|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
und jetzt geht’s los. Stimmung, Leidenschaft, Witze, endlich – nach zwölf Zeilen und zwölf Zeichen Leere, die Kolumne sieht heute also so aus wie die Stadien seit Tagen, sie beginnt mit nichts, und wer vermutet, hier solidarisiere man sich auf etwas eklektizistische Weise mit dem organisierten Anhang, hat natürlich recht. Seit dem vergangenen Dienstag geht es jetzt schon so, für zwölf Minuten und zwölf Sekunden schweigen die Fans oder bleiben vorm Stadion, stummer Protest gegen ein Sicherheitskonzept der Liga, das am 12. 12. verabschiedet werden soll – und von dem die Fankurven befürchten, dass es geeignet ist, sie zu entmündigen oder kollektiv zu kriminalisieren.
Wie befremdlich Fußballstadien ohne Fans wirken, hört man – oder eben gerade nicht – dieser Tage; es soll jetzt zwar nicht behauptet werden, dem organisierten Anhang seien befremdliche Verhaltensweise vollkommen fremd. Aber zum Fußball gehört es – auch in dieser Kolumne –, gelegentlich Unsinn zu zelebrieren oder einmal etwas gemein zu sein (solange man darüber und über sich selbst lachen kann). Schlechte Witze gehen hin und wieder durch, laut kann es werden, Pyrotechnik allerdings ist auch in der Kolumne verboten (bloß ein Böller darf es ab und zu sein).
Würde Fußball bloß noch konsumiert werden, verlöre das Spiel einen wesentlichen Reiz; Fußball darf – wie jede Kunst – sogar provozieren. Die Drohkulissen, die derzeit besonders die Politik in Gestalt des Bundesinnenministers und auch einzelne Polizeigewerkschaften aufbauen, wirken geradezu absurd. Erstens, weil der unsinnige Eindruck entsteht, Besuche von Fußballspielen seien gefährlich. Zweitens, weil das überwiegend fröhliche und sogar kreative Kurvenvölkchen mit einer Minderheit von idiotischen Krawallmachern gleichgesetzt wird, wie es sie auf allen gesellschaftlichen Spielfeldern gibt. (Drittens könnte man sogar überlegen, ob manche Pseudo-Vips und Logen-Businessflegel nicht die größere kulturelle Bedrohung darstellen.)
Darüber ist die ganze Debatte unnötig kontrovers geraten – und „der Fan“, den es so ja gar nicht gibt, zum angeblichen Problemfall geworden. Der Fan ist auch der Großvater, der mit seiner Tochter und den beiden Enkelkindern zum Derby geht; dass in deutschen Stadien (anders als in vielen Nachbarländern) Platz für alle ist, gehört zu den schönsten jüngeren Entwicklungen des Gesellschaftsspiels Fußball.
Dass wiederum sogenannte Ultras tatsächlich nicht einfach mit Gewalttätern gleichzusetzen sind, dürfen sie natürlich auch selbst beweisen – nur sind Drohungen mit Kollektivstrafen und Stehplatzverbote kaum geeignet, einen solchen Prozess zu unterstützen. Manchmal ist es tatsächlich besser, einfach einmal zu schweigen.

