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Den 4. Dezember würde er wohl am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen. Es passierte in der 77. Spielminute in Hamburg und man musste fast damit rechnen: Timmy Simons wurde ausgewechselt. Zum ersten Mal, seit er für den 1. FC Nürnberg arbeitet. In seiner 49. Bundesliga-Partie. Aus taktischen Gründen, wie es hieß. Vor dem 0:1 war ihm allerdings ein schwerer Patzer unterlaufen. 48-mal in Folge hatte er zuvor durchgespielt.
Die Einsatz-Statistik sagt einiges über seinen Stellenwert, zudem rennt der 35-Jährige regelmäßig mehr als alle anderen. Zwischen 12 und 13 Kilometer pro Spiel, das ist sehr ordentlich. Auch deswegen ist man froh beim Club, dass Simons doch über den 30. Juni hinaus bleiben möchte. Und bleiben wird. „Es ist alles besprochen“, sagt Manager Martin Bader, bereits vor Weihnachten habe man „sehr konkrete Gespräche“ geführt mit dem belgischen Nationalspieler, in Belek folgte nun die Einigung.
Simons ist einer der wenigen Häuptlinge in der Mannschaft, seine Meinung zählt. Weil er weiß, wovon er spricht. Fünfmal Meister, zweimal Pokalsieger, bei einer WM (2002) war er schon dabei, die zweite Teilnahme soll folgen (2014), auch europäische Vereinswettbewerbe kennt er nicht nur aus dem Fernsehen. Die Jüngeren schauen auf zu ihm, selbst wenn er nicht in Bestform ist. Wie in Teilen der Vorrunde. Als Simons seinen Defensiv-Verbund phasenweise nicht mehr richtig unter Kontrolle hatte, auch ungewohnte Leichtsinnsfehler sind ihm da unterlaufen. Es schien sogar, als könne er das hohe Tempo nicht mehr dauerhaft mitgehen. Was auch daran lag, dass sich Simons mehr als vier Wochen mit einer angebrochenen Rippe herumplagte. Trotzdem: „Er kann sicherlich besser spielen“, sagt Dieter Hecking, „aber das weiß Timmy auch.“
Dennoch will der Trainer auch künftig nicht auf seinen Routinier verzichten, höchstens noch heute Nachmittag im Test gegen den niederländischen Erstligisten De Graafschap. Zumal auch belgische Vereine hinter ihm her waren und Simons mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ködern wollten. Also musste Nürnberg nachziehen. Wie es aussieht, mit Erfolg. „Wir hoffen, dass wir es in den nächsten Tagen hinbekommen“, sagt Bader und lässt dabei kaum noch Raum für Zweifel. Die im Sommer noch durchaus berechtigt waren.
Aus privaten Gründen wollte Familienmensch Simons eigentlich heim nach Belgien, er hat zwei kleine Töchter. Mittlerweile scheinen jegliche Bedenken gegen eine Verlängerung seines wahrscheinlich letzten Auslandsengagements aber ausgeräumt zu sein. Simons bekennt sich zum Club. Und der Club zu Simons. Von seiner Erfahrung dürften vor allem die vielen Talente profitieren, selbst wenn er eines Tages nicht mehr erste Wahl sein sollte.
Jens Hegeler hingegen wird ab dem 1. Juli wohl auf Simon Rolfes oder Manuel Friedrich hören; Leverkusen will ihn im Sommer zurückhaben, Bader bestätigte gestern eine Meldung der Bild-Zeitung. Sein Vertrag mit Bayer 04 ist noch bis 2013 gültig und Hegeler nur ausgeliehen. Nürnberg hat zwar eine Kaufoption, doch kann Leverkusen die Klausel kontern „und ihn zurückbestellen“, wie Bader erklärt. Dem Club bliebe zwar unter dem Strich ein kleiner Gewinn, aber auch eine Lücke im Mittelfeld. Bayer-Funktionäre hätten Hegeler mitgeteilt, „dass er im Sommer wieder nach Leverkusen wechseln soll“, sagt Bader, der jetzt erst mal bis Mai abwarten möchte.
Hegelers Plus ist seine Vielseitigkeit. Vom rechten Verteidiger bis zum Linksaußen kann er praktisch alles spielen, wenn auch zuletzt auf wechselhaftem Niveau. Seinen bisher mit Abstand stärksten Saison-Tag hatte der gebürtige Kölner ausgerechnet beim 3:0 in Leverkusen erwischt, wo man sich anschließend wieder an ihn erinnerte. Freilich könnte es für Hegeler auch in Nürnberg eng werden; die Plätze im defensiven Mittelfeld sind vorerst an Hanno Balitsch und Timmy Simons vergeben, auch auf den Positionen davor ist das Gedränge neuerdings enorm.
„Wir müssen uns nochmal zusammensetzen“, sagt Simons, „aber normalerweise passt das.“ Er und der Club. Aus zwei Jahren werden vier.

Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12