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Rugby: Dank Masterplan vom Nischendasein zum Breitensport

Geht es nach dem Neuseeländer Lofty Stevenson, soll sich Rugby in zwölf Jahren in Deutschland etabliert haben - 24.04.2012 07:00 Uhr

Nürnberg  - Die Rugby-Mannschaft des TSV 1864 Nürnberg hat gerufen und Philip „Lofty“ Stevenson ist gerne gekommen. Der Neuseeländer ist weltweit ein anerkannter Rugby-Fachmann und mittlerweile sogar so erfolgreich, dass er freiberuflich von einem Kurzauftrag zum nächsten tingeln kann. Vor der Trainingseinheit in Nürnberg sprach er über seine großen Ziele.

Eins mit dem Ball: Rugby-Trainer Lofty Stevenson lebt seinen Sport.
Eins mit dem Ball: Rugby-Trainer Lofty Stevenson lebt seinen Sport.
Foto: Aslandis
Eins mit dem Ball: Rugby-Trainer Lofty Stevenson lebt seinen Sport.
Eins mit dem Ball: Rugby-Trainer Lofty Stevenson lebt seinen Sport.
Foto: Aslandis

Sein Handschlag ist überdurchschnittlich kräftig, seine immensen Nackenmuskeln heben sein schwarzes T-Shirt gleich mehrere Zentimeter über seine Schultern und seine Frisur erinnert eher an die eines neuseeländischen Surfstars als an einen Rugby-Berater. Doch schon nachdem man nur wenige Sätze mit Lofty Stevenson gewechselt hat wird klar, dieser Mann lebt seinen Beruf und seine Philosophie. „Ich besitze das Talent, Leute ändern und verbessern zu können“, beschreibt er seinen Auftrag. Und genau das ist auch der Grund, warum diverse National- und Bundesligamannschaften immer wieder erfolgreich auf seine Dienste zurückgreifen.


Erinnern, wann ihn zuletzt jemand bei seinem ursprünglichen Vornamen genannt hat, kann sich der 47-Jährige nicht mehr. Lofty, was zu Deutsch „hochaufragend“ bedeutet, heißt Stevenson, weil er mit Zwölf schon stattliche 1,82 Meter maß und sein Trainer bei der Zuteilung der Positionen spontan zu ihm hoch blickte und sagte: „Lofty, du gehst in den Angriff.“

Als Spieler von vielen Verletzungen geplagt und zu langen Pausen gezwungen, konzentrierte sich Stevenson früh auf das Coaching der Coaches. In Neuseeland betreute er lange Jahre im Auftrag des Rugby-Verbands gleich mehrere Trainer gleichzeitig und auch nach Frankreich und England holten sie ihn, um die Betreuer dort besser zu machen. Nach Deutschland kam er über einen Bekannten aus seinem Heimatdorf. Der war zum Rugbyspielen hierhergekommen, bat ihn, einen Trainer-Kurs zu halten und daraus er-wuchs ein dauerhaftes Engagement. „Ich ermutige die Coaches stets, ihre Situation von draußen zu betrachten, was am besten bei ein paar Bier geht“, so der Kiwi über seine Arbeitsweise.

Seit vier Jahren lebt Stevenson nun in Frankfurt und verdient sein Geld als Trainer-Berater für jeden, der sich seine Dienste leisten kann. Derzeit arbeitet er unter anderem sehr erfolgreich beim Bundesligazweiten Pforzheim. Während des Winters flüchtet der Neuseeländer nach Hause auf die Südhalbkugel, pendelt also zwischen den Sommern hin und her und bewahrt sich so seine gute Laune. Das Rugby-Entwicklungsland Deutschland tut er sich jedoch immer wieder gerne an, da er hier ein unglaubliches Potenzial sieht: „Wir brauchen nur 100000 Rugby-Spieler, um den Sport nachhaltig etablieren zu können. Bei einer Bevölkerung von 83 Millionen dürfte das doch kein Problem sein.“

Um sein Ziel zu erreichen, hat Stevenson einen langfristigen 16-Jahres-Plan ausgearbeitet. Bis 2024 gibt er sich Zeit, um Rugby in Deutschland ohne Eile auf stabile Beine zu stellen. Ab dann soll sich der Sport auf Dauer auch ohne seine Unterstützung tragen. „Dabei ist das Wichtigste, dass wir weder auf uns noch auf die anderen Sportarten Druck ausüben. Nur so erreichen wir Stabilität.“

Seine Erfahrung aus dem Training mit Kindern zeigt ihm, dass schon die Kleinsten großen Spaß an Rugby haben und es deswegen wichtig sei, mit dem Sport so früh wie möglich zu beginnen. Den Körperkontakt bei den Erwachsenen beschreibt Stevenson wie den Aufprall bei einem Autounfall. Auf diesen gelte es sich vorzubereiten und wer diese verinnerlicht, würde sich sofort in Rugby verlieben.

Seine ansteckend positive Art verliert Lofty Stevenson nur beim Thema Deutschkenntnisse, denn er schämt sich, immer noch nicht die Sprache zu beherrschen. Aber noch bleiben ihm dazu ja zwölf Jahre Zeit.
  

VON MARKUS ERLWEIN


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