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Ringer träumen von Platz vier

Johannis Nürnberg startet am Samstag gegen Thalheim in die Saison - 09.08.10

NÜRNBERG  - Ein Aufsteiger, der gleich von Platz vier träumt? Das klingt vermessen, doch bei den Bundesliga-Ringern der SV Johannis Nürnberg weiß man um die Qualität des jungen Kaders. Mit etwas Glück sind die Play-offs mehr als nur ein Traum.


Für den Fotografen hat Florian Lederer (unten) seinen Kollegen Florian Dörfler geschultert. Auf der Matte wollen die Johannis-Neulinge dies mit ihren Gegnern tun.
Für den Fotografen hat Florian Lederer (unten) seinen Kollegen Florian Dörfler geschultert. Auf der Matte wollen die Johannis-Neulinge dies mit ihren Gegnern tun.
Foto: Weigert

Der Dukatenspeicher am Zeisigweg quillt nun wirklich nicht über, trotzdem können die Ringer der SV Johannis aus dem Vollen schöpfen. „Vier Deutsche im Aufgebot sind jetzt Pflicht – das schaffen einige Bundesligisten nur mit Ach und Krach“, sagt Abteilungsleiter Guido Fischer. In Nürnberg hingegen schickt man gleich doppelt so viele Einheimische auf die Matte und wird trotzdem kaum zu den Punktelieferanten zählen.

Das Erstliga-Team ist jung, es ist dynamisch und es ist erstaunlich wettkampferprobt. Fast alle haben bereits auf internationaler Ebene gerungen, Christoph Pscherer kehrte mit Bronze von der Junioren-EM zurück, im September wird mit Tim Schleicher rund zwanzig Jahre nach Pasquale Passarelli erstmals wieder ein Johanniser bei einer WM (in Moskau) im deutschen Kader stehen. Im März wartet dann die EM in Dortmund, deshalb starten die Nürnberger mit dem Heimkampf am Samstag gegen Thalheim (19.15 Uhr) in eine ungewohnt komprimierte Bundesliga-Vorrunde, die am 4. Dezember endet, eine Woche später beginnen die Play-offs. Mit Nürnberg?

„Die Großen ärgern“

„Zwischen Platz vier und neun ist alles möglich“, sagt Sportdirektor Fred Pscherer. Platz vier würde Play-offs bedeuten, Platz neun Abstiegs-Relegation, richtig offen will es keiner sagen, aber man ahnt: Rang vier ist zumindest gedanklich als Motivationszahl an die Kabinentür genagelt.

„Wir haben eine Mannschaft geformt, die die Großen ärgern und in sich wachsen kann“, umschreibt Pscherer das Konzept, das Cheftrainer Bernd Rieger und Andreas Buchhorn, der als Freistil-Coach zurückkehrt, verfolgen. Neben den Neuzugängen Florian Dörfler (Freistil bis 74 kg/Burghausen) und Florian Lederer (Freistil bis 96 oder 120 kg/Weingarten) ist Alexander Maksimovic (griech-röm. bis 74 kg) ein Baustein dieses Projekts. Allerdings wird der 22 Jahre alte Serbe und zweimalige Junioren-Europameister (Pscherer: „Ein absoluter Siegringer“) wie der Kubaner Yoel Romero eher punktuell eingesetzt werden.

Soll heißen, die SV-Ringer müssen sich gut überlegen, ob sie sich den Mattengang besonders von Maksimovic im wahrsten Sinne des Wortes leisten wollen. Sportlich können die Ringer vom Zeisigweg dank exzellenter Nachwuchsarbeit zwar aus dem Vollen schöpfen, doch der Saisonetat gleicht Passarellis goldener Brücke von Los Angeles 1984: Er steht, allerdings auf wackligen Beinen. „Halb Europa zusammenkaufen kann jeder, aber die Mannschaftsphilosophie in Nürnberg mit deutschen Talenten macht richtig Lust aufs Ringen“, sagt Dörfler. Ein schöner Auftakt am Samstag gegen Thalheim könnte weitere Sponsoren davon überzeugen. 





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