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Sebastian Polter: Ein Ex-Torwart stürmt für den Club

Der Angreifer will in Nürnberg zu einem richtigen Bundesliga-Spieler werden - 14.07.2012 07:00 Uhr

Voller Körpereinsatz: Sebastian Polter grätscht Marcos Antonio um.

Voller Körpereinsatz: Sebastian Polter grätscht Marcos Antonio um. © Sportfoto Zink / JüRa


Dann nachdenkt und ein: „Also gemeinsam mit Denise“ hinterherschiebt. Die muss sich noch ein wenig länger gedulden, weil Polter jetzt erstmal Bundesliga-Stammkraft werden will.

Zu sagen, dass Sebastian Polter in seinem Leben bislang immer die falschen Entscheidungen getroffen hat, wäre sicherlich nicht richtig. Wer ihn aber einzig gestern Vormittag während des Trainingskicks in Oberstaufen gesehen hat, könnte annehmen, dass es besser ist, Polter hin und wieder einen persönlichen Berater zur Seite zu stellen.

Seit einigen Wochen spielt Polter – 21 Jahre alt und Angreifer der schönen Kategorie Sturmtank – beim 1.FC Nürnberg Fußball. Das hat zur Folge, dass er mitunter in Trainingsspielen auf Javier Pinola – 29 Jahre alt, Verteidiger und eben Pinola – trifft. Gestern war es wieder soweit, man versuchte sich am Kopfballduell, Polter setzte seine Ellbogen ein und, nunja: weiß jetzt, wie es ist, wenn Javier Pinola knurrt.

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Gehört dazu, sagt Polter, dass man als Neuzugang irgendwann auch einmal einen wie Pinola zum Knurren bringt. „Man versucht eben, sich Respekt zu verschaffen“, beschreibt er seine Pinola-Erfahrung. Das dürfte ihm einigermaßen gelungen sein. Auf Dauer aber wird es der Leihgabe vom VfL Wolfsburg nicht reichen, ständig nur Pinola zu ärgern. Polter will in Nürnberg schließlich zum richtigen Bundesliga-Spieler werden.

In Wolfsburg ist ihm das im Vorjahr nur bedingt gelungen: Zwölfmal hat Polter mitspielen dürfen, hat zwei Tore geschossen – und dann Felix Magath gefragt, ob er für ein Jahr nach Nürnberg darf. In Nürnberg, das hat nämlich auch Polter mitbekommen, ist es vielleicht ein bisschen einfacher, ein richtiger Bundesliga-Spieler zu werden. „So wie Gündogan oder Schieber“, sagt Polter.

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So wie einst Gündogan oder Schieber hat auch Polter noch Entwicklungspotenzial. Dass er sich entwickeln kann, hat er glücklicherweise schon bewiesen, als er fast noch ein Kind war. Bis zur C-Jugend hat Polter nämlich im Tor gestanden beim SV Werder Bremen, sogar zur Nationalmannschaft hatte man ihn schon eingeladen. Dann aber hatte Polter plötzlich keine Lust mehr auf Werder und das Tor. Er ging zurück zum SV Wilhelmshaven, seinem Heimatverein – und spielte fortan Stürmer. Er machte auch das wieder so erfolgreich, dass er zwölf Monate später zu Eintracht Braunschweig wechseln durfte, wieder ein Jahr später einen Vertrag beim VfL Wolfsburg unterschrieb.

Jetzt ist er beim 1. FC Nürnberg gelandet und kann immerhin schon einmal erklären, wie das war mit dem ersten Tor in der Bundesliga. Es war der 17. Spieltag der Vorsaison, kurz vor Weihnachten: Nach 66 Minuten wurde Polter gegen den VfB Stuttgart eingewechselt, nach 74 Minuten flankte Marcel Schäfer – und Polter? „Ich stand plötzlich frei vor dem Tor“, sagt Polter. Er hat ins Tor getroffen – und dann kurz vergessen, was er sich vorgenommen hatte.

Der Jubel jedenfalls, sagt Polter, sei nicht so gelungen, wie man sich das vornimmt für den ersten Bundesliga-Treffer. Einen Spieltag später gegen Köln hat Polter wieder getroffen, wieder war es das entscheidende 1:0, der Jubel war schon professioneller nur der ganz große Überflieger ist er dann doch nicht geworden in Magaths kriselndem Star-Ensemble.

Konkurrent Pekhart

Das, sagt Polter, hängt auch zusammen mit seinen Defiziten, an denen er jetzt mit Hecking arbeiten will. In der Defensivarbeit will er sich verbessern und an der Kondition arbeiten. „Ich war nie der konditionsstärkste Spieler“, sagt Polter. Polters Aufholbedarf in dieser Hinsicht hat auch Hecking festgestellt. Aufholen muss Polter aber auch den Vorsprung, den sich Tomas Pekhart im Vorjahr als Angreifer Nummer eins in Nürnberg erarbeitet hat.

„Ich weiß, was Pekhart geleistet hat“, sagt Polter, „aber ich bin nicht gekommen, um mich 34 Spiele auf die Bank zu setzen.“ Acht bis zwölf Tore, das sagt er auch noch, hat er sich vorgenommen in seiner Nürnberg-Saison. Wie man ihm am Valznerweiher in Erinnerung behalten soll, wenn er zurückgeht nach Wolfsburg? „Als steifen Stoßstürmer“, sagt Polter und lächelt. Steifer Stoßstürmer – Pinola wird sich das gestern schon gedacht haben. 

VON FADI KEBLAWI

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