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Wie hält man das aus? Mit gerade mal 22 Jahren. Dass ganz Deutschland über einen lacht. Nur knapp sechs Wochen liegen zwischen dem jungen Fußballer, der nach seinem krassen Fauxpas von Frankfurt Hilfe erflehend die Arme gen Himmel reckte, und dem Edgar Prib, der sich tiefenentspannt in einem bequemen Hotelsofa an der türkischen Riviera niedergelassen hat.
Zunächst, erinnert sich Prib, habe er noch gedacht: Zweite Liga, wer sieht das schon? Doch dann lief die Szene, in der er im Spitzenspiel bei der Eintracht den Ball ganz allein aufs leere Tor zulaufend scheinbar lässig an den Pfosten schubst, auf Youtube und TV Total. Zusammen mit seiner Freundin hockte er auf dem Sofa und sah zu, wie sich Stefan Raab über ihn lustig machte. Was bei manch anderem eine tiefe Depression ausgelöst hätte, wirkte bei Prib wie eine Katharsis. „Meine Freundin und ich haben gelacht, bis wir geweint haben. Das war das letzte Fünkchen, danach war die Sache verarbeitet.“
Nur eine Woche später sprang Prib im Frankenstadion in Kung-Fu-Kämpfer-Manier die Eckfahne an. Vor Freude. Sein Kopfballtor entschied das Frankenderby, hievte das Kleeblatt ins Pokalviertelfinale. Aus dem Trottel war der Derby-Held geworden. Auf der Heimfahrt von Nürnberg sangen Kleeblatt-Fans in der U-Bahn: „Es gibt nur einen Edgar Prib.“ In Windeseile schoss die Zahl seiner Facebook-Follower nach oben, in Atzenhof, wo er wohnt, klopften ihm selbst bislang weniger vertraute Nachbarn auf die Schulter, seine Freunde waren ohnehin aus dem Häuschen. „Viele haben mir geschrieben, ich hätte ihnen das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht.“
Manchmal, wenn er sich vor Augen führt, was in relativ kurzer Zeit alles auf ihn einprasselte, schüttelt der in Kasachstan geborene Deutsche ungläubig den Kopf. „Ich weiß jetzt, dass der Fußball völlig verrückt sein kann.“ Und da ist ja auch die Verpflichtung von Gerald Asamoah. Als der 33 Jahre alte Stürmer 2002 im WM-Finale eingewechselt wurde, war Prib ein zwölfjähriger Fan mit großen Träumen. Jetzt liegen der Junge von damals und der unerreichbare Star gemeinsam im Entmüdungsbecken. Lebensklug stellt der ehemalige Abiturient des Fürther Hardenberg-Gymnasiums fest: „Man muss für so was dankbar sein und darauf gespannt, was als nächstes kommt.“
Im Gegensatz zu Asamoah darf Prib sogar davon ausgehen, dass er beim Kleeblatt einen Stammplatz hat.
Seine Stärke liegt neben seiner mentalen Reife vor allem darin, dass er keine auffälligen Schwächen offenbart. Wenige Profis sind so vielseitig verwendbar wie er. Obwohl sich der „Linksfuß“ im zentralen Mittelfeld am wohlsten fühlt, hat er lange als Linksverteidiger ausgeholfen, was er als vergleichsweise langweilig empfand. „Ich kann das nicht, anderen beim Spielen zuzusehen“. Die offensive Rolle auf dem linken Flügel beherrscht Edgar Prib selbstverständlich auch. Im Frankenderby setzte ihn Trainer Mike Büskens sogar erstmals auf der rechten Außenbahn ein. Warum, weiß er bis heute nicht. „Wahrscheinlich, um den Club zu verwirren.“
Im zweiten Testspiel in der Türkei agierte Prib gestern wie gewohnt im zentralen Mittelfeld, und das vergleichsweise unauffällig. Die Tore zum auch in dieser Höhe verdienten 4:0-Sieg über den österreichischen Erstligisten Admira Wacker steuerten Bernd Nehrig per Foulelfmeter, Sercan Sararer und der zwei mal erfolgreiche Nachwuchsstürmer Ilir Azemi bei. In der für heute geplanten Partie gegen Red Bull Salzburg will Trainer Büskens vorwiegend „die Jungen loslassen“, also die zweite Garde des Kleeblatts. Edgar Prib dürfte dagegen trotz seiner erst 22 Lenze eine Pause vergönnt sein.
Di. 22.05.12
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Mo. 21.05.12