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Es ist ein heißer Herbst, der da gegenwärtig in deutschen Fußballstadien zu beobachten ist. Wie auf ein geheimes Kommando hin brennen seit Wochen immer wieder sogenannte Bengalos in den Fan-Blöcken, die Bilder der rot-gelb glühenden Fackeln zeigt das Fernsehen ja immer gerne und spricht dann in stereotyper Empörung von unverbesserlichen Idioten, die einfach nicht belehrbar seien.
Das ist prinzipiell richtig. Wer in dicht besetzten Zuschauerblöcken bis zu 2500 Grad heiße Magnesiumfackeln abbrennt, um damit eine Art besondere Fußballstimmung zu zelebrieren, der dürfte zumindest in diesem Moment einen heftigen Aussetzer im Gehirn haben. Aber wie so oft im Leben scheint der Reiz des Verbotenen so übermächtig zu sein, dass Vernunft und Verstand auf der Strecke bleiben.
Dumm nur, dass der Deutsche Fußball-Bund und die Liga nicht schuldlos sind daran, dass seit einigen Wochen in den Stadien die Bengalos brennen wie Leuchtfeuer an einer rauen Meeresküste. Denn DFB und DFL haben im Frühjahr mit rund 150 Ultra-Gruppen eine Diskussion über einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik begonnen. In einer Art Testphase sollten die Fans auf jegliches Abbrennen verzichten, während die Verbände prüfen wollten, ob spezielle Pyro-Zonen eingerichtet werden könnten, in denen das gefährliche Feuerwerk dann erlaubt sein sollte.
Das klingt in etwa so sinnvoll, wie auf der Autobahn bestimmte Raser-Zonen einzurichten, in denen man mit über 200 km/h rechts überholen darf, damit man es nicht überall tut. Die Fans wiederum haben sich mit ihrer Zündelei in jener inoffiziellen Testphase zurückgehalten und fühlen sich nun angeblich veralbert, weil sich – was zu erwarten war – das Gros der Vereine und der Sicherheitsexperten vehement gegen legale Pyro-Zonen in mit zigtausenden Menschen besetzten Arenen ausgesprochen haben.
Der aufgestaute Unmut und die vermutlich angehäuften Vorräte von Bengalischen Feuern müssen nun anscheinend durch massenhaftes Abbrennen abgebaut werden – egal, wie groß das Risiko ist, egal, wie hoch die Strafen sind, die die Vereine für diese Dummheiten bezahlen müssen. Die Bundesliga-Klubs haben von der Unbelehrbarkeit einiger Ultras längst die Nase voll.
Und so kommt es inzwischen zu solch kuriosen Szenen wie am Samstag in Bremen, wo Sprengstoffspürhunde der Polizei die Fans nach in der Kleidung verstecken Knallkörpern und Bengalos abschnüffelten, um so die potentiellen Knallköpfe erst gar nicht ins Stadion kommen zu lassen. Trotzdem: Dem DFB und der DFL kann man den Vorwurf nicht ersparen, mit dem seltsamen Legalisierungsangebot jene Geister geweckt zu haben, die man nun nicht mehr los wird. „In die Ecke, Besen! Besen! Seid’s gewesen.“ Das hat schon bei Goethes Zauberlehrling nicht funktioniert. Warum dann gerade beim Fußball...
