren“, sagt Pinola, der um Transparenz bemüht ist. Und CA Lanus vor seiner Abreise die Nachricht zukommen ließ, „alles zu klären“. In Belek.
Das ist mittlerweile geschehen, so dass sich Pinola wieder auf den Sport konzentrieren kann. Gestern Vormittag durfte er sich gleich mal austoben, Athletik-Trainer Andreas Beck scheuchte ihn ordentlich herum. Seine Schambeinentzündung ist abgeklungen, „ich fühle mich sehr gut und kann jetzt wieder mehr machen“, sagt Pinola, der, endlich schmerzfrei, schon wieder „mindestens geradeaus rennen kann“. Da aber auch seitliche Bewegungen unabdingbar sind auf höchstem Niveau, wird es noch etwas dauern, bis er wieder einsatzfähig ist. „Schritt für Schritt“ wolle er sich heranarbeiten, „ich werde alles geben“, verspricht Pinola.
Das ist er seinem Verein und vor allem seinen Fans schuldig, die ihn gestern Vormittag gewohnt herzlich begrüßten in Belek. Auch die Kollegen freuten sich natürlich, ihren „Pino“ wieder bei sich zu haben. „Ich wollte einfach wieder das Teamgefühl spüren“, sagt Pinola, und: „Jetzt bin ich im Kopf frei.“ Selbst den CA Lanus scheint er erst einmal verdrängt zu haben.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12