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Bevor ihm auf der Pressekonferenz nach dem Spiel das Wort erteilt wurde, knetete Mike Büskens ausgiebig seine Hände. Vielleicht, weil sie noch immer vor Kälte taub waren nach 90 Minuten im eisigen Rudolf-Harbig-Stadion; vielleicht auch, weil er nach Formulierungen suchte, um zu erklären, was im Fußball immer wieder passiert und doch nur schwer zu begreifen ist. Büskens begann — das ist nie verkehrt — mit einem Kompliment für die Gastgeber. „Ich muss Dynamo beglückwünschen. Die Dresdner waren vom ersten Augenblick an sehr engagiert, sehr aggressiv.“ Und seine Elf? „Wir haben uns zu wenig gewehrt, hatten zu wenig Handlungsschnelligkeit.“
Zu wenig gewehrt. Wahrscheinlich gab es noch nie eine Fürther Mannschaft, die in der Winterpause so forsch, so zuversichtlich, so scheinbar tatendurstig auf den Beginn der zweiten Saisonhälfte hingearbeitet hat wie diese. Doch dann sah es am Freitagabend tatsächlich die meiste Zeit so aus, als ob bei arktischen Temperaturen allein die Sachsen mit heißem Herzen bei der Sache wären.
„Wir hatten keinen Bezug zum Spiel, zu diesen Bedingungen“, kritisiert Vereinspräsident Helmut Hack, der den Fehltritt seiner Angestellten am heimischen Fernseher verfolgte. „Von vorn bis hinten blieb nahezu jeder unter seinen Möglichkeiten.“ Ganz offensichtlich war sich die Mannschaft von Büskens ihrer Sache zu sicher. Sie kontrollierte zwar häufig das Spielgerät (60 Prozent Ballbesitz), aber niemals den hochmotivierten Gegner.
Wie schwer diese in jeder Hinsicht rechtmäßige Niederlage am Saisonende wiegt, ist noch nicht abzusehen. „Wir haben noch 14 Spiele“, stellte Kapitän Thomas Kleine am Freitag mit ernster Miene fest. Er meinte: nur noch 14 Spiele. „Da gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten, solche Fehler noch auszubügeln.“ Präsident Hack sagte nach den Sonntagsspielen in der Zweiten Liga und dem Sturz auf Rang vier der Tabelle, er gehe nach wie vor davon aus, dass über den Aufstieg erst in den letzten drei Wochen entschieden werde, „aber so darf es nicht weitergehen“. Büskens hat der Mannschaft erst mal bis heute Nachmittag freigegeben. Zum Ausspannen und zum Abschalten.
Unvermittelt stehen die eben noch als Derby-Sieger, Aufstiegsaspiranten und Asamoah-Verpflichter gefeierten Fürther vor einer sogenannten Woche der Wahrheit. Am Mittwoch (19 Uhr) folgt das Pokal-Viertelfinale in Hoffenheim, am Sonntag das Zweitliga-Spitzenspiel gegen irritierend konstante Paderborner. Letzteres muss nun dringender denn je gewonnen werden. Und der als Kür gedachte Pokal-Wettbewerb ist plötzlich zum knallharten Form- und Charaktertest mutiert.
„Da haben wir die Chance, die Eindrücke von Dresden auszumerzen“, meint Torhüter Max Grün. Das gilt nicht zuletzt für Grün selbst. Der auf der Linie reaktionsschnelle 24-Jährige offenbarte in Dresden nicht zum ersten Mal, dass ihm noch die Sicherheit fehlt, eine Spielsituation am oder im Strafraum intuitiv richtig zu beurteilen. Erst sein unmotiviertes Herauslaufen ermöglichte es Dynamo-Kapitän Robert Koch, per gefühlvollem Heber das frühe 1:0 zu erzielen. Danach fiel es dem Favoriten umso schwerer, noch vom Testspiel- in den Wettkampfmodus umzuschalten.
In der Winterpause hatte das Kleeblatt noch vergeblich versucht, den senegalesischen Torhüter Issa Ndoye zu verpflichten. Angeblich sollte der 25-Jährige aber nur als Ersatzmann geholt werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung nahm Präsident Hack seine aktuelle Nummer eins demonstrativ in Schutz. „Ich habe überhaupt keine Zweifel an seiner Klasse, er gilt zu Recht als bester Torhüter der Liga.“ Ziemlich sicher wird Max Grün auch am Mittwoch im Pokalspiel keinen ruhigen Abend verbringen. Sein oberster Boss gibt sich dennoch gelassen. „In Hoffenheim werden wir wieder eine ganz andere Fürther Mannschaft sehen“, verspricht Hack. „Wir wollen nach Berlin und wir wollen aufsteigen.“
Di. 22.05.12
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Mo. 21.05.12